…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 08. November 2019

(zum Bild: Als neue Drogenbeauftragte verspricht Leni Robredo die Tötungen im Kampf gegen die Drogen einzustellen.)

 

Tut mir Leid… – …dass ich gestern Yen Makabenta falsch zitierte und schrieb, Praesident Rodrigo Roa Duterte habe beschlossen, “Frau Robredo in den Kampf gegen den Drogenkrieg einzubeziehen”. Natuerlich muss es heiszen, “Frau Robredo in den Drogenkrieg einzubeziehen” oder “Frau Robredo in den Kampf gegen illegale Drogen einzubeziehen”. Irgendwie habe ich da dem Google-Uebersetzer zuviel Kredit eingeraeumt und den Fehler uebersehen.

Andererseits gibt es unter den Fehlern Gluecksfaelle, die als “Freudscher Versprecher” bekannt wurden. Ich habe Sigmund Freuds “Traumdeutung” neulich heruntergemacht, doch gebe ich gern zu, dass seine “Psychopathologie des Alltagslebens” mir gefallen hat, in der Freud beschreibt, wie das Unbewusste sich an der Aufmerksamkeit vorbeimogelt und eben das verraet, was die eigentlich verschweigen wollte.

So koennte man den Fehler auch als “Freudschen Verschreiber” klassifizieren, denn die Liberale Partei, zu deren Vorstand Leni Robredo gehoert, kaempft ja mit allen Mitteln gegen Dutertes Drogenkrieg. Gegen diese Klassifizierung spricht aber, dass der Google-Uebersetzer kein Unterbewusstsein hat, das sich an dessen Aufmerksamkeit vorbeischleichen koennte, sondern dass er keine “deutsche Sprachkompetenz” besitzt, weshalb man die Uebersetzungs-Vorschlaege halt nacharbeiten muss.

Der Fehler ist jedoch eine Steil-Vorlage fuer die Kommentare, die sich nun in den Blaettern zu der frisch gebackenen “Drogen-Zarin” finden – wobei unausgesprochen eine “Anti-Drogen-Zarin” gemeint ist, aber manchmal werden Worte so unhandlich lang, dass man sie muendlich kuerzer fasst.

Unter der Ueberschrift “Bad start for Leni” fragt sich Ninez Cacho-Olivares im “Tribune” heute: “Wird Leni auch Verantwortung uebernehmen und Rechenschaft ablegen fuer jede Zunahme des Drogenschmuggels, die Weitergabe durch Drogenbosse und den Verlust an Leben bei der Polizei und anderen Agenten gegen die illegalen Drogen?

Die Frage ist berechtigt, denn Cacho-Olivares merkt an, dass Robredo in einleitenden Aeuszerungen sich bereits als “politische Maertyrerin” darstellt, wenn sie sagt: “Auch wenn wir sagen, dass das Angebot nur politisch war und die Regierungs-Behoerden mir nicht folgen, und alles dafuer tun, dass ich keinen Erfolg habe, bin ich bereit all dies zu ertragen. Denn wenn ich ein unschuldiges Leben retten kann, sagen mir meine Prinzipien und mein Herz, ich sollte es versuchen.

Also, eine “Gefangene des Gewissens” haben wir schon, Leila de Lima, bekommen wir nun auch noch eine “Maertyrerin der Herzen”? Ich sehe schon die TV-Uebertragungen von den Horden weinender Nonnen und Schuelerinnen, die Blumen vor ihrem Haus ablegen, wenn sie im Drogenkrieg scheitert.

Lassen wir den Sarkasmus auszen vor. Es ist kein guter Start, wenn man vorab der Behoerde, der man vorstehen will, schon die Schuld fuer ein moegliches Scheitern in die Schuhe schiebt. Das erinnert an Agnes Callamard, Berichterstatterin der UN, die ihre Meinung zu den EJKs (Extra-Judicial Killings) in Dutertes Drogenkrieg auch schon fertig hatte, bevor sie hier etwas untersucht hatte, wozu es dann auch nicht mehr gekommen ist.

