aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 23. Januar 2020

(zum Bild: Die Einladung nach Amerika wird zum Drahtseilakt)

 

Der Junge, der “Wolf!” rief… – …ist eine Fabel des Aesop, die von einem Huetejungen erzaehlt, der Nachts aus lauter Langeweile beim Hueten der Schafe “Wolf!” rief. Die Doerfler wachten auf und liefen herbei, um ihm gegen den Wolf zu helfen, doch da war nichts. Er wurde ausgeschimpft, die Doerfler gingen zurueck. Er foppte sie nochmal in der Nacht, und machte die Leute richtig sauer. Spaeter kam der Wolf wirklich, und er rief wieder “Wolf!”, doch nun kam niemand mehr. Die Herde rannte auseinander, und am Morgen wunderten sich die Leute, dass der Junge die Schafe nicht zurueckgebracht hatte.

Die Moral von der Geschicht: “Einem Luegner glaubt man nicht | Selbst wenn er die Wahrheit spricht.

Ich erzaehle das hier in aller Ausfuehrlichkeit, weil sonst unverstaendlich ist, warum die Polizei mit der Zwangs-Evakuierung der 14-km-Gefahrenzone rund um den Taal beginnt. Wie bei Ueberfluegen zur Beobachtung des Kraters gefilmt wurde, halten sich immer noch Menschen am Ufer des Lake Taal auf – in der Gefahrenzone.

Seit dem Ausbruch des Taal am 12. Januar warnt Phivolcs (Philippine Institute of Volcanology and Seismology) taeglich, dass weiter Alarmstufe 4 gilt, ein explosiver Ausbruch ist in Stunden oder Tagen zu erwarten, und – nichts passiert. Nun ja, man hat die Asche an die Seite gefegt und wartet. Was tut ein Fischer dann, wenn er nicht an den See darf? Was macht ein Bauer dann, dessen Vieh auf der Weide verhungert? Dabei sieht man doch gar nichts. Der Taal ist im Gegenteil sogar ruhiger geworden – also?

In einem Interview kritisiert der Vize-Buergermeister von Talisay, Charlie Natanauan, die “Wolfs-Rufe” des Phivolcs-Chefs Renato Solidum, der auf Evakuierung draengt, und sagt: “Niemand in der Welt kann einen Vulkan-Ausbruch vorhersagen. Warum sagt er das? Ist er Gott?” Er meint, wenn die Lava rauskommt und auf das Wasser des Sees trifft, dann stoppt das, “weil sie nass wird.” Das ist auch eine Theorie. Ich moechte nicht dabei sein, wenn sie widerlegt wird.

Der Vize-Buergermeister wurde inzwischen vom Buergermeister fuer seine unverantwortlichen Aeuszerungen geruegt und hat sich entschuldigt, doch der Haken an der Sache ist, dass es sein kann, dass sich der Berg nur aufblaeht und das war’s – fuer Jahre. Es kann aber auch anders sein, und das waere die Katastrophe, wenn die nun ueber 100 Tsd Evakuierten zu Hause sind, und der explosive Ausbruch kommt. Die Unbestimmtheit, wie lange man in einem Behelf untergebracht ist, zerrt an den Nerven. Wenn’s naechste Woche vorbei ist – okay! Aber was, wenn nicht? Soll ich rumsitzen und auf Hilfspakete warten, oder an der Kueche Schlange stehen? Seh ich mich nach Arbeit um? Was macht ein Fischer auf dem Trockenen? Menschen muessen etwas tun, sonst tun sie etwas anderes.

 



 

Die Einladung… – …von PRRD (Praesident Rodrigo Roa Duterte) zum US-ASEAN-Gipfel in Las Vegas, Nevada, beschaeftigt den Senat, da dort ein Einreise-Verbot fuer jene besteht, die an der Verhaftung der Senatorin Leila de Lima beteiligt waren.

Senator Panfilo Lacson: “Als aktives und prominentes Mitglied der ASEAN muessen die Philippinen ihren Status in der internationalen Gemeinschaft aufrecht erhalten.

“Die Anwesenheit von PRRD auf dem US-Gipfel kann auch die Gelegenheit bieten zu klaeren, was da auch angesprochen wird, besonders die Menschenrechte und die Kampagne der Regierung gegen illegale Drogen, wie auch zum Rechts-System des Landes und ordentlichen Verfahren, die durch den Beschluss einiger Senatoren zum Magnitsky Act [auf den sich das Einreise-Verbot stuetzt] aufgebracht wurden.

“Da er offiziell von Praesident Trump eingeladen wurde, wird dem Praesidenten die notwendige diplomatische Immunitaet und Hoeflichkeit gewaehrt, die einem Staatsoberhaupt gebuehrt. Es sollte also keine Besorgnis darueber bestehen, wie er behandelt wird, wenn er sich in den USA aufhaelt.

Naja, Senator Lacson faehrt ja auch nicht hin. Anders sieht das bei Senator Ronald “Bato” dela Rosa aus, ehemaliger Polizei-Chef, federfuehrend im Drogenkrieg des Praesidenten. Der meint: “Je mehr Freunde, desto besser. Er wird von einem republikanischen US-Praesidenten eingeladen, nicht von diesen leichtglaeubigen demokratischen US-Senatoren, die nichts ueber die tatsechliche Situation auf den Philippinen wussten.

“Also, ich denke, es ist okay. Ein solches Vorgehen wird der ganzen Welt zeigen, dass unsere unabhaengige Auszenpolitik real ist.

Grosze Worte, doch wie vertraegt sich das mit der Tatsache, dass Senator dela Rosa gestern auch bestaetigte, dass ihm die US-Botschaft auf Anfrage mitteilte, dass sein US-Visum, das eigentlich bis 2022 galt, nicht laenger gueltig sei? Gefragt, ob das mit den EJKS (extra judicial killings) zu tun habe, vermutet er: “hoechst wahrscheinlich”.

Das kommentiert er so: “Ich bin enttaeuscht. Wir sind nur Menschen. Ich habe meinen Kollegen von der US-Regierung, dem FBI (Federal Bureau of Investigation), der CIA (Central Intelligence Agency) und anderen Behoerden geholfen. Wir haben zusammengearbeitet, und jetzt haben sie mein Visum storniert? Wer wird gluecklich sein? Ich werde dort nicht hingehen koennen.

Er sagt aber auch, er werde ein Visum beantragen, sollte Praesident Duterte der Einladung von US-Praesident Donald Trump zu dem Gipfel folgen.

Das wird spannend, besonders deshalb, weil ja auch noch eine Drohung Dutertes im Raume steht, sollte je einem philippinischen Beamten die Einreise in die USA mit Hinweis auf den Zusatz des US-Haushalts verwehrt werden, “…dass diese Regierung von allen Amerikanern, die beabsichtigen, auf die Philippinen zu kommen, [verlangt] ein Visum zu beantragen und zu besorgen, bevor sie philippinisches Territorium betreten koennen.

Der Haken dabei ist, dass die US-Botschaft keinen Grund angab, warum sie dela Rosas Visum aufhob. Muss sie auch nicht, ein Visum ist ein Privileg, kein Recht. Doch so muesste Duterte seine Drohung nicht wahrmachen, und ob dela Rosa ihn begleitet und dafuer ein Visum bekommt, ist so offen wie die Frage, ob er ueberhaupt faehrt.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard”, “Manila Bulletin”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht