…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 31. Oktober 2019

(zum Bild: Religiöser Monat Oktober der Heiligen Maria.)

 

Halloween – Bei Amazon kann man eine Halloween-Maske kaufen, die Rodrigo Duterte darstellen soll. Ich war mir unsicher und habe meine Frau gefragt, die einen besseren Blick fuer Gesichter hat als ich. Uns erinnert das Bild der Maske im “PhilStar” nicht an den Praesidenten, sondern an Mister Spock in den “Star-Trek”-Filmen. Vielleicht liefert der Anbieter deshalb nicht in die Philippinen – mit der Maske kann man keinen Filipino erschrecken.

Der Oktober ist “Rosenkranz-Monat”, wobei eine Figur der “Mama Mary”, wie sie hier genannt wird, reihum in der Gemeinde von einem Haus ins  andere getragen wird und dort bis zum naechsten Abend bleibt. Dies entstand zur Erinnerung an den Sieg der Heiligen Liga ueber die Flotte des Osmanischen Reiches am 7. Oktober 1571 bei der Seeschlacht von Lepanto. Der Papst rief die Glaeubigen auf, zur Unterstuetzung der Heiligen Liga den Rosenkranz zu beten, und das wurde nach dem Sieg Tradition. So besuchte am 10. Oktober “Mama Mary” auch unser Haus. Zu dem abendlichen Umzug gehoert ein anschlieszender “kleiner Imbiss” – die Filipinos sind nun mal “eines der ‘essendsten’ Voelker der Welt”, wie Rolly G. Reyes am Montag in der “Times” schrieb – und bei der Gelegenheit werden auch die neuesten Nachrichten und Geruechte des Tages ausgetauscht. Kein Wunder, dass der derzeitige Gespraechsstoff die Erdbeben sind, die Tulunan heimsuchen, hier zum Brand der Gaisano Mall fuehrten, und deren andauernde Nachbeben als “kleine Erinnerung” taeglich “mitgefuehlt werden”.

So fand ich – im Gegensatz zu der zitierten Halloween-Maske – zum Erschrecken, dass meine Frau gestern von der letzten “Mama Mary-Runde” heimkam und berichtete, jemand habe in Facebook gelesen, “Phivolcs” habe fuer den 10. November ein groszes Erdbeben – “The Big One” – vorausgesagt hat. Bei “Phivolcs” habe ich nichts dazu gefunden – selbstverstaendlich – und die Versicherung, dass jemand “etwas in Facebook gelesen hat”, ist das Guetesiegel fuer Geruechte – garantiert falsch. Es gibt keine Vorhersagen fuer Erdbeben, allenfalls Wahrscheinlichkeiten fuer Nachbeben, die in Tulunan dauern jetzt noch an. Heute Nacht habe ich zwei mit 4,4 und 4,3 verschlafen, und waehrend ich dies schreibe, ruckelt mein Stuhl wieder: Staerke 4,7 um 4:35 a.m., 4,6 um 5:30 a.m. Und ansonsten gilt, wer Facebook als Nachrichten-Quelle versteht, hat irgendwie die Welt nicht verstanden.

Anders ist das mit Nachrichten in den Blaettern meiner Leseliste, und da meldet das “Bulletin”, dass Chiles Praesident Sebastian Piñera wegen der massiven Unruhen in seinem Land den APEC-Gipfel abgesagt hat, der am 16. und 17. November in Santiago, Chile, haette stattfinden sollen. Das sind “gute Nachrichten”, was den Ruecken von Praesident Rodrigo Roa Duterte angeht. Es war zweifelhaft, ob er sich die lange Reise um die halbe Welt antut: die Frage stellt sich nun nicht mehr.

Schlechte Nachrichten” sind das fuer die Welt-Politik. US-Praesident Donald Trump hatte schon verkuendet, dass man bei den Verhandlungen mit China kurz vor dem Ziel sei und bei dem Gipfel der APEC (Asia Pacific Economic Cooperation) wohl ein Abkommen unterzeichnen koenne. Was heiszt das fuer den Handelskrieg? Geht der weiter, oder unterschreibt man woanders?

