…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 05. Januar 2020

(zum Bild: Alle wollen relevant bleiben)

 

Das Ringen um Relevanz – Ich hab so meine Bedenken zu den Aeuszerungen des Sprechers Salvador Panelo, die mir oft zu freihaendig und luftig erscheinen. Neulich jedoch blieb etwas bei mir haengen, auch wenn ich es nicht woertlich habe. Er sagte zu den “Neuigkeiten” um Leila de Lima und jene US-Senatoren, die sie gern entlassen saehen, dem Sinne nach: “Die Oeffentlichkeit sollte aufhoeren, die inhaftierte Senatorin Leila de Lima zu unterstuetzen, die die Medien lediglich nutzt, um relevant zu bleiben und die Menschen zu beluegen.

Es ist dieses “Ringen um Relevanz”, mit dem sich vieles auf der politischen Buehne verstehen laesst.

So ist zu verstehen, dass “Joma” Sison seit Weihnachten, als Praesident Rodrigo Roa Duterte noch einmal Gespraeche mit den Kommunisten auf’s Tapet brachte – “Come home, let’s talk” – fast taeglich in den Blaettern ist, wann und unter welchen Bedingungen er wohin kommen wuerde zu einem solchen Gespraech. Passiert ist nichts und wird nichts, aber – er war in den Blaettern, oder, wie man heute sagte, er machte “media mileage” (was in Google-Deutsch “Medienlaufleistung” heiszt).

So ist zu verstehen, dass Vize-Praesidentin Leni Robredo seit ihrer Stipp-Visite als “Drogen-Zarin” in Regierungs-Kreisen oefter verkuendet, warum es grad unguenstig ist, mit ihrem Abschluss-Bericht dazu herauszukommen, was die Regierung im Drogenkrieg alles falsch macht. Erst waren es die Suedost-Asien Spiele, dann die Erdbeben, dann ein Taifun – oder war das umgekehrt? Ist auch egal: es wird kein Bericht kommen, aber – sie war in den Blaettern, hat ihre “Medienlaufleistung” erhoeht (die Uebersetzung macht mir Spasz).

So ist zu verstehen, dass jene drei US-Senatoren, gegen die ein Bann ausgesprochen wurde, nun toenen und sich zu Wort melden: “Praesident Duterte taeuscht sich zutiefst, wenn er glaubt, er koenne meine Stimme und die meiner Kollegen zum Schweigen bringen. Er scheiterte bereits, Senatorin Leila de Lima, Maria Ressa und andere im Land zum Schweigen zu bringen, die der Macht gegenueber die Wahrheit gesprochen haben.” Das ist voelliger Bloedsinn, wie hier jeder weisz, und vermutlich weisz das der Hirni selbst, der das gesagt hat, doch das ist irrelevant, denn – er war in den Blaettern, und dahin kommen Demokraten in den USA derzeit kaum. Also suchen sie einen Nebenkriegsschauplatz, auf dem sie ihre “Medienlaufleistung” erbringen, oder anders ausgedrueckt: ihre Relevanz zeigen koennen.

Fast bin ich versucht, den Vergeltungsschlag gegen diesen iranischen Kommandanten in Baghdad, als “Ringen um Relevanz” des US-Praesidenten Donald Trump zu deuten. Sein Land ist gespalten, die Haelfte wuenscht ihn des Amtes enthoben. Die Welt ist gespalten, jeder wuenscht ihn wegen seiner Zoelle zum Teufel. Und auch sein Lieblingsgegner, “the little Rocket-Man” in Nord-Korea, scheint Big Donald nicht mehr ernst zu nehmen und schieszt wieder Raketen in die Luft. Da musste Trump mal was tun, bevor er von allen veralbert wird. Doch das ist nur so ein alberner Gedanke. Mein Philosophie-Lehrer Hans Blumenberg wuerde das als “Erklaerungszwangs-Neurose” abtun: wenn man etwas gefunden hat, mit dem sich dies und das erklaeren laesst, unterliegt man der Versuchung, damit nun auch alles erklaeren zu wollen.

Das will ich nicht. Merken aber werde ich mir, dass es Salvador Panelo war, der mich auf dieses “Ringen um Relevanz” aufmerksam machte.

Dem Praesidenten… – …soll es laut Salvador Panelo wieder besser gehen: “PRRD [Praesident Rodrigo Roa Duterte] war zwei Tage angeschlagen (was under the weather) wegen Arbeitsbelastung, Teilnahme an Veranstaltungen und Schlafmangel. Er ist jetzt in Ordnung.

Den Ausdruck “to be under the weather” uebersetzt der “Pons” mit “angeschlagen sein”, Google sagt “war unter dem Wetter”. Ich halte mich an den “Pons”, kann das mit dem Wetter aber nachvollziehen. Dass ich Sylvester so lange auf war und mit meiner Frau drauszen auf der Terasse sasz und das Feuerwerk beobachtet habe, nahm mein Darm mir wohl uebel und raechte sich mit Durchfall. Wird schon wieder besser, aber in meinem und des Praesidenten Alter sollte man auf geregelte Wach- und Ruhezeiten achten.

Doch jener kommt nicht zur Ruhe, weil er nachholen muss, was der Kongress versaeumt hat, weil der seine Medienlaufleistung anderswo erbringt: den Haushalt 2020 “pork-free” zu machen. Morgen will Duterte das Gesetz zum Haushalt 2020 unterschreiben.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht