aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 256 Januar 2020

(zum Bild: Blut für Blut – Todesstrafe)

 

Blood for blood”… – …ist die Schlagzeile der “Times” heute und bezieht sich auf eine Twitter-Mitteilung von Auszen-Minister Teodoro Locsin zur Ermordung einer Filipina in Kuwait, die von ihren Arbeitgebern vergewaltigt und totgepruegelt wurde: “Es wird Blut flieszen fuer Jeanelyn Villavende. Ich lehne jedes Angebot von Blutgeld fuer ihre Folter/Mord ab. Ich moechte zwei Leben fuer das Leben, das sie genommen haben. Der hochkaraetige Anwalt, der vom DFA (Department of Foreign Affairs) verpflichtet wurde, ist nicht berechtigt, Blutgeld von ihren Moerdern vorzuschlagen oder anzunehmen.

In Kuwait gibt es die Todesstrafe. Da ich ueber die Todesstrafe schon laenger nachgedacht habe (und es sonst nichts Neues gibt), will ich ein paar Gedanken dazu hier ausfuehren.

Ich ging stets von dem Grundsatz aus, dass Toeten nur in Notwehr gestattet sei. Nun befindet sich der Henker gegenueber einem gefassten und verurteilten Moerder kaum in einer Notwehr-Situation – also?

So war ich gegen die Todesstrafe, bis im August 2019 Rigoberto Tiglao sich in seiner Kolumne in der “Times” mit der Frage befasste und dabei an einen nomadisierenden Stamm dachte, der umherstreift, um Fruechte und leicht zu jagendes Wild zu finden. Die entdecken ploetzlich einen Moerder unter sich. Werden sie nun eine Diskussion beginnen, ob das Leben des Kriminellen so “heilig” sei, dass man es nicht nehmen darf, auch wenn es das Ueberleben des Stammes erleichtern wuerde, oder sollen sie den im Kaefig mit sich herumschleppen und fuettern? Kaum – und so findet Tiglao, dass ein Staat derart entwickelt und mit Polizei und Justiz ausgestattet sein muss, dass er die Abschaffung der Todesstrafe “sich leisten” kann. Daher ist die Todesstrafe in entwickelten, westlichen Staaten zumeist geaechtet, in erst aufschlieszenden oder unterentwickelten Staaten dagegen nicht.

Der Gedanke ist, dass man sich Menschlichkeit muss leisten koennen, sonst ist die Frage sinnlos.

Dem kann ich folgen, sehe in dem Fall der Jeanelyn aber eine Perversion dieses Gedankens. Die reichen Arbeitgeber im reichen Kuwait, die sich eine preis-guenstige Hilfe aus den Philippinen leisten, haben wahrscheinlich auch Geld genug, sich in diesem Fall “loskaufen” zu koennen.

Die Perversion ist, dass man sich Unmenschlichkeit offenbar auch leisten kann, und das darf nicht sein.

Zu Ende gedacht hiesze das, dass man – genuegend Geld vorausgesetzt – ein paar Opfer heuern und sie vergewaltigen und toeten kann, um sich dann – ganz legal – davon freizukaufen. Ich vermute sogar, dass es solche Perversionen – illegal – gibt. Verstoerend ist, dass das legal moeglich ist.

Ich komme auf den Gedanken Tiglaos und seinen nomadisierenden Stamm zurueck. Das “Blutgeld” wurde erfunden, um die nach einem Mord zu erwartende Kette wechselseitiger Blutrachen der betroffenen Familien zu vermeiden, die den Stamm ausrotten koennten.

Wir haben aber keine nomadisierenden Staemme, die Hilfen aus den Philippinen anheuern, um ihre Zelte auszufegen. Es handelt sich um gut-situierte Menschen in modernen Staaten. Von daher kann ich Locsin folgen, wenn er das “Blutgeld” ablehnt, sollte es zur Sprache kommen. Es passt nicht mehr in unsere Zeit. Ob die Todesstrafe in Kuwait noch zeitgemaesz ist, ist deren Problem.

 



 

Gemaesz “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht