…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 23. Oktober 2019

(zum Bild: Die Polizei trägt sich mit dem Gedanken eine ‚Super-Einheit‘ im Kampf gegen die Drogen zu bilden.)

 

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …hat seinen Japan-Besuch gestern nach der Inthronisierung des Kaisers Naruhito, die er beobachtete, abgekuerzt und ist wegen “unertraeglicher Schmerzen” an der Wirbelsaeule zurueckgekehrt, um seinen Neurologen heute zu besuchen. Schon beim abendlichen Bankett liesz er sich durch Tochter Sara Duterte-Carpio vertreten. Bilder, die sein staendiger Begleiter, Senator Christopher “Bong” Go ins Netz stellte, zeigten ihn mit Krueckstock als Gehhilfe im Hotelzimmer.

Der Sturz neulich, als er vom Motorrad abstieg, wird als Ursache vermutet. Schon da klagte er ueber Schmerzen in der Huefte. Ueber den Unfall schrieb ich unter der Ueberschrift “je oeller je doeller”. Der Arzt sollte – neben medizinischer Behandlung – Duterte raten,  sein Alter zu akzeptieren und ihm ein altersgerechtes Spielzeug empfehlen. Wie waer’s mit einer elektrischen Eisenbahn?

Der Leitartikel… – …der “Times” befasst sich mit dem Negativ-Vorbild Mexiko, was den Drogenkrieg angeht. Die misslungene Verhaftung des Ovidio Guzman, Sohn und Nachfolger des beruechtigten “drug kingpin Joaquin ‘El Chapo’ Guzman”, den man gleich wieder laufen liesz, als eine Armee von Gangstern auftauchte, “ausgestattet mit gepanzerten Wagen und schweren Waffen auf Militaer-Level”, fuehrte deutlich vor Augen, wohin das fuehrt.

Praesident Duterte will die Philippinen dahin nicht kommen lassen, und das sollten langsam auch seine Kritiker begreifen. Eines der Probleme dabei ist die PNP (Philippine National Police) selbst, worauf der aktuelle Fall des Ex-Chefs der PNP, Oscar Albayalde, hinweist. Man weisz nicht genau, wer da auf welcher Seite steht. Um das Problem zu loesen, ventiliert der amtierende PNP-Chef, Polizei-Generalleutnant Archie Francisco Gamboa, die Idee, eine neue “Super-Einheit” in der PNP zu schaffen, die alle Faelle bis hin zur Rehabilitation der Drogen-Verdaechtigen ueberwacht.

Ob das eine gute Idee ist, diskutier ich nicht. Fuer mich folgt, wenn diese “Einheit” den Ueberblick verschaffen soll, dass man diesen Ueberblick jetzt nicht hat – das ist das Problem. Man weisz nicht, “wie weit man auf dem Weg nach Mexiko schon ist”, und das erklaert Dutertes falsche Einschaetzung, wann der Drogenkrieg beendet sein wird.

Ein anderes Problem thematisiert der “Tribune” in seinem Aufmacher. Der soeben nach Bacolod City, Negros Occidental, versetzte Polizei-Oberstleutnant Jovie Espenido klagt, dass zu viele Zeugen ermordet werden, bis es zum Prozess kommt: “Der Schutz unserer Zeugen steht auf dem Spiel. Von unseren 13 Zeugen in Albuera ueberlebt nur einer und die anderen sind tot. Das liegt daran, dass sie Zeugen gegen Beschuetzer in Regierungs-Aemtern sind. Doch was geschieht ist, dass sie langsam weggetoetet werden.

Dazu zwei Dinge. Das eine ist, dass das Problem sich nicht auf faule Eier in der PNP beschraenkt, sondern dass eben untere bis mittlere Regierungs-Mitarbeiter involviert sind. Es ist also ein Problem der Gesellschaft, wenn die Polizei nicht funktioniert.

Das andere ist diese unglueckliche Regel, dass in Kriminal-Faellen der Zeuge persoenlich vor Gericht und “face to face” mit dem Angeklagten aussagen und seinen Eid ablegen muss. Doch hier hat das Urteil des SC (Supreme Court) in Sachen Mary Jane Veloso die Richtung gewiesen, als es entschied, dass sie ihre Aussage im Gefaengnis in Indonesien machen darf. Nun ist die Gesetzgebung gefordert, schlicht und einfach zu bestimmen, dass im Falle des “Ablebens eines Zeugen”, dessen beschworenes schriftliches Zeugnis das “face to face” ersetzen kann. Das wuerde die Ermordung von Zeugen drastisch senken, denn dessen Tod waere geradezu das Siegel der Wahrheit unter dem Papier, waehrend man ihn muendlich im Kreuzverhoer vielleicht noch ins Wanken bringen koennte.

