…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 22. Dezember 2019

(zum Bild: Die Gerichtsbarkeit hat Schwachstellen)

 

Urteilsschelte – Kaum ist das Urteil zum Massaker in Maguindanao gesprochen und als historisch abgefeiert, da wird Kritik laut, wie ich in der “Times” und im “Standard” lese.

Der Sprecher des Praesidenten, Salvador Panelo, der eine Zeit mit der Verteidung des Haupttaeters Andal Ampatuan jr. befasst war, empfindet es als Ungerechtigkeit, dass 56 Personen festgehalten und erst nach 10 Jahren freigesprochen wurden: “Eine Analyse des Urteils zeigt, dass 10 Jahre des moeglicherweise produktiven Lebens von 56 freigesprochenen Angeklagten in der Haft vergeudet wurde und dass so zwangslaeufig die Familien funktionsunfaehig wurden, wobei deren Ehefrauen und Kinder die Last des Stigmas trugen und die damit einhergehende Demuetigung, die sie fuer den Rest des Lebens gezeichnet hat.

Panelo findet, “…es seien schwerwiegende Maengel im Justizsystem, die seit langem bestehen und behoben werden muessen, fuehlen wir uns der Herrschaft von Gesetz und ordnungsgemaeszem Verfahrens verpflichtet, die in unserer Verfassung verankert sind.

Panelo sieht die Ursache in “fehlerhafter Wuerdigung von Beweisen” oder in der Angst “bei der Voruntersuchung abgewiesen zu werden” und dadurch Nachteile in der Karriere zu erleiden.

Dazu einige Gedanken.

Ich meine, die von Panelo genannten Ursachen widersprechen sich ein wenig. Die Angst, wegen mangelhafter Beweise in der Voruntersuchung zu scheitern, sollte doch gerade zu kritischer Wuerdigung der Beweise fuehren – was im zitierten Fall dazu haette fuehren muessen, dass die 56 gar nicht erst haetten verhaftet werden duerfen.

Auf der anderen Seite frage ich mich, wie oft eine Wagenkolonne zu einem vorbereiteten Massengrab umgeleitet wird, um dort von einer Hundertschaft Taetern erschossen und mit Baggern verscharrt zu werden. Kommt das an jedem Wochenende vor, sehe ich durchaus Handlungsbedarf, aber – das war ein Jahrhundert-Verbrechen. Ein ordnungsgemaeszes Verfahren mit ueber 100 Angeklagten, ueber 350 Zeugen, 58 Opfern und deren Hinterbliebenen kann sich in die Laenge ziehen. Nicht umsonst war das Urteil auf 761 Seiten niedergelegt. Und – haben die 56 Freigesprochenen echt nur dabei gestanden und weggeschaut – sind die Jahre der Haft dann nicht gerechte Quittung fuers “Wegschauen” bei einer solchen Tat?

Grad bebt hier wieder die Erde… – …wo ich dies um 5:26 a.m. schreibe, aber ganz sanft. Staerke 4,3 noerdlich Malungon, Sarangani, heiszt es bei “Phivolcs”.

Ich danke den Lesern… – …die mich bei meiner gestrigen Frage zur Statistik mit dem Begriff der “socio-economic classes” auf die rechte Spur gebracht haben. Leider sind die Fundstellen im Netz zu diesem Begriff sehr wort-, dafuer aber weniger hilf-reich. Ich habe mir erlaubt, aus einigen Tabellen und laenglichen Beschreibungen eine Liste mit gemittelten Werten fuer eine Familie von 5 selbst zu erstellen.

Klasse A hat ueber 100 Tsd Peso mtl

Klasse B hat ueber 50 Tsd Peso mtl

Klasse C hat ueber 25 Tsd Peso mtl

Klasse D hat ueber 12 Tsd Peso mtl

Klasse E hat weniger als 12 Tsd Peso mtl

Die Armutsgrenze liegt bei 12 Tsd Peso, und die naechsthoehere Klasse hat jeweils das Doppelte. Statistisch werden die Klassen A, B und C oft gebuendelt; das sind 20 Prozent der Bevoelkerung. 50 Prozent gehoeren der Klasse D mit 12 bis 25 Tsd Peso mtl an und 30 Prozent der Bevoelkerung sind halt arm.

Diese Einteilung ist eine persoenliche Uebersicht, sie dient mir als Orientierung. Hinweise von Lesern auf den Mindestlohn muessen relativiert werden. Soweit ich weisz, liegt der hier in Region XII seit Mai 2018 bei 290 Peso. Multipliziert mit 30 gibt das 8.700 Peso, aber – das muss fuer 5 reichen. Wenn nur ein “breadwinner” in der Familie ist, dann sind die arm dran. In Metro Manila mit 537 Peso Mindestlohn kommt man zwar auf 16.110 Peso, aber in Manila sind die Preise hoeher. Da geht es denen in der Provinz oft besser, weil die Huehner haben oder ein Schwein und Malunggay fuer die Suppe waechst am naechsten Baum. Das Schwein essen sie nicht selbst, sondern das wird verkauft, wenn die Kinder eine neue Schuluniform brauchen.

Um auf die gestrige Statistik zurueckzukommen, ist es also die Klasse D, bei denen die Zustimmung zu Dutertes Politik von 78 auf 88 Prozent gestiegen ist. Das ist die Haelfte der Bevoelkerung. Kein Wunder, dass dann auch der Gesamtwert steigt. Da koennen die Filipinos in Manila mosern soviel sie  wollen.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

 

2 Gedanken zu „…aus der philippinischen Presse

  • Dezember 23, 2019 um 15:21
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    die Presseschau mit Heiko Eckard ist immer wieder erfrischend, danke dafür !

  • Dezember 23, 2019 um 17:07
    Permalink

    Habe nun bei der PSA (Philippine Statistics Authority) eine aktuelle Zahl in einer Presse-Mitteilung vom 6. Dezember 2019 gefunden, in der es heiszt: „This translates to 17.6 million Filipinos who lived below the poverty threshold estimated at PhP 10,727, on average, for a family of five per month in 2018.“
    Also lag ich mit meinen angenommenen 12 Tsd Peso nicht ganz daneben. Ich bleib bei meiner Tabelle.

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