…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 27. Dezember 2019

(zum Bild: In der Komfortzone)

 

In der Komfortzone – Von Ferne betrachtet loest jede Katastrophe sich in Zahlen auf: 24 Menschen starben, 10 werden noch vermisst, Verwuestungen und Ueberschwemmungen bleiben zurueck und zeigen, wo Taifun “Ursula (int: Phanfone)” gewuetet hat. Hier in GenSan weisz man nicht, wie Taifun sich anfuehlt, wenn man mittendrin steckt, und ich kann auf die Erfahrung auch gut verzichten.

Doch das Bewusstsein, in einer Komfortzone zu leben, stoeszt andere Gedanken an. Ich habe Post bekommen, privat per E-Mail, nicht oeffentlich im Netz gepostet, und so tun die Namen auch nichts zur Sache, der Inhalt schon. Mein gestriges Blog endete mit Darstellung einer “offenen ~ ungewissen” Zukunft und den Worten: “Irgendeine Zukunft wird schon kommen. Freut euch drauf!

Darauf antwortet ein Freund mit einem einzigen Satz: “Ich freu mich drauf.” Ich konnte damit erst gar nichts anfangen, als das so ohne was drumrum in der Mail stand, bis ich drauf kam, dass er sich auf mein Blog bezog.

Ich selbst empfand die abschlieszende Wendung als zynisch, und so hatte ich einem anderen Freund das Blog auch mit der Frage geschickt, “…ob ich die Welt zu schwarz sehe. Ist das nun ausbrechender Alters-Zynismus?” In seiner Antwort schreibt er, er habe “…immer nur das Ziel gehabt, nicht zum Zyniker zu werden. Das war der schwerere Weg. Aber ich habe es geschafft. Obwohl ich mir nie sicherer war als heute, dass die Menschen auf den kategorischen Imperativ scheiszen und stattdessen die Welt als Wille und Vorstellung leben, wobei das Haben den deutlichen Sieg gegen das Sein einfaehrt.

Der Hieb sasz.

Nach dem Krieg geboren, nun suedlich der Taifun-Zone lebend, laesst sich komfortabel ueber den Rest der Welt sinnieren und so ist ein Zynismus dann auch der leichte Weg. Man gibt sich eine Attitude, in der man zu gefallen meint. Mir geht es einfach zu gut, und so muss ich darauf achten, dass mir mein Blog nicht entgleitet, wenn ich anfange, fuer die Galerie zu schreiben, statt nur fuer mich, um Duterte und seine Welt zu verstehen.

Das war ein Ordnungsruf an mich selbst… – …und nun zum Thema: Der Aufmacher der “Times” ist heute die Aufforderung von Praesident Rodrigo Roa Duterte an den Chef-Ideologen der Kommunisten, seinen ehemaligen Politik-Lehrer, Jose Maria “Joma” Sison: “Come home, let’s talk”. Er sichert ihm freies Geleit zu, denn es existieren Haftbefehle gegen den Terroristen, der in den Niederlanden politisches Asyl genieszt. Hier will ihn, auszer Duterte, niemand sehen, auch seine Anhaenger kaum, weil sie Duterte nicht trauen und, sollte Sison kommen, sie ein aehnliches Schicksal befuerchten, wie es einst Benigno Simeon “Ninoy” Aquino widerfuhr, der am 21. August 1983 auf dem Flughafen in Manila erschossen wurde, kaum dass er philippinischen Boden betreten hatte.

Ich erwarte nicht, dass Sison kommt, und ich erwarte von den angebotenen Friedensgespraechen nichts, doch mich geht das auch gar nichts an: was erwartet sich Duterte von einem solchen Gespraech?

Leider wissen wir nichts dazu von Duterte selbst, nur was sein Sprecher Salvador Panelo zu den Gespraechen aeuszert: “Die Regierung ist offen fuer ein Gespraech. und auch vor dem Gespraech, sagte der Praesident, dass er moechte, dass Joma Sison rueberkommt und keine Verhaftung befuerchten muss. Wenn er Mann’s genug und aufrichtig genug ist, kann er vorbeikommen und ein persoenliches Gespraech mit dem Praesidenten fuehren.

Weiter heiszt es in dem Artikel: “Duterte, der an Heiligabend seinen Wunsch offenbarte, sich mit Sison zu treffen, gab weder den Zweck noch eine Tagesordnung seines Treffens mit Sison bekannt. Panelo sagte, er wisse nicht, ob die Einladung formell Sison zugestellt worden sei oder ob sie von Arbeits-Minister Silvestre Bello uebermittelt wurde.

So kann ich zu diesem “Wunsch an’s Christkind” nur Vermutungen anstellen. Meint Duterte echt, Sison in einem Gespraech von Mann zu Mann von irgendetws ueberzeugen zu koennen? Kaum – Duterte ist Realist und sollte wissen, dass man Ideologen mit nichts beeindrucken kann. Dann koennte das Gespraech Sison aber nur als vernagelten Typen bloszstellen, und darauf laesst der sich nicht ein. Oder spielt Duterte hier nur fuer die Galerie und inszeniert ein Showdown à la Hollywood, von dem er weisz, dass es nie stattfindet?

Manchmal ist Duterte wirklich nicht zu verstehen.

 



 

Gemaesz “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.