…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 28. November 2019

(zum Bild: Heftige Kritik an Raffy Tulfo in den sozialen Medien)

 

Alle Blaetter… – …berichten, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte eine Untersuchung der “snafu” der Suedostasien-Spiele haben will. Nun ist “snafu” so ein Wort, das weder der Google-Translator noch das Woerterbuch von Pons kennen. Ich schaue in Merriam-Webster “Collegiate Dictionary” – ja, ich habe mir das dicke Ding gekauft, weil philippinische Journalisten einen sehr elaborierten Code drauf haben, und da will ich wenigstens mithalten, wo ich bei Tagalog und Visayan das Handtuch werfen muss – und finde “snafu ~ situation normal all fucked up”.

Also, Duterte will das Chaos untersucht haben, von dem die Medien bei den Spielen berichteten. Ob es ein Chaos wirklich gibt, ist fraglich, denn Berichte bei “CNNPhil” zeigten, dass das stundenlange Warten einiger Teams seinen Grund darin hatte, dass die Stunden frueher als angekuendigt gekommen waren. Das Gemaekel zum Essen, dass es kein “halal food” gebe, ist erfunden. Der Kuechenchef zeigte, es gibt eine eigene Abteilung der Kueche fuer “halal food” – das den muslimischen Geboten entspricht – und es wird auf eigenem Weg in den Speisesaal gebracht. Ganz so, wie neuerdings in der “Robinson Mall” eine Kasse fuer “halal”-Waren eingerichtet wurde. Alkohol und Zigaretten kann man dort nicht kaufen, und ich musste mit einer Dose Corned Beef zur anderen Kasse gehen. Mein Argument “that is canned, not a piece of meat” wurde nicht akzeptiert.

Die Diskussion zum Essen kommentierte Senats-Praesident Vicente Sotto, der frueher als Sportler an solchen Spielen teilgenommen hatte – er war im Bowling-Team – dass sie ihr Essen selbst haetten kaufen muessen. Und ich meine zu erinnern, dass deutsche Sportteams stets einen eigenen Koch haben, damit die Sportler ueberall genau das Essen kriegen, das sie gewohnt sind.

Irgendwie leiden die Spiele nicht unter “snafu” sondern unter “Ueberversorgung”, und das bringt mich zum naechsten Thema.

 



 

Schneefloeckchen – Der Journalist Raffy Tulfo brachte in seiner TV-Show eine Lehrerin um ihren Job, weil Eltern die Maszregelung ihres Sohnes, der seine “report card” nicht zur Schule gebracht hatte, durch die Lehrerin nicht hinnehmen wollten. Tulfo ueberredete die Lehrerin, ihren Job aufzugeben, um eine Strafanzeige zu vermeiden.

Es gab grosze Aufregung dazu in Social Media, auch in “Christophs Wohnzimmer”, das ich verfolge, habe dazu selbst aber nichts geschrieben, weil das nicht mein Thema ist. Nun hat aber Antonio Contreras heute in seiner Kolumne in der “Times” unter der Ueberschrift “Wir ziehen Schneefloeckchen grosz” dazu Stellung genommen. Davon wird es nicht mein Thema, doch ich fand die Kolumne lesenswert und bringe hier den Anfang, in dem aeltere Leser sich gut wiedererkennen koennten, und der zeigt, dass Filipinos die Welt doch nicht so voellig anders sehen als wir “Westler”:

Einige Leute nennen sie die Schneeflocken-Generation. Das bezieht sich auf junge Menschen von heute, die so gewohnt sind als Babies behandelt zu werden und deren Leben so abgesichert ist, dass sie am Ende keine emotionale Intelligenz und kein Rueckgrat mehr haben.

