aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 24. März 2020

(zum Bild: Mit dem Bayanihan Act bekommen betroffene Familien monalich bis zu 8.000 Peso Unterstützung)

 

Historisch… – …waren die gestrigen Sitzungen von Haus und Senat aus mehreren Gruenden.

Erstmalig tagte das Haus in einer “virtual session”. Im Parkett waren rund 20 Abgeordnete physisch anwesend, waehrend die anderen 279 Abgeordneten via Telekonferenz dabei waren, die auf einem Bildschirm angezeigt wurden. Sprecher Alan Peter Cayetano erklaerte das fuer Beschluesse noetige Quorum (Mindest-Anwesenheit) als erfuellt.

Erstmalig tagte der Senat ohne den Minderheits-Block, was, wie der Sprecher der Minderheit, Senator Franklin Drilon betonte, kein Boykott sei. Die Senatoren seien in Selbst-Quarantaene, weil sie in einer Sitzung mit dem positiv getesteten Senator Miguel Zubiri waren, und Senats-Praesident Vicente Sotto beschied Drilon abschlaegig, als der um eine “virtual session” via Telekonferenz bat – der Senat verfuegt nicht ueber die notwendige Technik, die dem Haus zur Verfuegung steht. Die 12 anwesenden Senatoren waren genuegend fuer das Quorum.

Erstmalig duerften auch die Worte von Kanzlerin Angela Merkel im Haus sein, die Staats-Minister Salvador Medialdea zitierte, als er den Standpunkt der Regierung zum “National Emergency Bill ~ Bayanihan Act” vortrug. Er erzaehlte, wie die sich an das deutsche Volk wandte – “…das Coronavirus veraendert zurzeit das Leben in unserem Land dramatisch. Unsere Vorstellung von Normalitaet, vom oeffentlichen Leben, vom sozialen Miteinander – all das wird auf die Probe gestellt wie nie zuvor. Millionen von Ihnen koennen nicht zur Arbeit, ihre Kinder koennen nicht zur Schule oder in den Kindergarten, Theater und Kinos und Geschaefte sind geschlossen, und, was vielleicht das Schwerste ist: uns allen fehlen die Begegnungen, die sonst selbstverstaendlich sind…” – und Medialdea fuegte an, es sei, als habe sie zu den Filipinos gesprochen.

Der “Bayanihan Act”… – …hatte eine vorlaufende Diskussion, als von einer moeglichen “Uebernahme” privater Unternehmen durch den Praesidenten die Rede war, was mit dem Wort “Martial Law” in Verbindung gebracht wurde. Medialdea wiegelte da ab und erinnerte an das Kriegsrecht in Mindanao wegen der Marawi-Krise – es sei erklaert und nach Beendigung der Krise problemlos beendet worden. Dies mit dem Kriegsrecht unter Ferdinand Marcos zu vergleichen, waere so, als vergleiche man einen verfaulten Apfel mit einem, den man grad frisch vom Baum gepflueckt hat. Medialdea erklaerte: “Wir versichern dem Kongress und unseren Landsleuten, dass diese Regierung keine Absicht hat, die Macht zu missbrauchen, um die wir heute bitten.

In dem Gesetz ist dann auch von Uebernahme keine Rede, sondern es geht um eine Weisungs-Befugnis fuer private Krankenhaeuser und Hotels, um dort Mitarbeiter der Krankenhaeuser unterzubringen, um denen Anfahrtswege zur Arbeit zu erspaeren. Das klingt dann auch ganz anders.

Finanziell ging es um 200 Mrd Peso zur Unterstuetzung von 18 Mio Haushalten, die durch die Quarantaene ohne Arbeit sind, Sie sollen zwischen 5 und 8 Tsd Peso monatlich erhalten, je nach Region – in Metro Manila ist alles teuer, auf dem Land kommt man mit weniger aus. Dazu kommen 75 Mrd Peso fuer Ausruestungen des Gesundheits-Personals, fuer Test-Kits und die Einrichtung von Test-Zentren in der ganzen Nation. Bis jetzt gibt es das nur in Metro Manila.

Das Gesetz wurde im Haus mit 284:9 Stimmen angenommen. Es soll fuer 3 Monate gelten, falls nichts anders beschlossen, oder es durch Proklamation des Praesidenten beendet wird.

Im Entwurf des Senats ist von “emergency powers” keine Rede, wo der Entwurf des Hauses noch von einer “national emergency” sprach. Ebenso fehlt eine Formulierung, in der von einem “temporary takeover” von Hotels die Rede war. Der Entwurf des Hauses – House Bill 6616 – wird an den Senat gehen, wo es mit dessen Entwurf – Senate Bill 1413 – in Einklang gebracht wird. Die abgestimmte Fassung – der “Bayanihan Act” – geht dann an Praesident Rodrigo Roa Duterte zur Unterschrift.

Wie zu erwarten… – …stieg die Zahl der bestaetigten Faelle von Covid-19 sprunghaft um 82 auf die Gesamtzahl von 462, liesz das Gesundheits-Ministerium wissen. Deren Sprecherin Maria Rosario Vergeire fuegte gleich an: “Seien Sie nicht erstaunt, wenn die Zahl der Faelle in den kommenden Tagen weiter steigen wird.” Mit den von China geschenkten 100 Tsd Test-Kits seien mehr Tests moeglich. Es gab auch 8 neue Todesfaelle; sie waren alle maennlich im Alter von 57 bis 89 Jahren. Ich sollte vorsichtig sein.

Damit gibt es hier 462 bestaetigte Erkrankungen, 33 Todesfaelle und 18 Genesungen.

Die Zahlen sind mit Vorsicht anzusehen. Bei einer moeglichen Inkubationszeit von 2 Tagen bis zu 2 Wochen und einem moeglichen Verlauf, den der Infizierte gar nicht bemerkt, selbst aber Uebertraeger ist, und einer Strategie, die nur Tests bei sichtlich Erkrankten vornimmt, koennen Dunkelziffern nur erahnt werden.

So warnt denn auch Adhanom Ghebreyesus, Chef der WHO (World Health Organization): “Heute habe ich eine Botschaft fuer junge Leute: Sie sind nicht unschlagbar. Dieses Virus koennte Sie wochenlang ins Krankenhaus bringen – oder Sie sogar toeten. … Selbst wenn Sie nicht krank werden, koennen die Entscheidungen, die Sie treffen, den Unterschied zwischen Leben und Tod fuer jemand anderen ausmachen.

Lokales – Gestern Abend kam ein Mitarbeiter vom Barangay – City Heights, GenSan – durchs Viertel, und wir haben nun einen “Home Quarantine Pass”, mit dem unser Sohn die Besorgungen erledigen kann. Meine Frau, ich und die zwei Enkel muessen daheim bleiben. Zum Glueck haben wir einen kleinen Garten, sodass wir die Waende nicht nur von innen betrachten koennen. Meine Frau wuerde ohne ihren Garten durchdrehen.

Mir geht es da etwas anders. Neben dem Blog bin ich beim 696sten Buch aus der kostenlosen Gutenberg-Library, die ich mir nach und nach auf mein Tablet lade. Ich lese derzeit “Ashton Kirk, Investigator” von John T. MacIntyre, erschienen Philadelphia 1910 – sehr spannend.

 



 

Gemaesz “PNA”, “Manila Bulletin”, “GMANews”, “CNNPhil”, “Manila Times”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

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