Und – heute ist Halloween, also erschrecken wir uns mal ein biszchen, wenn die Duterte-Maske zum Erschrecken nicht reicht – was ist mit den anderen Figuren, ueber die man spricht? Boris Johnson hat seinen Kopf durchgesetzt, er bekommt seine Wahl am 12. Dezember, aber – wird es danach noch Boris Johnson geben? US-Praesident Donald Trump droht ein Verfahren zur Amtsenthebung mit oeffentlichen Anhoerungen. Da bisher unter Ausschluss der Oeffentlichkeit untersucht wurde, stand es ihm frei Luegen zu den Ergebnissen zu twittern. Das sieht anders aus, wenn die Leute im TV sehen, wer was sagt. Wird Trump noch zur Wahl naechstes Jahr antreten, oder hat er dann schon hingeschmissen?

Der Einzige, der – “still going strong” trotz Ruecken – unbeirrt seinen Weg macht, ist Praesident Duterte, und das hat seinen Grund. In der “Times” befasst sich Victor N. Corpus unter der vielversprechenden Ueberschrift “Resolving PH-China maritime dispute” mit dem Gerangel um die SCS (South China Sea).

Der Ausbau der Inseln in der SCS durch China hat seinen Sinn darin, dass von diesem Stuetzpunkten aus die Chinesen eine Blockade der Malacca Straits verhindern koennen, die lebenswichtig duer Chinas Handel ist. Auf den Stuetzpunkten koennten die Chinesen mehr Raketen und Flugzeuge stationieren als den Amerikanern mit ihrer Flotten ueber und unter See moeglich sei. Zudem haben die USA den Ausbau der Inseln nicht verhindert. Zwar haetten sie zwei Flugzeugtraeger-Gruppen dorthin entsandt, doch als China die Kommandanten herausforderte, haette die US Navy sich entfernt (Ich weisz nicht, auf welches Ereignis sich diese Aussage bezieht und lass sie einfach so stehen, da Corpus das so schreibt). Da die USA also keinen Krieg mit China wollen, sieht Corpus die Loesung so:

Zum einen soll man Territorial-Ansprueche vergessen. Auch wenn die Philippinen und China noch tausend Jahre debattieren – “never the twain shall meet”, ein Zitat von Rudyard Kiplings Satz: “Oh, East is East, and West is West, and never the twain shall meet”. Das sei ein Ansatz, bei dem eine Seite verliert, und das kann nicht sein, weil bei einem Krieg beide Seiten verlieren.

Zum anderen sei also ein “win-win”-Ansatz besser, und dazu stellt er fest: “Die Philippinen und China haben bereits einen guten Start hingelegt, indem China eine gemeinsame Erkundung und Erschlieszung von Oel- und Gas-Vorkommen im strittigen Gebiet mt einem 60:40-System zugunsten der Philippinen vereinbart hat. Zahlreiche gemeinsame Projekte koennen mit einer aehnlichen ‘win-win’-Strategie angestoszen werden.

Und drittens solle man den “Kuchen vergroeszern”, und damit meint er, dass man die Belt & Road-Initiative erweitern soll, die ja nur Asien, Afrika und Europa verbindet, und wie einst die Spanier schon Kontakte ueber den Pazifik herstellen. Die Philippinen haetten dann eine zentrale Bedeutung, wenn ueber die Sibutu Straits bei Tawi-Tawi die Verbindung nach Australien und quer ueber den Pazifik die Verbindung nach Mexiko und Chile belebt wird: “Es ist ein Gewinn fuer ASEAN, weil es mit Handels-Infrastrukturen verbunden wird, die die ASEAN-Laender mit sechs Kontinenten verbinden. Die Philippinen werden jedoch der groeszte Gewinner von allen sein, da sie sich im Epizentrum einer wirtschaftlichen Entwicklung im planetaren Maszstab befinden, die den Globus buchstaeblich umrundet.

Der Wahlspruch dahinter – “Think big!” – klingt besser als schwarze Gedanken zu Halloween, und passt offenbar zu einem kleinen Praesidenten, der sich grosze Gedanken zu denken traut.

 



 

Gemaesz “PhilStar”, “Manila Bulletin”, “Manila Times”, “Wikipedia” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.