…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag (Heiligabend), den 24. Dezember 2019

(zum Bild: Der wertlose Waffenstillstand mit Terroristen)

 

Keine Weihnachtsgeschichte – Der beiderseitig ausgesprochen Waffenstillstand von AFP (Armed Forces of the Philippines) und NPA (New People’s Army) war erst ein paar Stunden in Kraft, als gestern Bomben in Iloilo und Camarines Norte einen Soldaten toetete und sechs weitere verwundete. Die Bomben wurden von NPA-Rebellen gezuendet, und damit zeigt sich, wie sinnlos und dumm es ist, auf das zu hoeren, was Chef-Ideologe “Joma” Sison in den Niederlanden sagt. Mit seinen Reden sichert er sich die Aufmerksamkeit der Presse fuer sein “Fund-Raising”, um seine eigene, durch Spenden gesicherte Existenz zu erhalten. Hier vor Ort sind Warlords, die eigene Spielchen spielen, und denen der ideologische Hanswurst in Utrecht scheiszegal ist.

So wehrt sich auch Davaos Buergermeisterin, Sara Duterte-Carpio, die Tochter des Praesidenten gegen dessen Friedens-Initiative, weil der ihre lokalen Friedens-Bemuehungen stoert. Sie erklaert: “Bei allem gebuehrenden Respekt warnen wir die Duterte-Regierung vor ihrem Schritt, die Friedens-Verhandlungen mit der National Democratic Front of the Philippines (NDFP) wieder aufzunehmen. Waehrend die Erklaerung des Waffenstillstandes und die Aussicht auf eine Wiedereroeffnung der formellen Friedens-Verhandlungen ein Akt des guten Willens der Regierung Duterte sind, der ihren starken politischen Willen zum Ausdruck bringt, das Problem der Aufstaende zu loesen, von denen einige Teile des Landes in den letzten Jahren heimgesucht wurden, muessen wir uns stets erinnern. dass die NDFP und ihre revolutionaere Organisation, die Communist Party of the Philippines (CPP) und ihr bewaffneter Fluegel, die New People’s Army (NPA) boese und doppelzuengig sind.

Und ich erinnere mich, bereits im Mai 2017 “Joma” Sison in diesem Blog zitiert zu haben, der in einem Interview mit dem “Bulletin” zugab: “Niemand in Utrecht hat je behauptet, die revolutionaeren Kraefte und Leute in den Philippinen zu kontrollieren.

Das Problem laesst sich nicht beim Kopf beginnend loesen, sondern allein vor Ort, denn die Rebellen haben sich vereinzelt und kaempfen nur noch fuer sich selbst, nicht fuer den Schwaetzer in Utrecht. Und so ist von Sara Duterte-Carpios Friedens-Initiative “Peace 911” mehr zu erwarten, die darauf abzielt, lokale Probleme zu loesen. Da kann nur stoeren, wenn ueber deren Koepfe weg Beschluesse gefasst werden, die unten sowieso nicht ankommen.

Duterte-Carpio moechte daher, dass ihr Davao City von Waffenstillstand und Friedens-Verhandlungen verschont bleibt. Hoffen wir, dass der Artikel des “PhilStar” Recht hat, den ich Anfang des Jahres schon einmal zitierte, und der begann so: “Es gibt zwei Menschen, die Praesident Duterte am meisten fuerchtet: seine Toechter, Davaos Buergermeisterin Sara Duterte-Carpio und Veronica, Rufname ‘Kitty’, das Kind mit seiner Langzeit-Partnerin Honeylet Avanceña. ‘In Front meiner Toechter bin ich nur ein Feldwebel. Sie sind die Generale,’ sagte der Oberbefehlshaber von seinen Toechtern Sara und Kitty.

Also, Herr Feldwebel, Sie sind ja ueber Weihnachten daheim bei der Familie in Davao – hoeren Sie auf Ihre Toechter! Doch das ist eigentlich keine rechte Weihnachtsgeschichte, zu der komm ich jetzt:

Die Scheinheilige und der Analphabet – Vor ziemlich genau 3 Jahren, am 19. Dezember 2016 bezeichnete General Staatsanwalt Jose Calida die Senatorin Leila de Lima als “Hohepriesterin der Scheinheiligkeit. Schutzherrin der Drogenpolitik. Staatsfeind Nummer 1.” Sie wurde am 24. Februar 2017 aufgrund eines Haftbefehls der Richterin Juanita Guerrero inhaftiert und wehrt sich gegen den Prozess wegen Drogen-Vorwuefen, da sie als Justiz-Ministerin Geld von in Bilibid einsitzenden Drogenbossen angenommen haben soll.

Sie wehrt sich mit allen juristischen Mitteln, die einer Juristin zur Verfuegung stehen, das ist legitim. Sie wehrt sich auch mit oeffentlicher Verleumdung derer, die in einem geordneten Verfahren gegen sie vorgehen, und gegen solche Journalisten, die ihre Verhaftung nicht wie gewuenscht als politisches Verbrechen mit getuerkten Anschuldigungen sehen, und das ist moralisch zumindest fragwuerdig.

Sie brachte durch ihre Hetze gegen den Praesidenten Rodrigo Roa Duterte und andere die US-Senatoren Richard Durbin und Patrick Leahey zu einer Eingabe im US-Kongress, die nun Teil des neuen Haushalts-Gesetzes fuer 2020 ist und von US-Praesident Donald Trump unterschrieben wurde. In den USA ist damit geltendes Recht, US-Auszen-Minister Mike Pompeo moege sicherstellen, dass in die USA solche Personen nicht einreisen duerfen, von denen er glaubwuerdige Information hat, dass sie an de Limas “unrechtmaesziger Verhaftung” beteiligt waren.

Damit Pompeo nicht lange gruebeln muss, wer das wohl sein koennte, ist eine Liste beigefuegt, in der enthalten sind: Praesident Rodrigo Roa Duterte, der Sprecher des Praesidenten Salvador Panelo, die fruehere Mitarbeiterin im PCOO (Presidential Communications Operations Office) Mocha Uson, die Journalistin Sass Roganda Sasot, der Blogger RJ Nieto, der fruehere Sprecher des Hauses Pantaleon Alvarez, der fruehere Justiz-Minister Vitaliano Aguirre (der die Klage gegen sie vorbereiten liesz), der General Staatsanwalt Jose Calida (von dem sie ihre “Ehrentitel” bekam), die Oeffentliche Anklaegerin Persida Acosta, die Abgeordneten Rey Umali und Rudy Fariñas (die die Untersuchung des Hauses ueber die Machenschaften in Bilibid leiteten) und andere, deren Namen mir nichts sagen.

Zwei Dinge stoeren.

Zum einen, hat Praesident Donald Trump dies unterschrieben. Ist er ein Analphabet, oder hat man dabei ausgenutzt, dass er nichts liest, “was ueber eine Power Point-Seite hinausgeht”, wie das jemand behauptet hat? Wusste er nicht, dass sein erklaerter Freund Rodrigo Duterte in dieser Liste enthalten ist? Jetzt kann er ihn kaum noch zu einem Staatsbesuch einladen, wenn der am Flugplatz zurueckgeschickt wird. Na ja, so scharf scheint Duterte nicht auf einen Besuch in den USA zu sein. Da war er noch nie, in China schon fuenfmal.

