…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 22. Januar 2020

(zum Bild: Das Abgeordnetenhaus hält seine heutige Sitzung im Convention Center von Batangas)

 

Die Aufreger – Wer sich fuer meinen gestrigen Verweis auf meine philosophische “Schublade” nicht interessiert, hier eine Zusammenfassung fuer jene, die es kurz und knackig lieben: Auf diesem Planeten ist der Mensch das einzige Lebewesen, das die Aufmerksamkeit seiner Artgenossen gezielt fuehren kann – auch in die Irre.

Stilbildend dabei sind die Aufreger der Blaetter. Eher beilaeufig behandelt wird der “mystery virus”, der derzeit von China aus sich auf die Reise um die Welt macht. Das wird am Wochenende einen kraeftigen Schub erhalten, denn am Samstag ist Neumond, und mit Neumond beginnt im Lunar-Kalender stets ein Monat, und am 25. Januar auch ein neues Jahr: das Jahr des Erd-Schweines geht zu Ende, das Jahr der Metall-Ratte beginnt. Traditionell fahren dann alle Chinesen nach Hause, ganz aehnlich wie alle Filipinos zu Weihnachten nach Hause fahren. Nun stellen die Chinesen mit 1,4 Mrd Buergern aber 18 Prozent der Weltbevoelkerung: da freut sich die Metall-Ratte auf die Verbreitung des “mystery virus”.

Die Philippinen hat es moeglicherweise bereits erwischt: ein 5-jaehriger Junge, der aus Wuhan, China, dem Ursprung dieser neuen Bedrohung der Welt-Gesundheit, am 12. Januar nach Cebu kam, liegt dort im Krankenhaus und wurde positiv auf einen unspezifischen Virus getestet. Man hat eine Probe nach Australien geschickt, um die genaue Art des Virus zu bestimmen.

Die Aufmerksamkeit der Welt richtete sich gestern eher zum Welt-Wirtschaftsforum in Davos, Schweiz. Dort sprach Greta Thunberg und fand: “Es gibt einen Unterschied zwischen Gehoert-Werden und zu etwas fuehren. Ich bin nicht die Person, die sich beklagen sollte, nicht gehoert zu werden. Ich werde die ganze Zeit gehoert. Doch die Wissenschaft und die Stimme der Jugendlichen stehen nicht im Mittelpunkt der Gespraeche.” In der Tat, dort stand vielmehr US-Praesident Donald Trump, der meint: “Wir muessen die andauernden Propheten des Untergangs und die Vorhersagen einer Apokalypse ablehnen.” Nach ihm gilt fuer die USA: “Wir haben mit das sauberste Wasser und die sauberste Luft, so sauber wie seit 40 Jahren nicht…” – wieso sollte er das aendern?

Das ist fuer die Philippinen weniger interessant, sie hinken eher hinterher, was wirtschaftliche Groesze angeht, und so richten sich hier alle Augen auf den Vulkan Taal. Maria Antonia Bornas, Chefin der Vorhersage-Abteilung bei Phivolcs: “Wir verzeichnen weiter Erdbeben und eine hohe Emission von Schwefeldioxyd. Der Vulkan ist angeschwollen, und es bewegt sich immer noch Magma den Vulkan hinauf. Es scheint eine Abschwaechung der Aktivitaet zu geben, dies bedeutet jedoch nicht, dass die Gefahr vorueber ist.” Phivolcs-Chef Renato Solidum ergaenzt: “Die Menschen sollten wissen, dass zwar der gegenwaertige Ausbruch im Hauptkrater stattfand, Explosionen jedoch ueberall auf der Insel stattfinden koennen. Der Taal-Vulkan hat 47 Krater, und der Ausbruch kann da ueberall stattfinden. Das ist der Grund, warum wir darauf bestehen, dass es dort [auf der Krater-Insel] Off-limits ist, da die Explosion sogar unter ihren Haeusern stattfinden koennten.

Je weiter man sich von der Krater-Insel entfernt, desto weniger “explosiv” ist die Stimmung der Menschen, besonders in Tagaytay, am Rande der 14-Kilometer Sicherheitszone, aus der die Menschen evakuiert wurden. In den hoeheren Lagen wurden gestern einige Geschaefte wieder geoeffnet. Senator Francis Tolentino, frueher mal Buergermeister von Tagaytay, meint, dies sei entscheidend fuer die zuvor evakuierten Bewohner, zur Normalitaet zu kommen.

Von diesem Eifer, “Normalitaet zu verspruehen”, ist auch der Sprecher des Hauses, Alan Peter Cayetano, ganz ergriffen, sodass er in einem Ueberraschungs-Coup das Haus dazu brachte, dass dies heute im Convention Center in Batangas City tagt, was knapp 30 km suedlich der Krater-Insel liegt. Derartiges gab es nie zuvor, und so erhaelt Mr. Cayetano wohl die Aufmerksamkeit, die er fuer die Wahl 2022 sucht.

Philosophisch-theologisch wird da Father Ranhilio Callangan Aquino in seiner Kolumne in der “Times”, in der er sich unter der Ueberschrift “Taal: From the aesthetic to the ethical” mit den Gedanken Søren Kierkegaards befasst, in denen es um die Entwicklung der Religiositaet des Menschen geht. Ich lass das hier mal aus. In den ewigen Gottsucher Kierkegaard kann man alles hineinlesen, was man will, wenn man es dort finden will.

Das gilt auch fuer einen anderen Gottsucher, Praesident Rodrigo Roa Duterte. Die einen sehen in ihm das personifizierte Boese, andere dagegen sind, wie die neueste Umfrage von SWS (Social Weather Stations) zeigt, anderer Meinung: die Zufriedenheit seiner Filipinos stieg von +65 auf +72 – 82% zufrieden minus 10% unzufrieden. Ich kann mir kaum vorstellen, wie Trump in Davos geredet haette, haette er zu Hause solche Werte erzielt.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Sueddeutsche Zeitung”, “Manila Bulletin”, “Daily Tribune”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht