…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 04. Dezember 2019

(zum Bild: Sehr verärgerter Präsident droht Wasserversorgern wegen Wirtschaftssabotage)

 

Tut mir Leid… – …dass ich ein sprachunbegabter Mensch bin, der nur ein biszchen Englisch kann, sich mit Visayan herumquaelt und von Tagalog keine Ahnung hat. Koennte ich das, wuerde ich die gestrige Rede von Praesident Rodrigo Roa Duterte – das Transcript bei “PCOO” hat nur sieben Seiten – ins Deutsche uebersetzen und kommentarlos heute einstellen, damit der Leser sie selbst genieszen kann. Da das nicht geht, heute nur dies:

Weil nichts Gescheites im TV lief, zappte ich gestern Abend so rum und platzte bei “PTV” live gegen Schluss in die Rede von Praesident Rodrigo Roa Duterte, die er anlaeszlich der Verschiebung der Barangay-Wahlen und des Gesetzes zur Bildung der Malasakit Center in der Rizal Hall in Malcañang hielt. Verstanden habe ich fast nichts, nur eins wusste ich: das ist morgen mein Thema.

Und so schaute ich heute frueh bei “PCOO” nach. Das Presidential Communications Operations Office bringt alle Reden des Praesidenten im Transcript, wenn auch nicht immer gleich am naechsten Tag. Diesmal waren sie flott, es war schon da – waren ja nur 7 Seiten, und kein Visayan (das uebersetzen sie erst in Englisch, weil niemand Visayan versteht) – und das brauche ich, denn aus dem Gedaechtnis kann ich hoechstens den Sinn wiedergeben, aber nicht zitieren. Doch gluecklicherweise waren Blaetter dabei, die Tagalog und Englisch verstehen, und heute folgende Artikel brachten:

Standard: Angry Rody poised [bereit] to slap two water firms with sabotage raps”

“Bulletin: Duterte to Drilon: ‘Tell the truth’ about Manila Water, Maynilad contracts”

“Bulletin: Duterte calls out Maynilad, Manila Water for ‘economic sabotage’”

“Times: Manila Water ruling an affront to PH consumers”

“Tribune: Water deal roil [aufwirbeln] Rody”

“Tribune: DOJ [Depertment of Justice] to unmask Maynilad, Manila Water irregular deals

Duterte begann wie ueblich mit der Floskel, er habe eine vorbereitete Rede, aber er moechte zuvor kurz noch auf etwas eingehen, und das tat er dann.

Die Wasserversorger von Metro Manila wollten 2012 den Preis fuer den Kubikmeter Wasser von 25,07 Peso auf 30,90 Peso erhoehen. Die Regierungs-Behoerde MWSS (Metropolitan Waterworks and Sewerage Systems) fand das nicht gut und forderte Manila Water auf, den Preis stattdessen um 2,77 Peso zu senken. Da man sich nicht einigen konnte, ging Manila Water zum Internationalen Schiedshof in Singapur – ein Ableger des Schiedshofes im Haag, der hier wegen des Entscheids von 2016 gegen Chinas Nine Dash-Line bekannt ist, nun wird es wohl auch die Zweig-Niederlassung in Singapur – und der Hof entschied, die Regierung muesse alles in allem Manila Water Verluste von 7,39 Mrd Peso ersetzen.

Nun war Praesident Duterte jahrelang Staatsanwalt fuer den Fiskus und Manila Water und Maynilad standen wegen der Wasser-Krise diesen Sommer eh in der Kritik. Also liesz Praesident Duterte die Vertraege mit den Firmen pruefen und trat gestern Abend wutschnaubend ans Podium:

Ich verklage sie wegen Wirtschafts-Sabotage. Ich lass die alle verhaften. Sie werden erleben, wie es sich anfuehlt, ein Gefangener zu sein. Wenn sie mich dazurechnen, bin ich mit ihnen im Gefaengnis. … Sie zahlen keine Koerperschafts-Steuer. Und die Koerperschafts-Steuer, die sie zahlen, geben sie an die Verbraucher weiter, die das mit dem Wasser bezahlen. … Hoechst bemerkenswert war das Verbot staatlichen Eingriffs in die Festlegung der Preis-Raten und die Vorsorge zur Entschaedigung fuer moegliche Verluste im Falle solch staatlichen Eingriffs. … Ich erinnere deutlich, das Drilon mal etwas sagte: ‘Praesident Duterte, fummeln Sie nicht an diesem Vertrag herum, weil wir am Ende so viele Milliarden Pesos zu bezahlen haetten.’ Senator Drilon, sind Sie einer derjenigen, die den Vertrag ausgearbeitet haben? Ich frag dich das. … Ich will dich nicht einschuechtern, aber wenn ich untergehe, zieh ich dich mit runter. Ich habe keine Angst. Ich fordere dich nicht heraus. Sag den Leuten einfach die Wahrheit. Lies den Vertrag laut vor und sag, ob das gut fuer’s Volk ist. … Das laeuft schon einige Zeit so. Niemand redet darueber, weil sie Angst vor dem Geld von Ayala und Pangilinan haben, besonders waehrend der Wahlen. Weil ihr das braucht. Und eben deshalb spricht niemand darueber. … Sie kassieren Geld ueber Jahre, um das Wasser zu klaeren, bevor es in die Manila Bay flieszt. Das laeuft schon lange so. Ihr seid Hurensoehne alle. Da ist immer noch keine Klaeranlage, ihr Tiere…” …und so weiter.

Praesident Duterte hatte Justiz-Minister Menardo Guevarra angewiesen, die Vertraege mit den Wasser-Versorgern zu pruefen. Das war einer der Punkte bei der Kabinetts-Sitzung am Montag, wozu Guevarre sagte, man “fand ein Dutzend Bestimmungen, die fuer die Regierung und die Verbraucher als belastend oder nachteilig erachtet wurden.

Wir werden in der Sache sicher mehr zu hoeren bekommen, wenn erst die Kolumnisten der Blaetter das Transcript gelesen haben. Ich bedauere dagegen, dass ich den Genuss der Rede selbst nicht teilen kann. Ohne Kenntnis der Landessprache ist man wo auch immer auf der Welt nur ein armes Schwein.

 



 

Gemaesz “PCOO”, “PTV”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “Manila Times”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.