…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 18. Januar 2020

(zum Bild: Klage gegen Ex-PNP-Chef Oscar Albayalde)

 

Ist Duterte gestorben? – Der Chef des PCOO (Presidential Communications Operations Office), Martin Andanar, hat am Freitag eine Kampagne zur “Duterte Legacy” gestartet. Ueber so ein Legat oder Vermaechtnis sagt die “Wikipedia”, es bestehe laut Buergerlichem Gesetzbuch “…in der Zuwendung eines Vermoegensvorteils durch Testament, ohne den Bedachten als Erben einzusetzen.” Also ist jemand gestorben, wenn so eine Kampagne gestartet wird.

PCOO-Chef Andanar in der Kampagne ueber den “Verblichenen”: “Er ist das Gesicht, die Stimme und der Geist einer Nation, die von Traegheit und Gleichgueltigkeit erweckt wurde zu einem Horizont positiver und bedeutungsvoller Veraenderungen.

Ich will den Witz nicht zu Tode reiten: Duterte ist nicht gestorben, “he’s still alive and kicking.

Dass die Regierung ihre Erfolge in’s Schaufenster stellt, ist legitim, dass sie sich dabei jedoch verbal in Lobreden suhlt, die einer Nachwelt gut zu Gesicht stuenden, ist ein stilistischer Fauxpas, der Spott geradezu herausfordert, hat doch der Gepriesene zwei Jahre Amtszeit noch vor sich.

Duterte selbst sieht das auch anders.

Zum einen forderte er kuerzlich seine Mitarbeiter auf, keine Projekte zu starten, die in seiner Amtszeit nicht beendet werden. Er wolle keine unvollendeten Projekte hinterlassen.

Zum anderen sprach Duterte am Donnerstag zum Jubilaeum der Baptisten in den Philippinen und verriet das Geheimnis seines Erfolgs – verflucht den Papst und die Bischoefe in aller Oeffentlichkeit! So habe er 2016 gewonnen: “Als die Ergebnisse der Wahl kamen, lag ich sieben – sechs Millionen ueber dem Naechsten. Und so, vielleicht – kann sein, es ist gut Scheisz ueber Bischoefe zu reden. [Gelaechter] Es koennte dich zum Sieger machen. [Gelaechter]

Das war so wenig ernst gemeint, wie ich den Titel der Aktion des PCOO-Chefs ernst nehmen kann. An dieser Stelle von Dutertes Rede vermerkt das Transkript des “PCOO” nicht weniger als acht mal “Gelaechter”. Er hat also mal wieder so richtig vom Leder gezogen, kurz vor Schluss der Rede, wonach er die Gemeinde nach dem Spasz dann wieder einfing mit den Worten:

Nun denn, meine Damen und Herren, ich hab mir viel Zeit genommen. Ich bin sehr gluecklich. Ich bin sehr froh, dass ich hier bin, weil ich… [Applaus] Ich habe diesen tiefen und bestaendigen Glauben an Gott. [Applaus] Sie sehen mich in Jolo, Sie sehen mich in Marawi in den Krieg ziehen. Nun ja, es geht nicht um Tapferkeit. Es geht um Vertrauen in Gott. [Beifallsrufe und Applaus]

Ich schrieb schon oefter, dass man mit zwei Dutertes fertig werden muss, mit dem der redet und mit dem, der etwas tut. Er ist eine Rampensau, wenn er das richtige Publikum (und Zeit) hat. Er holt sie alle aber auch wieder auf den Teppich, wenn der Spasz vorbei ist. Nur – darueber wird dann nicht mehr berichtet. Man nimmt den Spasz fuer Ernst, und davor will ich mich hueten.

Nichtsdestotrotz… – …ging es eben dieser Rede, immerhin 16 Seiten im Transkript, an anderer Stelle auch um ein Problem, das ihm auf den Naegeln brennt, und das sind die Vertraege mit den Wasser-Versorgern von Metro Manila, naemlich Maynilad Water Services Inc. und Manila Water Co. Inc., oder besser gesagt, deren Koepfe – Manuel Pangilinan, Vorsitzender von Maynilad, und Fernando Zobel de Ayala, Vorsitzender von Manila Water.

Als geschickter Redner pirschte Duterte sich vorsichtig an den Gegenstand, “…und so erzaehl ich das jetzt, dass Sie die Unwaegbarkeiten des Lebens kennen. Sollte ich wirklich nicht bis zur Ziellinie kommen, dann ist dies meine Botschaft an jeden einzelnen Filipino.

“Wisst ihr, all diese Zeit, viele Jahre und noch zu meiner Zeit, seid ihr immer auf der Suche nach den groszen Fischen, den korrupten Leuten. Und ihr wuerdet sagen: ‘Wer wird strafrechtlich verfolgt?’ ‘Der arme Kerl.’ ‘Wer wird verhaftet?’ Naja, einer, bei dem das keine Konsequenzen hat, oder irgendwelche falschen Personen.

“Nun, Sie wissen, wie schwierig es ist. Ich war Staatsanwalt. Das war ich, als ich mich bewarb – als ich mich fuer das Buergermeisteramt bewarb, wo ich schon ein Jahr stellvertretend war. Ich verfolgte mein ganzes Leben lang – Faelle vor Gericht.

“Und da war dann diese Aussage von – die Aussage, die mich anordnete – unsere Regierung anordnete, 7 Millionen Dollar zu zahlen. Und grad zuvor war ich informiert worden, dass wir 3 Millionen gezahlt haetten. Ich sagte, was ist das? Und es stellte sich heraus, dass in einem Vertrag, wenn die Wasser-Versorger, die Konzessionaere, die das Wasser verteilen, Ayala im Westen, Pangilinan im Westen (?), oder vielleicht auch umgekehrt.

