…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 19. Dezember 2019

(zum Bild: Ob er wohl nach der Urteilsverkündung auch noch gelacht hat?)

 

Judgment Day”… – …bezeichnet eigentlich den Tag des Juengsten Gerichts. Doch um dem heutigen Urteilsspruch im Falle des Maguindanao Massakers gerecht zu werden, kann man gar nicht hoch genug in das Regal moeglicher Metaphern langen, und so muss der Ausdruck heute fuer die Schlagzeile in der “Times”, im “Standard” und im “PhilStar” herhalten.

Zur Sache habe ich gestern geschrieben, das will ich nicht wiederholen, nur dies: am 23. November 2009 kam es zu einem Massaker an politischen Gegnern des Ampatuan-Clans, wobei 58 Menschen niedergemetzelt und an Ort und Stelle verscharrt wurden. Darunter waren 32 Journalisten, wodurch die Tat zum “toedlichsten Schlag gegen die Presse in der Geschichte” geriet, und so wundert nicht, dass zur Berichterstattung 435 lokale und internationale Journalisten zugelassen wurden, das Geschehen im Quezon City Jail Annex in Camp Bagong Diva in Taguig City heute zu verfolgen. “PTV” wird mit zwei Kameras (nicht mit drei, wie ich gestern faelschlich schrieb) live dabei sein, und ich werde mich gleich um 8 a.m. vor den Fernseher setzen, um Geschichte zu erleben.

Nun verfolge ich politisch-mediales Geschehen hier nicht zum ersten Mal, und so will ich fuer Erst-Leser einen Gedanken voranstellen.

Schon im September 2016 draengte sich mir ein Vergleich aus der Maerchenwelt auf, als Praesident Rodrigo Roa Duterte bezueglich der Senatorin Leila de Lima sagte: “Sie geht ins Gefaengnis, das ist sicher.” Heute sitzt sie wirklich da, obwohl Duterte nie befohlen hat sie einzusperren – wie geht das an? Hier hilft die Maerchenwelt, denn die weisz, dass Koenige niemals Befehle geben, sondern Koenige wuenschen. Nun sind Koenige nicht allein, sondern bei Hof stets von ihren Edlen umgeben. Und da gibt es genug Prinzen, die die Wuensche des Koenigs wahr werden lassen. Geht alles glatt, duerfen sie die Koenigstochter heiraten. Aber geht die Sache ins Auge, tragen allein die Prinzen die Schuld, das ist ihre vornehmste Aufgabe. Koenige sind nie schuld, denn vor Gericht interessieren nur Befehlsketten, und die enden immer bei Prinzen, und die werden dann halt enthauptet.

Die Ampatuans waren Koenige in Maguindanao, und so wird in den Blaettern heute diskutiert, ob man an die herankommt, oder ob auch dort nur “Prinzen” zur Rechenschaft gezogen werden. Dass die Ampatuans hinter dem Massaker stecken, ist ein offenes Geheimnis, das “weisz” jeder. Doch vor Gericht zaehlt nicht “wissen”, sondern “beweisen”.

Die Ampatuans sind immer noch eine Macht, und der ehemalige Sprecher des Praesidenten, Harry Roque meint in einem Interview: “Es scheint eine konzertierte Anstrengung der Ampatuan-Familie zu geben, um Zaldy zu schonen, denn ich denke, sie muessen ihre politische Macht fortsetzen, und deshalb muessen sie sich zwischen Zaldy und Unsay [Andal Ampatuan jr.] entscheiden.” Er sagte in dem Interview auch, dass es Zaldys Frau und Sajid Ampatuan gelang, in Malacañang mit Praesident Duterte zu sprechen: “Als ich Sprecher war, war ich ueberrascht, dass sie es nach Malacañang geschafft haben. Ich habe nie herausgefunden, wer dafuer verantwortlich ist, aber man kann Jahre nach dem Massaker sehen, dass ihr Einfluss erhalten bleibt.

Auf den anderen Aspekt der Sache weist Anwalt Raymond Fortun hin, der von 2016 bis 2019 fuer Andal Ampatuan jr. gearbeitet hat. Er meint, die Beweise reichen nicht fuer eine Mord-Schuldspruch: “Nicht genug fuer einen Schuldspruch. Fuer mich ist das immer ein begruendeter Zweifel. Wenn Sie in einem Mordfall nicht in der Lage sind, die Kugel mit der Waffe und die mit dem Schuetzen zu verbinden, werden Sie nicht gewinnen.

Wir werden sehen, was Richterin Jocelyn Solis-Reyes zu sagen hat – das gilt dann, erstmal. Koenige geben erst vor dem Obersten Gericht auf, nie gleich am Juengsten Tag.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard”, “PhilStar”, “GMANews” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.