Aber was will Robredo mit ihrem “gesundheits-basierten Ansatz” erreichen? Ein Leitartikel des “Tribune” gibt zu bedenken: “Juengste Studien, vor allem von den Vereinten Nationen, zeigten, dass das Drogen-Problem weltweit exponentiell gewachsen ist, und dass die Programme, die von Laendern unter Verwendung des liberalen Ansatzes durchgefuehrt wurden, gescheitert sind im Gegensatz zu der stark verbesserten Situation hierzulande, wo Rody Krieg gegen Drogen fuehrte.” Und warum nehmen andere Laender wie Bangladesh, Indonesien und Sri Lanka nun Dutertes Drogenkrieg als Modell fuer ihr Vorgehen gegen illegale Drogen?

Schon bevor sie sich heute mit den Vertretern ihrer neuen Behoerde zusammensetzt, wusste sie gestern bei einer Wanderung zu einem entlegenen Dorf in den Bergen ohne Anschluss ans Strom-Netz, denen sie Solar-Anlagen schenkte, den mitwandernden Presse-Vertretern zu verkuenden:

Dies ist meine klare Botschaft an ICAD [Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs]: Unser Krieg gegen Drogen wird mit dem gleichen Eifer, mit der gleichen Intensitaet und der gleichen Staerke fortgesetzt. Was wir aendern ist die Art und Weise wie die Kampagne durchgefuehrt wird. Sie wird im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit, der Menschenrechte und des ordnungsgemaeszen Verfahrens geschehen.

Und dazu hat sie einen praktischen Vorschlag:

Zu allererst werden wir unseren Maszstab aendern. Unser Maszstab wird sich nicht mehr auf die Anzahl der getoeteten Menschen beziehen. Unser Maszstab bezieht sich auf die Anzahl der Leben, die wir verbessert und rehabilitiert haben. Wir muessen unsere Politik aendern, wenn sie dazu fuehrt, unnoetig unschuldige Menschen zu toeten.

Damit das gelingt hat sie eine Forderung:

Ich habe meinen Co-Vorsitzenden [Aaron Aquino] aufgefordert, einen Status-Bericht zu erstellen, nicht ueber die Leistungen des ICAD, sondern ueber die Daten. Wenn ihr sagt, wir fuehren einen Krieg, sollten wir zuerst wissen, wer unsere Feinde sind. In welchem Universum sind wir taetig? Wir muessen die Daten verstehen.

Und wie geht es dann weiter?

Wir moechten diese Botschaft vermitteln: Dies ist kein Kampf der ICAD allein. Dies ist kein Kampf des Praesidenten allein. Dies ist ein Kampf, der uns alle einbezieht, also muessen wir uns gegenseitig helfen.

Deshalb will sie ICAD erweitern, und dazu faellt mir dann nur noch ein Spruch ein, der in der groszen Firma gelaeufig war, in der ich einmal gearbeitet habe, wenn irgendjemand nicht in die Gaenge kam: “Wenn ich nicht mehr weiter weisz, gruend ich einen Arbeitskreis.” Anders ausgedrueckt: wir sagen nicht mehr, die Flasche ist halb leer, wir sagen, sie ist halb voll. Da finde ich es komisch, wenn Praesident Duterte nicht mal weisz, was in der Flasche ist – wer ist eigentlich der Feind? – wie er da einen Krieg fuehren kann, zu dem 80 Prozent der Bevoelkerung zustimmen. Und das alles ohne Daten – von wem sollen die kommen, von ICAD oder von “Rappler”? Bei der Ausgangslage kann die “Drogen-Zarin” nicht allein siegen – sie fordert Verstaerkung, wo sie den Kampf noch nicht mal aufgenommen hat und nicht weisz, gegen wen sie ins Feld ziehen will.

Bleibt zu hoffen, dass wenigsten die Solar-Anlagen funktionieren, die sie gestern verschenkt hat, aber einem geschenkten Gaul schaut man ja nun mal nicht ins Maul.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Daily Tribune”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

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