aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 28. Februar 2020

(zum Bild:  Pokerface Senator Bong Go)

 

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …hielt am Mittwoch eine Rede bei Vereidigung neuer Beamter des NCAA (National Commission for Culture and the Arts) in Malacañang, worauf sich der “Tribune” mit seiner Schlagzeile “No knee-jerk reaction ~ Keine spontane Reaktion” bezieht. Gemeint ist die Entscheidung zur Kuendigung des VFA (Visiting Forces Agreement). Duterte sagte, er habe sich nicht mit dem Kabinett beraten, nicht einmal Innen-Minister Eduardo Año wusste von seiner Entscheidung: “Die einzige Frage die ich stellte war an die Armee: ’Koennen wir ohne Anerika ueberleben? Koennen wir die Kriege fuehren, denen wir uns gegenuebersehen?’” Mit den Kriegen bezog Duterte sich auf Rebellen im Land und den Drogenkrieg. Er bekam von Militaer und Polizei die Antwort: “Sir, wir koennen das.” Duterte ist der Ansicht: “Wenn wir das nicht koennen, dann macht es keinen Sinn eine Republik zu sein.” Und so findet er: “Wir koennen [sonst] amerikanisches Territorium oder eine chinesische Provinz sein.” Das sei dann auch egal.

Duterte ist niemandes Untertan. Er ist der gewaehlte Praesident eines souveraenen Landes, und die Hereinrederei des US-Senats geht ihm maechtig auf den Senkel: “Wisst ihr, de Lima, sie wurde untersucht und die Untersuchung wurde sogar vor Gericht gebracht, vor das Oberste Gericht, um zu entscheiden, ob das alles in Ordnung sei oder nicht. Und das Oberste Gericht sagte, es ist [in Ordnung].

Also, was soll das?

Dazu ein Kommentar im “Tribune”, der noch einmal die Geschaefte der damaligen Justiz-Ministerin Leila de Lima mit Drogendealern auffuehrt und findet: “Eine weitere offene und ungeschminkte Tatsache ist, dass die Forderung nach de Limas Freilassung ein ausgearbeiteter Propaganda-Auftritt ist mit dem ultimativen Ziel, Rody zu stuerzen.

Cayetano vs Velasco – Im Moment macht Alan Peter Cayetano wieder von sich Reden. Er behauptet, es gaebe eine Verschwoerung des Abgeordneten Lord Allan Velasco im Haus gegen ihn als Sprecher des Hauses. Velasco bestreitet das. Cayetano behauptet, da seien 20 Abgeordnete, die Gegenteiliges berichtet haetten – allerdings benennt er die 20 nicht.

Warum?

Ich schaute in mein Archiv: der Name Velasco taucht im Mai 2019, kurz nach der Zwischenwahl erstmals bei mir auf, und zwar im Zusammenhang mit dem Namen Cayetano. Damals schrieb ich, der Ex-Auszen-Minister Cayetano, der nun Abgeordneter fuer Taguig ist, habe Ambitionen. Er sprach damals mit “Inday” Sara – der Tochter des Praesidenten und Buergermeisterin von Davao, Sara Duterte-Carpio – wie die sagte, nicht um um ihre Unterstuetzung fuer die Wahl zum Sprecher zu bitten, sondern sie meinte: “Er kam jedoch mit einer verdeckten Drohung, wenn ich den Abgeordneten Velasco als Sprecher unterstuetze, wuerde ich die ‘Gruppe’ aufbrechen. Und das, sagte er, wuerde die Praesidial-Wahlen von 2022 beeinflussen.

Die Nachfolge Dutertes 2022 hat Cayetano seither als Fernziel im Auge. Nach der Wahl 2019 hatte man sich nach Beratung mit Praesident Duterte geeinigt, dass Cayetano 15 Monate, bis Oktober 2020, und Velasco danach 21 Monate Sprecher sein soll fuer die insgesamt 3 Jahre bis zur Wahl 2022. Das wurde als “Magellan-Formel” verbraemt, da Fernando Magellan 15-21 die Philippinen fuer Spanien entdeckte.