“Aber in diesem Vertrag, der 1997 vor den Filipinos geheim gehalten wurde, war diese Vorschrift, sagt man angeblich, dass ich ihnen fuer die Verluste zahlen muss, waehrend sie auf die Genehmigung der Preiserhoehung warteten – nicht die Preise – die Raten fuer das Wasser.

Da war er beim Thema und drohte den “big fishes” im Wasser-Geschaeft: “ich werde uebernehmen. Ich werde enteignen, und dann verklage ich euch vor Gericht. Ich bin mir sehr sicher, dass ich in den Haenden eines kompetenten Staatsanwaltes eine Verurteilung wegen Pluenderung bekomme. Und sobald der Fall wegen Betrugs in groszem Umfang eingereicht wird, ist keine Kaution mehr zulaessig.

Nach einigem Hin und Her, wie mittelmaeszig er in der Schule war, und wie viel besser seine Minister sind – das schiebt er gern mal ein, ich habe den Verdacht, dass ihm das Zeit verschafft, den naechsten Gedanken zu ordnen – kam er dann mit einem Schlenker nochmal auf Ayala und Pangilinan zurueck: “Sie sollten wissen, das Cimatu [Chef des Department of Environment and Natural Ressources] die Manila Bay niemals verbessern kann. Alles was er tun kann, ist die Verunreinigung zu reduzieren. Warum? Weil es keine [Ab-]Wasseraufbereitung gibt.

“Bis heute wird das gesamte Abwasser jeden Tag in die Manila Bay geblasen. Und die Arbeit sollte eigentlich getan werden von diesen – von jenen halt, die die Vertraege bekamen fuer Abwaesser und Kanalisation, welches die beiden Firmen sind. Tja, nun haben sie schlaflose Naechte. Sie koennten bemerken, dass Sie kaum ein Wimmern von ihnen zu hoeren bekommen.

Dem Rat de Ex-Sprechers Harry Roque folgend sollte man die Reden des Praesidenten nie woertlich, aber stets ernst nehmen, und so will ich das mal so zusammenfassen: auf die beiden Firmen und ihre Vorsitzenden kommt etwas zu. Duterte redet sich grad in Kampfstimmung.

Ein Problem… – …hat Praesident Duterte nicht mehr. Der neue Chef der PNP (Philippine National Police) ist Polizei-Generalleutnant Archie Francisco Gamboa, der den Posten seit dem Abgang von Oscar Albayalde bereits stellvertretend bekleidete. Dies verkuendete Duterte am Freitag in einer Rede vor dem Fraternal Order of Eagles in Davao – nachdem eine ganze Zeit nichts von ihm zu hoeren war, redet er nun wieder sehr viel – und er sagte in Richtung des anwesenden Gamboa: “Wir haben einen PNP-Chef, ich werde Sie zum regulaeren PNP [-Chef] ernennen, doch Sie und Minister Año werden mit mir noch ein sehr, sehr langes Gespraech fuehren. Sie haben mir Ihre Aufrichtigkeit bewiesen, und ich moechte, dass Sie etwas hinterlassen, wofuer Sie von dem Land erinnert werden.

Noch so ein “Legat mit Ansage” koennte man spotten, doch auch wenn zu dem angekuendigten Dreier-Gespraech nichts gesagt wurde, ist klar, dass es dort nur um zwei Punkte gehen kann, die dick miteinander verbunden sind:

Den Drogenkrieg zu Ende und die PNP auf Vordermann bringen.

Einen Erfolg im Drogenkrieg will Duterte um jeden Preis, und Gamboa hat sich fuer eine Reinigung der Raenge der PNP stark gemacht. Dabei geht es nicht nur um “ninja cops”, die beschlagnahmte Drogen “re-cyclen”, sondern auch um hoehere Raenge, unter deren “Nachsicht” die “big fishes” des Drogenhandels ihre Geschaefte abwickeln. An die kommt man erst heran, wenn deren “firewall” faellt, die sie in PNP und LGUs (Local Government Units) haben.

In diesem Zusammenhang… – …ist auch die angekuendigte Klage gegen Ex-PNP-Chef Oscar Albayalde wieder in den Blaettern. Dem wird vorgeworfen, einen Befehl “zur Bestrafung der an der fraglichen Drogenoperation beteiligten Polizei-Beamten” nicht ausgefuehrt zu haben. Das laeuft unter dem dehnbaren Begriff “graft ~ Mauschelei, Schiebung”, was man als “Nachlaessigkeit im Dienst” oder “Strafvereitelung” betrachten kann, ich kenn die genaue Anklage nicht.

Albayalde selbst ist zuversichtlich: “Mein Gewissen bleibt rein, und ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit mich am Ende bestaetigen wird.

Senator Christopher “Bong” Go stimmt mit Senator Franklin Drilon ueberein, dass dies eine Warnung an moegliche Taeter ist: “Diese Erhebung von Klagen sendet eine sehr starke Botschaft an alle, einschlieszlich jener, die mit der Umsetzung der Gesetze betraut sind, dass wir diesen unerbittlichen Krieg gegen illegale Drogen ernst nehmen und in dieser Kampagne keinen Schritt zurueck machen werden.

Senator Richard Gordon haelt die Klage gegen Albayalde dagegen lediglich fuer einen “Klaps auf die Finger”, und er sagt: “Dies kann nur bedeuten, dass er sehr, sehr leicht, wenn er nicht ueberhaupt davon kommt.

 



 

Gemaesz “Wikipedia”, “PCOO”, “PNA”, “Manila Bulletin”, “Manila Times”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht