…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 08. Oktober 2019

(zum Bild: Die Beziehungen zu Rußland sollten den US „ein wenig zu denken“ geben.)

 

SC II – Nun dachte ich gestern, dass ich morgen etwas von Jomar Canlas lesen werde, was sich am SC (Supreme Court) heute tut, doch da habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der gewoehnlich gut informierte Gerichts-Reporter der “Times” weisz schon, wie das heute ausgehen wird: “SC to junk ruling favoring Robredo”.

In der Causa Ferdinand “Bongbong” Marcos vs Vize-Praesidentin Maria Leonor “Leni” Robredo wegen Mauscheleien bei der Wahl 2016 sah der Entwurf von Richter Alfredo Benjamin Caguioa vor, die Klage des Marcos zugunsten der Robredo abzuweisen. Das wird kaum geschehen, denn laut Canlas werden 9 bis 11 Richter dagegen stimmen. Dafuer sind neben Caguioa nur noch die Richter Antonio Carpio  und Mario Victor Leonen. Im Moment hat das SC nur 14 Richter, da Richter Francis Jardeleza letzten Monat pensioniert wurde und ein Nachfolger fuer ihn noch nicht ernannt ist.

Ich kann mir vorstellen, wie frustrierend es fuer Richter Carpio sein muss, in der “Times” zu lesen, dass er schon verloren hat, bevor er heute in die en banc-Sitzung des SC geht. Er hat ja, wie ich gestern schrieb, mit Canlas noch ein Huehnchen zu rupfen, das heute auch auf den Tisch des Hauses kommen soll: Er will Canlas eins reinwuergen, weil der im Maerz 2016 einen Artikel veroeffentlicht hatte, gemaesz dem Richter am SC 50 Mio Peso geboten haetten, Senatorin Grace Poe zu disqualifizieren. Canlas weisz ihm einfach zu viel, was beim SC laeuft, das stinkt ihm – und nun weisz der schon wieder was!

Wir werden sehen, wie gut die Quellen des Herrn Canlas sind.

Frust duerfte sich auch im Lager der Gelben breit machen, die schon seit einem Monat, wenn ich das recht verstanden habe, eine Mahnwache vor dem SC haben, die dort betet, es moege die Klage des Marcos verwerfen und Robredo zur unstrittigen Siegerin der VP-Wahl von 2016 erklaeren.

Pustekuchen – falls Canlas Recht hat, und wie Ninez Cacho-Olivares in ihrer Kolumne im “Tribune” fragt – da ich gestern die “Times” als “Duterte-freundlich” eingestuft habe, muss ich den “Tribune” heute als “anti-Yellow” klassifizieren – “Leni: Yellows’ last hope?” Sie wird den Makel nicht los – aehnlich der Maria Lourdes Sereno, von der man nichts mehr hoert – nicht ganz sauber zu dem Posten gekommen zu sein, den sie grad einnimmt. Und das wird, wenn ich bisherige Wahlklagen als Basis fuer eine Hoch-Rechnung nehme, sich nicht aendern: bisher hat das SC keine Wahlklage entschieden, bevor die naechste Wahl abgehalten war. Sie wurden dann alle als “akademisch” zu den Akten gelegt.

Egal, ob “Inday” Sara oder “Bongbong” Marcos 2022 fuer den Top-Job kandidiert: “Leni” ist nur noch der Staub, der sich ueber ihre Akte legt.

(Ich entschuldige mich fuer diesen kitschigen Satz, den mir kein Deutsch-Lehrer haette durchgehen lassen, aber ich musste ihn einfach loswerden.)

 



 

From Russia with Love – Nein, nicht James Bond, sondern Praesident Rodrigo Roa Duterte ist hier Thema, der nun auch von der westlichen Presse bemerkt wird, ohne dass ihm die Unzahl der Toten seines Drogenkrieges  vorgehalten wird. Wie ich im “Tribune” lese, schreibt der Londoner “Daily Express”, Duterte versuche “…in der Region Fusz zu fassen und gleichzeitig Handelsabkommen zu sichern.” Dutertes Sicht sei, “waere es den USA mit der South China Sea ernst, haetten die deutlich mit militaerischer Kraft reagieren muessen, als China mit dem Bau der kuenstlichen Inseln begann. Da das nicht der Fall war, sieht Duterte eine Beziehung zu China eher zum Vorteil fuer die Philippinen.

Eine andere Sorge sei laut dem amerikanischen Magazin “National Interest”, dass Duterte sich nun in Russland besorgen koennte, was die USA ihm verweigern. Dazu bemerkt es “Im April legten zwei russische Kriegsschiffe in Manila an. Die Hafen-Besichtigung umfasste gemeinsame Uebungen zu Navigation und Kommunikation, wie auch spezielle Schulungen mit den Einsatzkraeften der Philippinen.” Und man fantasiert bereits “russische Bomber, die auf philippinischen Flugplaetzen stationiert sind und sich weit ueber den Pazifik erstrecken, um den USA Albtraeume zu bescheren.

Die Vorstellung halte ich fuer ueberzogen, doch bemerkenswert ist, dass Praesident Duterte in der westlichen Presse nicht nur als notorischer Killer, sondern als ernst zu nehmende Figur im Spiel der Maechte in Suedost-Asien wahrgenommen wird.

Mir stachen zwei andere Dinge bei diesem Russland-Trip ins Auge. Zum einen landete Century Pacific Food Inc. Vertraege, Thunfisch, Sardinen und Kokosmilch-Produkte nach Russland zu exportieren – das sichert auch Arbeits-Plaetze in GenSan, “Tuna-Capital of the Philippines”. Es gab aber auch eine Absichts-Erklaerung, die Moeglichkeit zum Bau von Atom-Kraftwerken in den Philippinen zu erkunden.

Unter Marcos wurde so ein Kraftwerk gebaut, das aber auch wegen Tschernobyl nie in Betrieb ging. Nun ist, auch wenn einige das anders sehen, diese Art der Energie-Erzeugung sauberer als das Verbrennen von Kohle oder Oel. Sogar Greta Thunberg machte sich solche Gedanken, bis sie von wuetenden Protesten ihrer Anhaenger zurueck gepfiffen wurde. Sie meint nun laut einem Artikel in der “Welt” vom 21. Maerz 2019: “Persoenlich bin ich gegen Atomkraft. Aber laut dem IPCC [Intergovernmental Panel on Climate Change] kann sie ein kleiner Teil einer sehr groszen neuen kohlenstoff-freien Energieloesung sein.

Mit dem Satz kann man sie fuer eine gewiefte Politikerin halten, die sich nicht in die Karten schauen laesst. Das Problem ist, dass vermutlich Wind, Wasser und Sonne der “kleine Teil” einer sehr groszen Enegieloesung sein werden, in der die Atom-Kraft den Loewenanteil ausmachen wird.

Wir werden sehen, ob in Folge dieser Absichts-Erklaerung nun auch die Diskussion um Atomkraft in den Philippinen hochkochen wird. Tschernobyl gehoert zur Geschichte menschlicher Dummheit, aber Fukushima hatte mit Erdbeben und Tsunamis zu tun. Darueber koennen die Philippinen nicht einfach hinwegsehen.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Daily Tribune”, “Welt” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.