Doch schon im Oktober 2019 machte Cayetano von sich Reden, als er bei einer Umfrage von Pulse Asia 60 Prozent Zustimmung erzielte. Er aeuszerte, dass er Willens waere, die ganze Zeit als Sprecher des Hauses zu dienen, falls Lord Allan Velasco dem zustimmt und auf Erfuellung der Teilungs-Absprache fuer den Posten verzichtet. Diese Frage sei nach dem Umfrage-Ergebnissem von einigen Abgeordneten aufgeworfen worden. Zu dem Thema aeuszerte sich Velasco seinerzeit: “Ein Gentlemen Agreement ist ein Gentlemen Agreement.

Im November 2019 legte Cayetano in einem Interview mit der “Times” nach und sagte: “In jedem Fall wird der Sprecher gewaehlt, das ist das Verfahren. Niemand kann das uebernehmen, indem er nur sagt, dass Sie der naechste sein werden, denn es gibt keinen Vize-Sprecher, … es gibt keinen naechsten in der Schlange.” Und etwas spaeter meint er: “Ich kenne keinen Abgeordneten, der ueber das Amt des Sprechers spricht, es geht immer um Arbeit.

Doch, ich kenne einen – Alan Peter Cayetano!

Damals aeuszerte sich Praesident Duterte dazu, der die Einigung auf die “Magellan-Formel” moderiert hatte. Er sagte zu den ausweichenden Aussagen des Cayetano: “Ich war dabei, als wir uns einigten – wir drei – und ich gab es danach bekannt. Er (Cayetano) will das nicht wuerdigen? Das ist sein Problem.” Und Duterte kuendigte an: “Es wird ein Problem sein, also werden wir das Problem loesen, wenn wir dort sind. Noch ist nichts passiert. Es bleibt erstmal hypothetisch.

Ob das hypothetisch bleibt, werden wir sehen. Velasco gibt sich gelassen: “Ich bin ein Mann, der zu seinem Wort steht.

 



 

Pokerface Go – Jemand, der fast genauso bekannt ist wie Praesident Duterte, ist Senator Christopher “Bong” Go. Er bekam den Spitznamen “national photobomber”, weil es seit dem Wahlkampf 2016 kaum ein Foto des Praesidenten gibt, auf dem nicht auch “Bong” Go zu sehen ist. Er war der Assistent des Praesidenten – und stets bei ihm zu sehen – dann wurde er 2019 zum Senator gewaehlt und – ist bei jeder Rede und jedem Besuch des Praesidenten in dessen Naehe zu sehen.

Wo er bisher mit undurchdringlichem Gesicht stets “im Schatten des Praesidenten” stand, macht er nun von sich reden, und dem widmet der “Tribune” heute seinen Leitartikel: “Poker-faced no more”. “Bong” Go fiel kaempferisch auf in der Senats-Anhoerung, als er die Beschwerden Dutertes gegen ABS-CBN vortrug und fuer den Praesidenten sprach. Dabei bezeichnete er den Anti-Duterte-Spot des Antonio Trillanes als “black propaganda”. Er verwahrte sich dagegen und sagte in Richtung Trillanes: “Ich bin nicht wie du. Ich will mich nicht hinter parlamentarischer Immunitaet verstecken, wie du das getan hast.

Der Leitartikler sieht da eine Entwicklung Gos weg vom Fotobomber hin “zu jemandem, der eine Skala von Rollen im nationalen Bewusstsein gespielt hat.

Bei der Wahl 2019 hatte er nach den Senatorinnen Cynthia Villar und Grace Poe die meisten Stimmen als erstmalig in den Senat Gewaehlter. Und wenn fuer Wahlen der Grad der Bekanntheit zaehlt, dann kann “Bong” Go mit Cayetano nicht nur mithalten. Go ist der Haupt-Autor des Gesetzes zur Einrichtung der Malasakit-Center, die medizinische Behandlung der aermeren Filipinos gewaehrleisten. Sein Bild in den Nachrichten kenne ich fast nur – falls er nicht neben Duterte zu sehen ist – bei Eroeffnung des naechsten Malasakit-Centers. Von Cayetano hoert man dagegen nur, wenn er um sein Amt intrigiert.

