…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 07. Januar 2020

(zum Bild: Präsident Duterte unterzeichnet Haushalt 2020)

 

Die Kuh ist vom Eis… – …moechte man sagen, nachdem Praesident Rodrigo Roa Duterte gestern das Gesetz fuer den Haushalt 2020 im Unfang von 4,1 Trillionen Peso unterschrieben hat, der damit um 12 Prozent ueber dem Haushalt von 2019 liegt, um den es wegen “pork” ein langes Gerangel und Gezerre gab. Der Loewen-Anteil geht an Erziehung, Gesundheit und Soziales, darunter das Universal Health Care Program, was sicher gut ist. Betrachte ich das Leben meiner philippinischen Nachbarn, so kommen alle immer irgendwie ueber die Runden, nur eine Krankheit oder ein Unfall sind gleich eine Katastrophe, weil man dafuer nie Geld “uebrig” hat. Wer plant schon eine Krankheit?

Auf Einzelheiten will ich nicht eingehen, mir faellt nur auf, dass – wo zuvor doch so sehr ueber “pork” gelaestert wurde – das nun bei der Unterschrift kein Thema ist. Hat das “pork” sich in Luft aufgeloest, wofuer es im Englischen den schoenen Ausdruck gibt “vanished into thin air”?

Tut mir Leid… – …dass ich gestern womoeglich Leser verschreckt habe mit meinen Ueberlegungen zum “worst case” angesichts der Lage im Mittleren Osten. Ich sprach von 2 Mio OFWs (Oversea Filipino Workes) in der Region, weil ich keine anderen Zahlen hatte. Die Zahl ist falsch. Laut Philippine Statistics Authority sind es “nur” 1,26 Millionen in der Region, und davon sind lediglich 1.600 im Iran und 6.000 im Irak. Die zu evakuieren waere vergleichsweise “machbar” – falls die Krise sich auf die zwei Laender beschraenkt.

Genau das aber ist die Frage, die im Moment nicht nur meine Leser und mich umtreibt, sondern der “Standard” macht auf mit der Schlagzeile: “PH eyes forced repatriation”, der Leitartikel der “Times” meint: “Broad rethinking needed on OFW [Oversea Filipino Worker] Middle East policy”. und Yen Makabenta stellt in seiner Kolumne in der “Times” fest: “Drastic policy change: New game in the Middle East”.

Der “Standard” hebt ab auf eine Rede Dutertes nach seiner Unterschrift unter den Haushalt 2020, in der er moegliche Gegenschlaege des Iran gegen die USA erwartet und sagte: “In dem Fall haben wir ein Problem, da dort die meisten unserer OFWs stationiert sind, die meisten davon in Saudi-Arabien. Ich bin nicht so schlau wie die anderen mit strategischem Verstand, die moechten das vielleicht fuer uns tun. … Ich bin wirklich nervoes. Der Iran scheint auf Vergeltung aus zu sein, wovon ich meine, sie wird kommen. Es ist eine Frage der Zeit. … Wir wissen nicht, was bei dieser Krise herauskommt. Sie koennte zu einem langwierigen Krieg fuehren. Es koennte ein umfassender Schlag werden. Was auch immer, wir Filipinos sind wirklich in Gefahr.

Der Leitartikel der “Times” glaubt nicht an eine Beschraenkung der Krise auf Iran und Irak: “Es ist unrealistisch zu glauben, dass die Spannungen und Feindseligkeiten auf den Iran und den Irak beschraenkt sein koennten. Es ist daher vernuenftiger fuer unsere Regierung, eine umfassendere Ueberpruefung der Sicherheit und des Schutzen der im Nahen Osten arbeitenden oder lebenden Filipinos vorzunehmen. Betrachten wir die neuen Entwicklungen in Iran und Irak im Zusammenhang mit anderen Entwicklungen, das Toeten und die Notlage von philippinischen Helfern in Kuwait und anderswo, so finden wir uns in einer poblematischen Situation, die harte politische Entscheidungen fordert.” Allerdings bietet der Leitartikel keine Idee an, wie diese “harten Entscheidungen” aussehen koennten.