 



 

Der Verkehr in Manila… – …ist ein Dauerbrenner wie der Wahlbetrug, ueber den ich gestern geschrieben habe. Seit Duterte im Amt ist, wird fuer ihn Notstands-Vollmacht gefordert, um das Problem zu loesen. Ich frage mich, was die Vollmacht nutzt, wenn es keinen Plan gibt. Schon im August regte sich Marlen Ronquillo in seiner Kolumne in der “Times” auf unter der Ueberschrift: “Wenn verrueckte Ideen (whimsy), und nicht Transport-Wissenschaft die Verkehrs-Politik diktieren.” Er fuehrt aus, dass New York, Barcelona und Singapur alle auf Massen-Verkehrsmittel setzen und den Individual-Verkehr einschraenken, um das Chaos in ihren Staedten zu vermeiden. Nur in Manila denkt man anders herum.

So berichtet das “Bulletin” heute ueber ein Exklusiv-Interview mit Mark Villar, Chef des DPWH (Department of Public Works an Highways), der “45 big-ticket projects” im Rahmen des “Build, Build, Build”-Programmes hat, die Verkehrs-Misere in Manila zu beenden. Ich zaehl die jetzt nicht auf, mir fiel nur auf, dass in dem Artikel ueber Untergrund-Bahnen nicht gesprochen wurde.

Ein Leser schreibt… – …zum gestrigen Thema “Wahl 2016” in den “Philippinen-Nachrichten”, dass er das miterlebt und am TV verfolgt hat, und meint: “Was mir auffiel war, dass der ‘Niedergang’ von Herrn Marcos begann, nachdem Smartmatic ein, wie sie es nannten ‘Softwareupdate’ eingespielt hatte. Fuer mich, der ich einige Jahre beruflich mit IT zu tun hatte, stinkt sowas geradezu zum Himmel.

Ich teile TV-Erlebnis und beruflichen Hintergrund mit dem Leser, und ich habe Programm-Systeme entworfen, mit Kollegen programmiert, eingesetzt und gewartet. In einer laufenden Abwicklung eine “kleine Aenderung, bei der nur ein einfaches ‘n’ durch ein ‘ñ’ mit Tilde ersetzt wurde, weil man sonst zwei Kandidaten nicht auseinanderhalten konnte”, war ein Verstosz gegen vertragliche Vereinbarungen, das nichts mehr geaendert werden durfte, erklaert aber nicht, wie sich das auf die Stimmen fuer den Vize-Posten auswirkt.

Alle Kritik zielt seither auf diesen “Umschwung nach Mitternacht”. Als Aquino & Co merkten, dass sie auf der Verliererstrasze sind, haetten sie “etwas gemacht oder machen lassen”.

Nach Mitternacht war die Wahl abgeschlossen, also sind die VCM (vote counting machine) auszen vor. Es wurden nur Daten an die Zentrale uebermittelt. In diesen Programmen auf Zuruf eines Politikers “mal eben was zu aendern” ist ein alberner Gedanke. Das braucht ein Design, wie “man was dreht”, das muss im laufenden Betrieb implementiert werden – das geht nicht wie ein “n” durch ein “ñ” ersetzen – das geht an die Logik des Programmes. Das kann man vergessen.

Fuer mich gibt es zwei Dinge, die weniger beachtet werden. Eines erwaehnte ich gestern: die Regeln der VCM waren nicht die der manuellen Nachzaehlung. Schon der Grad der Ausfuellung der Kaestchen mit 25 oder 50 Prozent Schwaerzung war strittig – wie beurteilt man das mit bloszem Auge? Kein Wunder, dass bei Nachzaehlung etwas anderes herauskam.

Das andere ist die schlichte Tatsache, dass Marcos in Manila wesentlich mehr Stimmen bekam als im Rest des Landes. Wenn in Manila nun schneller ausgezaehlt und uebermittelt wurde, dann bekam er bei der Addition der einlaufenden Ergebnisse einen Vorsprung. Da aus der Provinz dann aber wenig nachkam, wurde der nach Mitternacht aufgezehrt und uebertroffen.

Man sollte die Sache zu den Akten legen.

 



 

Gemaesz “Manila Bulletin”, “CNNPhil”, “Manila Times”, “Daily Tribune”, “Philippinen-Nachrichten” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.