Da gibt es aber noch jemand, wenn man auf die Wahl im Jahre 2022 schaut…

Inday Sara… – …hat sich nun zur ABS-CBN-Lizenz geaeuszert und fuer die Erneuerung ausgesprochen. Dabei erwaehnte sie, dass ihr Vater, Praesident Duterte, sich auch um das Los der Angestellten sorgt. Nun waere das nicht sehr bemerkenswert, haette ich nicht grad die Wahl 2022 im Auge, auf die Cayetano all sein Tun ausrichtet.

Inday Sara wird von vielen als Wunschkandidatin betrachtet. Ihr Vater raet davon ab: “Tut mir Leid wenn ich das sage. Es zahlt sich nicht aus, und dann die Dinge, die du ertragen musst, nur weil du da bist. Du wirst beleidigt, du wirst kritisiert fuer Dinge, von denen du weiszt, dass sie nicht wahr sind.

Sie selbst will sich noch nicht aeuszern, erst 2021, wenn die Sache akut wird und Entscheidungen zu faellen sind. Doch wenn sie jetzt in Sachen ABS-CBN Stellung nimmt fuer die Erneuerung der Lizenz, wo Cayetano auf Zeit spielt und die Sache schleifen laesst, weil anderes wichtiger sei – was er wieder nicht benennt – draengt sich mir der Verdacht auf, dass sie sich zu positionieren beginnt als ruhender Pol gegenueber dem Gerangel im Kongress.

Kapamilya… – …ist ein Marken-Name, zu dem die Mitarbeiter und die Stars des ABS-CBN-Netzwerkes zaehlen. Hierzu zaehlt auch Senatorin Grace Poe, wie Rigoberto Tiglao in seiner heutigen Kolumne in der “Times” feststellt. Er ist halt der investigative Journalist, der dem “Deep Throat”-Motto treu bleibt: “Follow the money!” So ueberschreibt er seine Kolumne heute: “Kapamilya: Poe’s family made and will continue to make, money from ABS-CBN”. Poes Mutter Susan Roces spielt die Rolle der “Flora ~ Lola Kap” in der Erfolgs-Serie “Ang Probinsiyano”, und sie selbst erhaelt Gelder aus den Film-Rechten ihres verstorbenen Vaters Fernando Poe jr., FPJ. Dass Poe die Leitung einer Anhoerung des Senats zur Lizenz von ABS-CBN hat, haelt Tiglao fuer unverschaemt. Seiner Meinung nach war das ganze nur eine Propaganda-Show fuer ABS-CBN.

In einem Kommentar fuer den “Tribune” schreibt auch der ehemalige Sprecher des Praesidenten Harry Roque: “Aber wo ich ein schwere Bedenken habe, das ist, wo Politiker wie Sen. Grace Poe mutwillig verfassungsrechtliche und gesetzliche Verbote von Interessen-Konflikten auszer Acht lassen. Ganz sicher muss man den Interessen-Konflikt zugeben, soweit das ABS-CBN angeht. Sie tat dies gestern in einem Interview mit Karen Davila. In diesem Interview sagte sie, dass ihre Mutter ein Talent des Senders ist und dass sie Lizenz-Gebuehren fuer die Ausstrahlung von FPJ-Filmen von dem Sender erhaelt.

Naja, Kapamilya (~ Mitglied der Familie) haelt eben zusammen.

Die WHO… – …(World Health Organization) gibt widerspruechliche Nachrichten zu Covid-19 heraus, findet der Leitartikel der “Times”. Am Dienstag sagte WHO, die Nationen sollten “alles tun, um sich auf eine moegliche Pandemie vorzubereiten.” Am Donnerstag sagte WHO: “Es ist keine unkontrollierte Uebertragung. Eindaemmungs-Bemuehungen scheinen an vielen Stellen zu arbeiten.

Aha!?

 



 

Gemaesz “PCOO”, “PNA”, “Daily Tribune”, “Manila Times”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht