…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 15. Dezember 2019

(zum Bild: O du fröhliche etwas näher betrachtet)

 

Die “Simbang Gabi… – Nacht-Messe”…beginnt morgen. Diese neun-taegige Serie von Messen in aller Herrgottsfrueh ehrt Mama Mary und endet mit der “Misa de Gallo ~ Messe zum Hahnenschrei”, der traditionellen Mitternachts-Messe zu Weihnachten, auch wenn einige, zum Beispiel meine Frau, die ganze Serie “Misa de Gallo” nennen. Mir war das neu, als ich hierher kam. Zur Weihnachtszeit fiel mir nur “O du froehliche” ein, dieses Lied, das auf den Weimarer “Waisenvater” Johannes Daniel Falk zurueckgeht, der vier seiner sieben Kinder durch eine Typhus-Seuche verlor und ein “Rettungshaus fuer verwahrloste Kinder” gruendete. Diesen Kindern widmete er um 1815 das heute als Weihnachtslied bekannte “O du froehliche”, das urspruenglich ein “Allerdreifeiertagslied” war, in der die zweite Zeile “gnadenbringende Weihnachtszeit” mit “Osterzeit” und “Pfingstenzeit” abgewandelt wurde, und so alle christlichen Feste meinte: Geburt, Auferstehung Christi und Ausschuettung des Heiligen Geistes.

Meine Frau hatte einer nostalgischen Kindheits-Erinnerung folgend bisher an allen neun Messen teilgenommen. Dieses Jahr kuendigte sie mir an, nur zu einer Messe zu gehen – in unserem Alter schlaucht es dann doch, an neun Tagen um 3 Uhr aufzustehen und um 4 Uhr in der Kapelle zu sein. Da kam mir in den Sinn, wie es heuer weltweit um die “gnadenbringenden Weihnachtszeit” bestellt ist, und dazu gehe ich mal die Meldungen durch.

In der “SZ” lese ich zu dem “Triumph des Boris Johnson”, das der nach gelungenem Brexit zwei Probleme vor sich hat: ein Abkommen mit der EU, wie der Handel mit ihr sich in Zukunft gestaltet, und ein drohendes Zerbrechen des UK: die schottische Nationalpartei denkt ueber ein Unabhaengigkeits-Referendum nach.

In den USA hat ein Ausschuss des Hauses fuer die Einleitung des Amtsenthebungs-Verfahrens gegen Praesident Donal Trump gestimmt, das noch vor Weihnachten eingeleitet werden koennte. Allerdings hoerte ich in Don Lemons “CNN Tonight” einen Experten, der sagte, es gebe keine Vorschrift, wann Nancy Pelosi, die Sprecherin des Hauses, diesen Beschluss an den Senat zur Verhandlung geben muss. Sie koennte auch die Wahl 2020 abwarten, wenn im Senat andere Mehrheiten herrschen, die derzeit ein Urteil gegen Trump ausschlieszen. Sie hat es in der Hand, ob Trump noch einmal frohe Weihnachten feiern kann, bevor sie ihm dann das Neue Jahr so richtig versaut.

Donald Trump hat noch ein Problem, und das ist der Handelsstreit mit China. Zwar sieht es im Moment so aus, als kaeme man sich in einem ersten Schritt entgegen und eskaliert nicht weiter. Damit ist aber das eigentliche Ziel nicht erreicht, naemlich den Versuch Chinas zu verhindern, “ihr Land mithilfe massiver staatlicher Subventionen sowie Ideenklau und Produktpiraterie an den USA vorbei zur Weltwirtschaft Nummer eins zu formen” – to be continued.

In den Philippinen schlaegt sich Praesident Rodrigo Roa Duterte mit CPP/NPA (Communist Party of the Philippines/New People’s Army) herum. Er hat Friedens-Gespraeche angeboten, kann sich mit “Joma” Sison aber nicht auf den Ort der Gespraeche einigen. Duterte meint, das muss in den Philippinen stattfinden. Darauf geht Sison, gegen den es Haftbefehle gibt, nicht mal bei Zusicherung freien Geleits ein. Man misstraut sich gegenseitig, und darauf machen der “Tribune” mit einem Kommentar “Reasoning with a jackal” und die “Times” mit einer Kolumne von Mauro Gia Samonte mit dem Titel “Peace with CPP/NPA: Pact with the devil” aufmerksam. Denn obwohl beide Seiten Fuehler ausstrecken, hat die NPA nichts Besseres zu tun, als an einer Strasze in Eastern Samar eine Bombe gegen ein passierendes Polizei-Fahrzeug zu zuenden, bei dem es – wie ich bei der “PNA” lese – zwei Tote und mehrere Verwundete gab, darunter drei Kinder. Wie will man da miteinander reden?

Geredet hat Praesident Duterte am Freitag in Davao aber mit Nur Misuari und Mitgliedern des Peace Coordinating Committee der MNLF (Moro National Liberation Front). Duterte meint: “Bevor ich sterbe will ich mindestens Frieden in Mindanao sehen.” So ernannte Duterte Nur Misuari als Special Economic Envoy on Islamic Affairs zur OIC (Organization of Islamic Cooperation), die eine der drei Parteien im BDAF (Bangsamoro Development Assistance Fund) sind, die anderen sind die Philippinische Regierung und die MNLF. Das Triumvirat kuemmert sich um die Entwicklung von Bangsamoro. Mit der OIC ist dabei die Islamic Development Bank im Spiel, denn – wie ueberall auf der Welt – ohne Moos, nix los.

Man sollte die OIC auch nicht gegen sich haben, und Nur Misuari hat sich stets mit ihr beraten, bevor er mit der hiesigen Regierung sprach. Der Prozess gegen Myanmar wegen angeblichen Voelkermords an den Rohingya Muslim, bei dem Staatsraetin Aung San Suu Kyi vor dem Internationalen Gerichtshof der UN im Haag sprach, wurde von Gambia im Auftrag der OIC angestrengt, die ein Auge auf das Wohl der Muslime in aller Welt hat. Die verlogenen Anwuerfe der Opposition wegen angeblicher EJKs (Extra Judicial Killings) im Drogenkrieg kann Duterte im Land abwehren, wenn er einen Polizei-Chef findet, der – wie “Caesars Frau” – ueber jeden Verdacht erhaben ist und den Drogenkrieg zu Ende bringt – noch sucht er. Was er aber ums Verrecken nicht braucht, waere eine gegen ihn eingestellte OIC, wenn er die Muslime in Bangsamoro verprellt. Er braucht einen Rebellen wie Nur Misuari, der bei der OIC hohes Ansehen genieszt, um den Frieden in Mindanao zu sichern und zu verhindern, dass dort Unabhaengigkeits-Gelueste sprieszen. Ob Misuari dafuer der rechte Mann ist, der immer noch vom Sultanat Sulu traeumt, ist eine Frage der Auswahl – Duterte hat sonst niemand da unten, mit dem er reden kann.

So loeblich Dutertes Versuch ist, mit allen ins Reine zu kommen und ein befriedetes Land am Ende seiner Amtszeit zu hinterlassen – vielleicht sind es ja solch weihnachtlich-friedliche Gedanken, die er derzeit pflegt – so hat er auch einsehen muessen, dass das nicht mit jedem geht. Sein Angebot an die Vize-Praesidentin Leni Robredo, im Drogenkrieg bei ICAD (Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs) mitzuarbeiten, war ein Schuss in den Ofen, den ich gar nicht diskutieren will. Sie drohte an, morgen ihren Bericht vorzulegen, was sie bei ihrem Intermezzo im ICAD gelernt hat, wie man mit Drogen fertig wird. Es wird, wie bei allem, was sie bisher vorgelegt hat, nichts Vernuenftiges darin stehen. Sie wird alte Vorwuerfe wiederholen und nichts Neues zum Problem beitragen. Die Opposition will – wie die Kommunisten – Duterte stuerzen, sonst nichts.

Duterte wird auch keinen Frieden mit jenen Kraeften im Westen erreichen, die der Anti-Duterte-Presse Glauben schenken. Da sind die US-Senatoren Dick Durbin und Ed Markey, die die Freilassung der inhaftierten Senatorin Leila de Lima und die Niederschlagung der Verfahren gegen die “Rappler”-Chefin Maria Ressa fordern. Dass sie so zugleich die Abschaffung der Rechtsprechung in den Philippinen fordern, faellt den Herren US-Senatoren nicht auf. Und so fuehlt sich auch ein Rock-Star wie Bono von U2 bei seinem Konzert in Manila berufen, fuer Maria Ressa Partei zu ergreifen, und feiert sie als “Frau, die die Geschichte neu schreibt”. Er weisz gar nicht, wie Recht er hat, bei all den Fake-News, die auf den “Rappler” zurueckgehen.

Weil das alles nicht reicht, muss Duterte ansehen, dass auch jene, die fuer ihn sind, nicht unbedingt hinter ihm stehen, wenn es um den Kampf gegen die Korruption geht. Zu jeder Weihnachtszeit goennen Kongress-Mitglieder aller Parteien sich jede Menge “Schweinefleisch” im Haushalt fuer das Neue Jahr, auf dass sie lange leben und es ihnen wohl ergehe auf Erden. Christen ehren so ihre Eltern nach dem Vierten der Zehn Gebote, Kongress-Abgeordnete sorgen lieber fuer sich selbst.

Die Welt leidet an sich selbst, weil es durchsetzbares Recht und umsetzbare Politik nur im Rahmen von Nationen gibt, Geld, Gueter, Drogen und Meinungen flieszen aber beliebig ueber jede Grenze. Manche suchen ihr Heil in Zusammenarbeit, andere in der Unabhaengigkeit. So koennte man statt des “O du froehliche” die chinesischen Worte “Moegest du in interessanten Zeiten leben!” als Motto unserer Zeit waehlen. Der Fluch “interessante Zeiten” verheiszt Ueberschwemmung, Krieg und Cholera, keinen langweiligen Alltag. Wir werden sehen, was passiert, und koennen dann streichen, was nicht zutrifft.

 



 

Gemaesz “Wikipedia”, “Sueddeutsche Zeitung”, “CNN”, “PNA”, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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