…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 10. November 2019

(zum Bild: Leni Robredo muss nun zeigen, dass sie es besser kann – den Krieg gegen die Drogen.)

 

Stimme der Vernunft – Aus dem ueblichen Gezeter in den Blaettern um die Ernennung von Vize-Praesidentin Leni Robredo zur Mit-Vorsitzenden des ICAD (Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs) hebt sich heute die Kolumne von Rigoberto Tiglao in der “Times” ab mit der Frage als Ueberschrift: “Ein vereinigender Praesident?” Er sieht das “Gezeter” um die Motive von Praesident Rodrigo Roa Duterte als “Reflex unserer kranken politischen Kultur” und raet:

Haltet ein! Vergesst welche Gruende Duterte gehabt haben mag und spitzt euch auf das, was der Praesident tatsaechlich getan hat.

“…

“So hat Duterte objektiv den hoechsten Beamten der Opposition zum stellvertretenden Vorsitzenden der ICAD ernannt, um sie als Partner in dem wohl wichtigstes Ziel seiner sechsjaehrigen Amtszeit zu haben, naemlich die Verbreitung illegaler Drogen im Land zu beenden.

“Was heiszt das politisch? Dies heiszt, dass er sich mutig an die Opposition gewandt und ihr eine groeszere, wenn nicht gar entscheidende Rolle in seiner Regierung angeboten hat. Das bedeutet, dass Duterte bewiesen hat, dass er beabsichtigt, ein einigender Praesident zu sein, auch wenn dies das Risiko birgt, der Opposition politisch zu helfen.

“…

“Ich bin kein Bewunderer von Robredo. Doch als Nation sollte es uns egal sein, ob Robredos Stern aufgeht und sie eine Chance auf die Praesidentschaft hat oder nicht, wenn sie beitragen koennte, die Geiszel der illegalen Drogen in diesem Land auszurotten.

Tiglao weist darauf hin, dass dieser Schritt eines Praesidenten nicht vorbildlos ist. Praesident Fidel Ramos ernannte den oppositionellen Vize-Praesidenten Joseph Estrada zum Chef der PACC (Presidential Anti-Crime Commission), und dem gelang es mit dem damaligen Polizei-Chef und heutigen Senator Panfilo Lacson den Raub- und Kidnapping-Gangs jener Zeit ein Ende zu machen – und anschlieszend wurde Estrada Praesident. Und wenn Robredo nun eine Chance bekommt, bei den Wahlen 2022 als Praesidentin durchzustarten, was soll’s, wenn dem Land geholfen ist?

Ich weisz, dass ich auf dem Lieblings-Gedankenspiel einiger Leser herumtrampel, die gern die Duterte-Tochter Sara Duterte-Carpio in der Nachfolge des populaeren Praesidenten sehen wuerden. Doch es gibt diesen Satz “Genies haben keine Soehne” – das gilt auch fuer Toechter – und das Reich Alexanders des Groszen zerfiel nach dessen Tod.

Es geht nicht immer alles so weiter wie gehabt, und wenn Tiglao den Vergleich mit Joseph Estrada bringt, dem der Aufstieg gelang – als Praesident wurde er als Pluenderer aus Malacañang vertrieben. Warum sollte die permanent unterschaetzte Robredo nicht in dem Amt zeigen, dass mehr in ihr steckt als viele gern wahrhaben moechten?

 



 

Bemerkenswert… – …ist auch die Kolumne von Dan Steinbock in der “Times”, die sich damit befasst, dass das absehbare Wachstum des chinesischen Imports eine Chance fuer die Philippinen ist. Doch zu dem Thema habe ich gestern bereits laenglich Mauro Gia Samonte zitiert, und das will ich nicht wiederholen. Mir faellt nur auf, wo Steinbock eine Chance der Philippinen sieht – “besonders als Offshore-Basis fuer chinesische Informations- und Technologie-Giganten.

Warum werden die Philippinen stets als Dienstleister gesehen? Okay, mit 2,3 Millionen OFWs (Oversea Filipino Workers) im Jahre 2018 haben sie diesen Ruf weg, aber muessen sie nur fuer andere arbeiten? Dazu kommt mir eine Meldung im “Bulletin” in die Quere, dass 2 Apps, von Studenten der De La Salle University entwickelt, sich fuer einen internationalen Apps-Wettbewerb der NASA qualifiziert haben. Es gibt also faehige junge Leute hier, die international produktiv mithalten koennen.