Makabenta haelt sich in seiner Kolumne an den Spruch des US-Verteidigungs-Ministers Mark Esper: “The game has changed.” Er zitiert dazu Berichte, in denen es heiszt: “Die US-Sicherheitsdienste hatten den iranischen Oberbefehlshaber Qasem Soleimani jahrelang unter Beobachtung und erwogen bei mehreren Gelegenheiten, ihn auszuschalten, sagten aktuelle und ehemalige US-Beamte, aber sie zoegerten stets zu handeln.” Nach Aussagen von Sicherheits-Beamten habe Soleimani “dreistes Selbstvertrauen” gezeigt, als er offen in der Region herumreiste, seine Terror-Akte zu organisieren. Der Sturm auf die US-Botschaft in Baghdad brachte das Fass zum Ueberlaufen: “Am Dienstag wurde der endgueltige Befehl gegeben, das Zielpaket vom Regal zu nehmen (take the target packet off the shelf)”.

Mir faellt auf, dass Militaers ihre eigene Sprache haben, wenn es um das Toeten geht. Das Paket vom Regal nehmen – das hat so etwas Beilaeufiges, als beschreibe man die Arbeit von FedEx oder DHL.

Du dusselige Kuh!” – Ich weisz nicht, warum diese Infamie von Alfred Tetzlaff (dargestellt von Heinz Schubert) gegenueber seiner Frau Else Dorothea Tetzlaff, geb. Bötefür, (dargestellt von Elisabeth Wiedemann) in der TV-Serie “Ein Herz und eine Seele” mir einfiel, als ich gestern Vize-Praesidentin Leni Robredo in “CNNPhil” sah, die ihren Bericht zu ihrer 18-taegigen Taetigkeit als Co-Vorsitzende des ICAD (Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs) vorstellte. Sie hatte den Bericht ueber all die Fehler, welche die Regierung im Krieg gegen illegale Drogen gemacht hat, nebst ihren eigenen Vorschlaegen zur Verbesserung mehrfach angedroht, jedoch oefter verschoben, weil die Veroeffentlichung wegen einer parallelen Sport-Veranstaltung, SEA-Games, eines Taifuns oder der Erdbeben in Mindanao ihr nicht opportun schien, will sagen: keiner haette zugehoert, und, um ganz ehrlich zu sein, es haette sich auch nicht gelohnt.

Robredo meint, der Drogenkrieg sei ein totaler Fehlschlag und sie sagt…

…die Fuehrung des ICAD solle an das DDB (Dangerous Drugs Board) gehen. Dass das PDEA (Philippine Drueg Enforcement Agency) die Fuehrung hat, sei einseitig in der Strafverfolgung. Verhinderung und Rehabilitation muessen ebenso beachtet werden.

…sie zweifelt die Daten den Regierung an.

…”Oplan Tokhang” solle sich die Drogenbosse statt der die Straszen-Dealer und -User vornehmen.

…in der Haft sollten User und Dealer getrennt werden, sonst vergroeszere sich das Netzwerk nur.

…es solle die Armut bekaempft werden, die die Ursache des Drogen-Handels ist.

…die Rolle des AMLC (Anti-Money Launderign Council) soll gestaerkt werden, um die Geldstroeme der Bosse fassen zu koennen.

Der Sprecher des Praesidenten Salvador Panelo zu dem Bericht: “Als sie ihren Bericht androhte, implizierte sie, dass da Unregelmaeszigkeiten seien, die explodieren wuerden. Es ist ein Blindgaenger. Da ist nichts Neues in dem, was sie sagt.

Und Panelo findet dagegen: “Es gibt bereits viele drogenfreie Barangays. Wie kann man sagen, dass es ein Fehlschlag ist? Es ist nicht voellig ausgerottet, weil der Nachschub an Drogen weiterlaeuft, aber wir sind weiter in der Lage, sie zu beschlagnahmen. Der Praesident wird nicht nachlassen.

Der von Robredo kritisierte Chef der PDEA, Aaron Aquino, fuer kurze Zeit auch ihr Kollege im Vorsitz des ICAD, meint: “Ich sehe ihre Empfehlungen als reine politische Attacke gegen Praesident Rodrigo Duterte.

Das sehe ich auch so, und so verstehe ich nicht, warum die “Times” damit heute aufmacht und zum Beispiel Dutertes Unterschrift unter den Haushalt 2020 mit keinem Wort erwaehnt – zumindest nicht auf der Titelseite. Der “Standard” hat dort ein Bild, wie Duterte die Unterschrift leistet und dabei von Senats-Praesident Vicente Sotto und Sprecher des Hauses Alan Peter Cayetano beobachtet wird.

Was ist wirklich wichtig?

 



 

Gemaesz “Manila Standard”, “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “CNNPhil”, “Inquirer” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht