…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 29. November 2019

(zum Bild: Präsident Rodrigo Duterte muss fast alles alleine machen – macht ihn das zum Diktator?)

 

Diktatur oder Demokratie? – In der “Wikipedia” lese ich “Die Diktatur ist eine Herrschaftsform, die sich durch eine einzelne regierende Person, den Diktator, oder eine regierende Gruppe von Personen mit weitreichender bis unbeschraenkter politischer Macht auszeichnet.” An anderer Stelle lese ich “Demokratie bezeichnet heute Herrschaftsformen, politische Ordnungen oder politische Systeme, in denen Macht und Regierung vom Volk ausgehen.

Laut Praeambel der Verfassung von 1987 sind die Philippinen ein souveraenes Volk – “We, the sovereign Filipino people…” – das fuer sich “die Segnungen von Unabhaengigkeit und Demokratie ~ …the blessings of independence and democracy” sichert. Diese “Sicherung” der politischen Ordnung findet alle 6 Jahre statt, zuletzt 2016, indem sich das Volk seiner Macht entbloeszt und sie an die Gewaehlten uebergibt.

Was machen die damit?

Das ist eine gute Frage, und die zu beantworten betrachte ich die Ueberschriften der Top Stories des heutigen “Bulletin”, und die sehen so aus – ich uebersetz die mal nicht:

“Duterte on SEA Games: Yes to free viewing, no to class suspension”

“Duterte clears Cayetano of corruption in SEA Games spending”

“Duterte: Retired COA auditors to probe SEA Games irregularities”

“Duterte slams Robredo anew, challenges the VP to reveal her findings immediately”

Und der Hammer ist die naechste Ueberschrift:

“Duterte finds difficulty choosing new PNP chief, mulls leading the force himself”

Der Leser mit auch nur maesziger Englisch-Kenntnis erkennt sogleich: in diesem Land tut nur einer was, Rodrigo Roa Duterte. Der Logiker folgert nach der Praemisse der “Wikipedia”: also ist es eine Diktatur. Dem Bedenkentraeger schwant Unheil: wird das jetzt ein Polizei-Staat?

Zaeumen wir das Pferd von hinten auf!

Ich schrieb bereits im Oktober 2017: “Das eigentliche Problem Dutertes, das sich hier zeigt, ist die Polizei selbst. Er weisz, dass es “ninjas” und “bad eggs” bei der Polizei gibt, hat er selbst oft genug beklagt, und deutlich machten das Ereignisse wie der Mord an dem koreanischen Geschaeftsmann Jee Ick Joo durch Polizisten in Camp Crame, dem Hauptquartier der PNP (Philippine National Police), sozusagen unter der Nase von Polizei-Chef Ronald “Bato” dela Rosa, wie auch neulich die Morde an Kian delos Santos und Carl Angelo Arnaiz. Zu beiden Anlaessen dringlich befragt brach Polizei-General dela Rosa in Traenen aus. Er wurde “emotional”, wie man hier sagt.

Mir fiel damals auf “…dass ich in der Diskussion den Innen-Minister vermisse. Die PNP untersteht dem DILG (Department of the Interior and Local Government), dessen Chef Ismael Sueno von Duterte gefeuert wurde, weil es Schmu gab beim Kauf von Feuerwehr-Autos aus Oesterreich. Nachfolger sollte eigentlich General Eduardo Año sein, den Duterte aber wegen der Marawi-Krise nicht von der Armee abziehen konnte. Das Amt des Innen-Ministers wird seither von Catalino Cuy verwaltet, oder anders: es gibt derzeit keinen richtigen Innen-Minister, der eigentlich fuer politische Ausrichtung und Ziel-Vorgabe fuer die Polizei zustaendig waere.

Nun ist die Marawi-Krise aber vorbei, Eduardo Año ist Innen-Minister – und was tut der?

Duterte besetzt Posten gern mit Ex-Militaers, weil die Gehorchen gelernt haben und sich an Befehls-Ketten halten. Aber reicht das als Kriterium fuer einen Minister-Posten? Offenbar nicht, denn wenn Duterte sich mit dem Gedanken herumschlaegt die Fuehrung der PNP selbst zu uebernehmen, dann “sticht er durch”, am Innen-Minister vorbei, und das ist nicht angesagt in Hierarchien. Duterte muesste delegieren, und zwar an Año, unter dem die PNP aufgehaengt ist. Es ist zwar richtig, wie es in dem Artikel heiszt, dass Duterte “Fuehrung und Richtung” vorgibt, aber das setzt er um Himmels Willen doch nicht selbst um! Wofuer hat er Minister?

Dieselbe Frage stellt sich bei den anderen Top Stories. Was hat der Praesident mit den SEA Games zu tun? Gut, er sagt irgendetwas Staatstragendes zur Eroeffnung und wuenscht allen Erfolg, aber – das ist jetzt nicht ernst – will er auch noch den Marathon mitlaufen?

Dieses Land ist nominell eine Demokratie, aber alle verhalten sich, als muesse alles von dem einen an der Spitze ausgehen. Das funktioniert nicht. Ich zitierte gestern die Kolumne von Antonio Contreras, der beklagt, dass wir unsere Kinder unselbstaendig machen. Ich glaube, der Prozess begann nicht mit unserer Generation: das laeuft schon laenger so.

 



 

Gemaesz „Wikipedia„, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.