…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 1. April 2020

(zum Bild: Menschen in Tondo in Zeiten von COVID-19)

 

Die eigene Nase – Ein Bericht von “AlJazeera” im TV regte mich auf, weil man eine Familie in einer Bretter-Siedlung in Tondo interviewte, wie die in der Covid-19-Krise zurecht kommt, und wie es mit der Hilfe der Regierung aussieht. Tondo ist der dichtest besiedelte Bezirk von Manila mit 78 Tsd Bewohnern pro Quadrat-Kilometer. Die Familie von 9 Personen lebt dort in einem Raum, und neben einer Sperrholz- oder Presspappe-Wand lebt die naechste Familie. Um zur Strasze zu gelangen, muss man sich aneinander vorbeischlaengeln. “Social distancing” ist physisch unmoeglich, und Geld von der Regierung haben sie auch noch nicht gesehen, das braeuchten sie aber als Straszenhaendler und Tageloehner – “no work no pay”.

Warum bringen sie ausgerechnet Tondo, fragte ich mich, und kein Wort ueber all die Masznahmen, die Praesident Rodrigo Roa Duterte beschlossen hat!

Wie haette ich es denn gerne?

Sollen sie ueber mich berichten, der mit 4 Familien-Angehoerigen in einem Einzelhaus auf einem 250-Quadratmeter-Grundstueck im Norden von GenSan lebt und seinen Unterhalt mit einer Rente aus Deutschland bestreitet, die dem Grund-Einkommen eines hiesigen Polizei-Direktors entspricht?

Ich muss mich an die eigene Nase fassen. Die 200 Mrd Peso, die dem Praesidenten vom Kongress mit dem “Bayanihan Act” als Hilfe fuer Beduerftige bewilligt wurden, sind fuer die Leute aus Tondo, die in dem Bericht von “AlJazeera” gezeigt wurden und solche, denen es nicht besser geht.

Hier sind zwei Saetze von Senator Panfilo Lacson, vormaliger Chef der Polizei, interessant: “A hungry stomach knows no law”, und eine philippinische Redensart: “Aanhin pa ang damo, kung patay na ang kabayo? ~ Was soll das Gras, wenn das Pferd tot ist?

Zwischen diesen Saetzen liegen die Probleme, denen sich die Regierung gegenueber sieht.

Das eine Problem ist, rasch jene zu identifizieren, die fuer die Hilfe qualifiziert sind, und das ist Aufgabe des DSWD (Department of Social Welfare and Development), wozu Kabinetts-Minister Karlo Nograles, Sprecher der IATF (Inter Agency Task Force) fuer Masznahmen in der Covid-Krise, sagt: “In den kommenden Tagen wird das DSWD Einzelheiten darueber bekannt geben, wie beduerftige Familien diese Unterstuetzung erhalten koennen.” Vorgesehen sind 5 bis 8 Tsd Peso pro Haushalt je fuer April und Mai abhaengig vom Grundeinkommen der Region, und die muessen rasch kommen, denn Tageloehner leben von der Hand in den Mund. Und hoffentlich kommen sie ohne wiehernde Amtsschimmel.

Das andere Problem ist, dass der “lockdown” ein baldiges Ende haben muss. Wie der Tageloehner nicht tagelang, so kann eine Nation wirtschaftlich nicht monatelang “die Luft anhalten”. Das sieht auch Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne in der “Times” so, die er ueberschreibt: “Govt must now craft und start post-lockdown strategies.

Eingehender befasst sich der “Standard” mit dem Thema unter der Ueberschrift: “Government triggers path to normalcy”. Die IATF unter Leitung von Minister Carlito Galvez sasz ueber das Wochenende mit den Ministern Karlo Nograles (Kabinett), Benjamin Diokno (Haushalt), Carlos Dominguez (Finanzen), William Dar (Agrar) und den Wirtschafts-Groeszen George Barcelon (Phil. Handelskammer), Hans Sy (SM Malls), Enrique Razon (International Container Terminal Services), Manuel Pangilinan (First Pacific Company Ltd.), Jaime Augusto Zobel de Ayala (Ayala Corp.), Lance Gokongwei (JG Summit Holdings), Joey Concepcion (ASEAN Business Advisory Council) und anderen zusammen, die sich Gedanken ueber einen “selective lockdown” machen.

Wie der auch aussehen mag, klar ist, man will von der totalen Sperre weg. Doch wie und wann das geht ist abhaengig davon, wie Einzelmasznahmen greifen, und wie sich Covid-19 entwickelt. Um Knappheiten zu vermeiden wurde als konkrete Masznahme empfohlen, dem Vorschlag des Agrar-Ministers zu folgen, und 300 Tsd metrische Tonnen Reis zu importieren. Zu einer Voraussage in der Sache war jedoch keiner der Teilnehmer bereit, und zur Frage nach moeglicher Ausweitung des “lockdown” sagte Minister Nograles knapp, dafuer sei die Wissenschaft zustaendig.

Der oefter erwaehnte “nationale Aktionsplan fuer die ersten 100 Tage” ist also durchaus noch nicht fertig. Eine Krise wie die Covid-19-Pandemie wird halt nicht im Sprint bewaeltigt; das wird ein Marathon.

 



 

Gemaesz “AlJazeera”, “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

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