“Sie wachsen mit Nannies auf, waehrend unsere Generation auf sich selbst und unsere Geschwister aufpasste. Sie spielen Video-Spiele, wo wir mit echten Menschen spielten. Sie koennen Aufsaetze schreiben, ohne in die Bibliothek zu gehen, wo wir in feuchten, dunklen Schul-Bibliotheken durch schimmelige Kartei-Karten und staubige Buecher stoebern mussten. Sie haben den Luxus der Online-Einschreibung, wo wir in Schulgebaeuden uebernachteten und uns in Einschreib-Brigaden organisiserten, um uns einen Platz in unseren Klassen zu sichern. Sie haben Tutoren, wo wir nur uns selbst und die praktischen alten Klausuren hatten. Ihre Klassen werden auf Basis der Vorhersage heftiger Regenfaelle ausgesetzt, wo wir ueberfluteten Straszen und fallenden Aesten trotzten um am Unterricht teilzunehmen, der erst ausgesetzt wurde bei Taifun-Warnstufe 3.

“Wir sind eine Generation, die mit Lehrern als Disziplinirern gewachsen ist. Ich erinnere mich, dass ich mit einem Stock geschlagen, gekniffen und aufgefordert wurde, vor der ganzen Klasse zu knieen. Aber es kam mir nie in den Sinn, das meiner Mutter zu melden, nicht nur, weil die selbst Lehrerin war, sondern viel mehr, weil ich wusste, dass ich von ihr noch eine Strafpredigt bekommen haette, weil ich widersetzlich war. Das war die Zeit, in der das Wort ‘child abuse ~ Kindes-Missbrauch’ noch nicht zum taeglichen Diskurs gehoerte.

“Das andere Wort, das zu dem Zeitpunkt noch nicht definiert war, war ‘Bullying’. Wir dachten, es sei Teil des Erwachsenwerdens, unsere Willenskraft zu testen, um zu ueberleben und Widrigkeiten zu bekaempfen. Als Junge aus einer kleinen Stadt wurde ich nie von meinen Klassen-Kameraden gemobbt, weil ich mich fuer eine Freundschaft zur Verfuegung stellte. Einige versuchten es, aber ich sah sie nur an, zuckte mit den Schultern, ignorierte den Versuch und gab ihnen das Gefuehl, dass es mir egal war. So wurde ich zu dem, was ich jetzt bin – grimmig unabhaengig.

“Es ist bedauerlich, dass unsere Generation, die unabhaengig aufgewachsen ist, unsere Kinder zu abhaengigen Muendeln gemacht hat. Wir, die wir keine Nannies hatten, verwoehnen unsere Kinder nicht nur mit einer, sondern mit zwei Nannies. Wir, die wir aufwuchsen ohne von unseren Eltern unterrichtet zu werden und selbst gelernt haben, geben jetzt viel Geld fuer Nachhilfe aus, nehmen frei in der Pruefungs-Saison, um sicherzustellen, dass unsere Kinder lernen, und wir werden boese, wenn sie schlechte Noten bekommen. Wir, die wir entsetzt gewesen waeren, waeren unsere Eltern in der Schule als unsere Anwaelte aufgetreten, und das nicht nur, wenn wir von Klassen-Kameraden mal geschubst wurden, sondern sondern auch, wenn wir schlechte Noten bekamen, wuerden jetzt in das Buero des Direktors marschieren und uns daruber beschweren, dass unsere Kinder von Gleichaltrigen misshandelt, von Lehrern gescholten und mit schlechten Noten bewertet wurden.

“Wir wissen nicht genau, in welchem Moment diese Verschiebung der Elternschaft stattfand, die wir nun ueber unsere Kinder gebracht haben, und die ganz anders ist als die Art und Weise, in der wir von unseren Eltern groszgezogen wurden. Wir sind stolz auf unsere Generation und prahlen damit, wie unabhaengig und einfallsreich wir waren, und stellen nun fest, dass wir Schneefloeckchen aufziehen.

“…

In dem Stil beschreibt Contreras weiter das, was in Deutschland als “Helikopter-Eltern” bezeichnet wird, und zu Tulfo merkt er am Schluss an: “Wir konnten grad die haessliche Seite davon sehen, als Raffy Tulfo unter dem Vorwand, die Rechte eines Kindes zu foerdern, eine Lehrerin in aller Oeffentlichkeit ihrer Rechte entkleidete.

 



 

Gemaesz “Manila Standard”, “CNNPhil”, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.