Zum anderen verwundert, dass Sass Roganda Sasot in dieser Liste auftaucht. Sie ist eine Journalistin, die fuer die “Times” eine Kolumne schreibt, in der sie Sympathien fuer Duterte zeigt, aber kaum als DDS (Die-hard Duterte Supporter), wie z.B. der Blogger RJ Nieto bezeichnet werden kann. Ihr Fehler ist, dass sie nicht in den Philippinen lebt, sondern in den Niederlanden, wo sie einen Lehrauftrag an einer Universitaet hat Damit ist sie “im Territorium der Duterte-Gegner” eine Stimme fuer Duterte. Dieser “Fleck im weiszen Westen” fuchste Maria Ressa derart, dass die zu Beginn des Jahres in einem Artikel im “Time”-Magazin Sass Roganda Sasot als den “pseudo-intellektuellen” Teil eines “fake news network” der Propaganda fuer Duterte bezeichnete. Dieses Urteil der im Westen als “Waechterin der Wahrheit” gefeierten Ressa genuegt, und Sasot landet umgehend in einer Liste der in den USA unerwuenschten Personen.

Die Urheberin dieses Skandals, die rechtmaeszig inhaftierte Senatorin Leila de Lima freut sich kaputt und laesst verlauten: “Die Menschenrechte schlagen zurueck! Rechenschaft kommt! Ein wunderbarer Weihnachtssegen! Vielen Dank USA! Danke, lieber Gott! … Diese neueste Entwicklung zeigt, dass Unbestrafbarkeit nicht von Dauer ist, und dass die Gerechtigkeit auf einem oder anderem Weg jene einholen wird, die sich entschieden, anderen Unrecht anzutun. Dies ist auch eine bedeutende Anerkennung der US-Regierung, dass ich ein klares Opfer politischer Verfolgung bin. … Dies ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das von der Gemeinschaft der Staaten verurteilt und mit Sanktionen geahndet werden muss, wie es jetzt vom US-Kongress geahndet wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Europaeische Union, Kanada und andere Nationen Sanktionen gegen Duterte, seine Beamten und Kohorten verhaengen.

Von Reportern gefragt, warum er nicht in der Liste auftaucht, sagt Justiz-Minister Menardo Guevarra: “Ich geb einen verdammten Scheisz darauf, ob ich in dieser US-Liste bin. … Dieses Problem ist viel groeszer als die Strafverfolgung von Senatorin de Lima wegen Drogen-Vorwuerfen nach philippinischem Recht. Dies beinhaltet Fragen der Souveraenitaet und der Nicht-Einmischung unter gleichberechtigten Staaten.

Dieses den USA wesensfremde Prinzip der Nicht-Einmischung fuehrte bereits zu einer Entfremdung von Praesident Duterte mit dem damaligen US-Praesidenten Barack Obama. Was ist mit Praesident Trump? Ist er nicht mehr Dutertes Freund oder echt nur ein daemlicher Analphabet?

Mich irritiert, dass die Mitglieder des US-Kongresses, die so empoert sind, dass ihr eigener Praesident sich nicht um die Verfassung schert und ihn daher des Amtes entheben wollen, sich gleichzeitig einen Dreck um die Verfassung anderer Nationen kuemmern.

Im Tempel der Scheinheiligkeit gibt es keine Spiegel, sodass ihre Anhaenger die Hohepriesterin des Kults ohne Ansehen der eigenen Person feiern koennen. Und eine himmlische Stimme sprach dann zu mir: “Was ereiferst du dich, mein Sohn? Hat nicht Mick Mulvaney auf die Frage eines Journalisten, ob Donald Trump die Ukraine finanziell erpresst, geantwortet: ‘Das machen wir jeden Tag.’” Ja, sagte ich mir, wenn das so ist und von Donald Trump unterschrieben wurde, dann muss es ja wohl richtig sein.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “Daily Tribune”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • Dezember 24, 2019 um 14:25
    Permalink

    Geehrte Herr Eckard,
    Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und beschauliche Feiertage.
    Gleichzeitig möchte ich Ihnen meinen Dank dafür aussprechen, dass Sie sich Tag für Tag die Arbeit machen und die Nachrichten zusammenfassen.

    Vielen Dank und alles Gute

    Dietmar Westenfelder

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