…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 01. November 2019

(zum Bild: Immer wieder erneute Erdbeben in Mindanao.)

 

Wieder gab es Tote… – …bei dem dritten Erdbeben in Tulunan, Cotabato, und diesmal forderte es 5 Menschenleben. Die Serie begann am 16. Oktober mit Staerke 6,3, dem folgte am 29. Oktober ein Doppelschlag mit Staerke 6,6 und kurz darauf mit Staerke 6,1, und gestern setzte sich das um 9:11 a.m. mit Staerke 6,5 fort. Nicht zu reden von den Hunderten kleinerer Beben seither.

Es sind nicht alles Nachbeben, hoere ich im TV und lese ich in den Blaettern von Experten. Hier stoszen mehrere Platten zusammen, die sich an Bruchlinien reiben – M’lang Fault, Makilala-Malungon Fault, North Columbio Fault, South Columbio Fault, Cotabato-Sindangan Fault – und wenn sich eine Platte ruehrt, baut sie Druck gegen eine andere auf, deren Spannung sich in einem eigenen Erdbeben loest. Die Schubserei muss nicht beendet sein, meint ein Experte im TV, sondern koenne sich bis in den Dezember fortsetzen.

Es gibt aber keine Moeglichkeit das vorherzusagen, und so werden Geruechte ueber “The Big One” von “Phivolcs” dementiert, und ueber Tsunamis zu reden ist Bloedsinn. Die Verschiebungen im Innern des Landes haben keine Auswirkung auf das Meer.

Beruhigend ist, dass die momentanen Bewegungen alle “tektonischer” und nicht “vulkanischer Art” sind. Das beruhigt mich in GenSan, denn die Cotabato-Sindangan Fault-Line verlaeuft von Cotabato City bis hin zum Parker Vulkan, 30 km entfernt von uns. Waehrend der gleichweit entfernte Mount Matutum ein aktiver Vulkan ist, der seinem Typ nach “vor sich hin sabbert”, ist Parker von dem explosiven Typ, der in der Art des Pinatubo 1991 hochgehen kann. Zum letzten groszen Ausbruch des Parker lese ich in der “Wikipedia”: “Reisende aus Suedostasien berichteten spaeter, dass die Eruption am 4. Januar 1641 bis Vietnam und Kambodscha, also in einem Radius von fast 1.800 Kilometer hoerbar war. Am Nachmittag des 4. Januar bedeckte bereits eine dichte Aschewolke den Himmerl ueber Zamboanga, so dass die Menschen ab 16 Uhr die Hand nicht mehr vor Augen sehen konnten. Eine kleine Flotille, die nach Ternate aufgebrochen war, erreichte am 4. Januar gegen 10 Uhr morgens das Kap San Augustin am Ausgang des Golfes von Davao zum Pazifischen Ozean. Die Besatzungen gaben an, dass sich zu diesem Zeitpunkt der Himmel ueber der Celebessee soweit verdunkelt hatte, dass die Besatzungen an Land nichts mehr ausmachen konnten. Sie fuhren durch einen dichten Ascheniederschlag und setzten Positionslampen, um Zusammenstoesze der Schiffe zu verhindern. Die Seeleute glaubten der Tag des Juengsten Gerichtes sei angebrochen.

Nun will ich zu Undas – Allerheiligen + Allerseelen – keine Schwarzmalerei betreiben und hoffe, dass die Cotabato-Sindangan Fault-Line den Parker in Ruhe laesst. Doch man kann nicht sicher sein: Pinatubo brach auch nach 550-jaehriger Ruhezeit aus. So ist es durchaus angebracht, heute und morgen nicht nur an die Toten, sondern auch an die Lebenden zu denken. Der Mensch ist, wie es heiszt, das einzige Lebewesen, das um seinen Tod weisz. Das macht ihm mitunter zu schaffen.

Die Erdbeben haben auch Praesident Rodrigo Roa Duterte erreicht, der sich in seinem Haus in Davao aufhielt, als der 3. Schlag kam. Sein Haus bekam Risse an Tueren und Fenstern, doch das werden Ingenieure untersuchen, ob die Statik gefaehrdet ist. Dem Praesidenten geht es gut, doch er verzichtet darauf, staerker betroffene Gebiete zu besuchen. Er meint, die oertlichen Behoerden tun genug, und wird heute nachmittag nach Bangkok, Thailand, fliegen zum 35sten ASEAN-Gipfel.

Zu den Undas-Braeuchen… – …schreibt Rigoberto Tiglao heute in seiner Kolumne in der “Times”: “Im Gegensatz zu dem, was die meisten Leute denken, war die Art und Weise, wie wir den Allerseelen-Tag praktizieren, der erst in den letzten Jahren als ‘Undas’ bezeichnet wurde, weder eine Schoepfung des Katholizismus, noch eine Praxis unter den Katholiken auf der ganzen Welt.

“Nur Mexiko, die Philippinen, Brasilien – und weniger intensiv auch einige latein-amerikanische Laender – feiern den Tag der Toten so, wie wir ihn kennen, d.h. an einem Tag im Jahr, an dem die Menschen auf den Friedhof gehen, um den Toten ihre Ehre zu erweisen. Todos los Santos (Allerheiligen) fuer uns, war ein Import aus dem hispanischen Mexico, die hiesige Version von dessen El Dia de los Muertos (Tag der Toten)…” und der hat seine Ursprung bei den Azteken.

Und Harry Roque, Ex-Sprecher des Praesidenten, hat nun eine Kolumne im “Tribune”, in der er heute schreibt, dass Undas unter allen philippinischen Braeuchen ihm am liebsten ist: “Warum? Weil es uns allen, die wir leben, versichert, dass wir, obwohl der Tod unvermeidlich ist, von denen, die wir zuruecklassen, mindestens einmal im Jahr in Erinnerung bleiben werden.

“Natuerlich ist diese Perspektive eine, die ich als Erwachsener entwickelt habe. Als Kind war ‘Araw ng Patay ~ Tag der Toten’ ein Genuss! Hey, das ist doch ein Picknick im Freien, mit der zusaetzlichen Attraktion, dass ich mich mit meinen Geschwistern messen musste, um die groeszte Wachskugel von den verbrauchten Kerzen auf den Friedhoefen zu sammeln.

Da heute die Malls in GenSan geschlossen sind, nicht nur wegen Allerheiligen, sondern weil auch die Gebaeude auf Schaeden aus den Erdbeben inspiziert werden, haben wir gestern abend fuer’s Wochenende eingekauft – in einer langen Schlange mit jenen, die mit mehreren ueberfuellten Einkaufs-Karren sich fuer das “Picknick auf dem Friedhof” ausruesteten.

 



Gemaesz “Phivolcs”, “CNNPhil”, “GMANews”, “Manila Standard”, “Manila Bulletin”, “PhilStar”, “Manila Times”, “Daily Tribune”, “Wikipedia” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.