Mein Gedanke ist folgender – und da spinn ich mal so vor mich hin – hierzulande gibt es ein groszes Problem: das Verkehrs-Chaos in Manila. Die damit befassten Personen – meist aeltere Semester – scheinen Auto-fixiert. Das mag fuer Auto-Hersteller und Jeepney-, Taxi-, Sikad- und Habalhabal-Fahrer erfreulich sein, nur schafft es das Chaos nicht ab, eher im Gegenteil.

Ich habe so eine Idee, dass der uebliche Pendler in Manila eine TID (Traffic-ID-Card) bekommt, mit der er an die naechste Station geht, dort die TID in ein Geraet schiebt, auf einem Touch-Screen sein Ziel waehlt, und das Geraet vermerkt das auf der Karte, bucht automatisch den faelligen Betrag von seinem Konto ab, und auf dem Bildschirm erscheint eine Anzeige der Art “Steig 4, Gondel 2, Abfahrt in 4 min, Ankunft in 33 min”. Er geht dorthin, mit der TID oeffnet sich die Tuer der Gondel, in der schon Leute sein koennen, und los geht’s. Auf welchen Wegen und wo zwischendurch gehalten wird und Leute aus- oder zusteigen, die Gondel mit anderen an- oder abgekoppelt wird, ist egal – mir schwebt da so etwas wie die Wuppertaler Schwebebahn vor, nur flexibler – der Pendler kommt ohne umzusteigen dahin, wo er hin will, und das in absehbarer Zeit.

Die Aufgabe wuerde viele philippinische Spezialisten beschaeftigen – vom Bauarbeiter ueber den Mechaniker bis zum EDV-Crack – die heute ueberall in der Welt die tollsten Sachen bauen, nur nicht in den Philippinen, und Manila von dem Chaos befreien – aber das ist so ein Gedanke. Vermutlich aehnlich unausgegoren wie die Gedanken, die Larry Page und Sergey Spin hatten, als sie eine Suchmaschine entwarfen, die die Seiten danach bewertete, wie sie mit anderen Seiten verlinkt ist – daraus wurde Google.

Die Faehigkeiten und die Herausforderungen sind da, es muesste nur jemand ueber seinen Schatten springen und nicht an Auto-Industrie und -Fahrer denken, sondern an die Loesung des Problems, ganz so, wie Praesident Duterte nicht an die Opposition oder seinen Nachfolger gedacht hat, als er Leni Robredo zur “Anti-Drogen Zarin” machte.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

2 Gedanken zu „…aus der philippinischen Presse

  • November 11, 2019 um 11:10
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    In deiner Theorie mit den Pendlern hast du nach meiner Meinung einen grossen Denkfehler drin. Wie du wissen solltest sind die meisten Filipinos arm und haben nicht mal ein Bankkonto, wo bitte soll dann der Betrag abgebucht werden.
    Zum anderen Thema: kein Land der Erde wird es schaffen Drogen völlig aus dem Land zu verbannen, nicht mal Malaysia mit ihrer Todesstrafe. Und hier in diesem Land ist es für die Drogenbarone noch viel leichter neue Verkäufer zu finden. Wenn 1 verhaftet oder getötet wird folgen 10 nach da sie oftmals in ihrer Armut glauben damit ein besseres Leben zu haben.

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  • November 12, 2019 um 09:36
    Permalink

    Dass eine fluechtig hingeworfene Idee nicht fehlerfrei sein kann, ist sicher zutreffend.
    Meine Frage aber ist, woher Du weiszt, dass Pendler in Manila kein Bankkonto haben. Dort pendelt, wer zur Arbeit muss, und die Loehne dort gibt es sicher nicht bar auf die Klaue. Wer kein Geld hat, verstopft auch jetzt nicht mit seinem Auto die EDSA. Das System kann man natuerlich auch mit Karten ergaenzen, die bar erworben werden.
    Die andere Frage ist, was denn die Alternative zum Drogenverbot waere, wenn man es nicht ganz schafft? Man verbietet ja auch weiterhin Diebstahl, obwohl man den auch nie ganz ausraeumen kann.
    Also, durch die Einwaende fuehle ich mich irgendwie nicht getroffen.

    Antwort

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