…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 07. Oktober 2019

(zum Bild: Richter Carpio schießt auf Jomar Canlas)

 

Selektive Pressefreiheit – Bitte, glaubt mir nichts! Als “Vorleser” aus der philippinischen Presse verbreite ich nur, was diese oder jene “Richtung” meint verbreiten zu muessen. Und da ich die “Times” fuer serioes halte, nehme ich ernst, was ich da lese, wo ich bei anderen Blaettern Vorbehalte haette, auch wenn ich die “Times” nicht als “pro Duterte”, sondern als “Duterte-freundlich” einstufe.

Also, Jomar Canlas, der einen sehr guten Draht zum Gericht hat, schreibt heute in der “Times”, dass der Richter am SC (Supreme Court), Antonio Carpio, gegen ihn, Jomar Canlas, ein Verfahren anstrengen will, weil er einen Urteils-Vorschlag in der Causa Ferdinand “Bongbong” Marcos vs Vize-Praesidentin Maria Leonor “Leni” Robredo oeffentlich machte. Der hoechst geheime Entwurf von Richter Alfredo Benjamin Caguioa wollte die Klage des Marcos glatt abweisen, wie ich letzten Dienstag berichtete. Doch wurde die Sache nicht entschieden, sondern auf morgen verschoben.

Richter Carpio hat etwas gegen Canlas, weil der im Maerz 2016 einen Artikel veroeffentlicht hatte, gemaesz dem Richter am SC 50 Mio Peso geboten haetten, Senatorin Grace Poe zu disqualifizieren. Die kandidierte fuer die Praesidentschaft, doch wurde ihre Natonalitaet angezweifelt, da sie ein Findelkind ist. Das SC entschied schlieszlich, sie sei eine “natural born Filipina”, und so ging sie in’s Rennen.

Canlas’ zugehoeriger Artikel wurmt Carpio heute noch, und so bringt er nun einen Urteils-Vorschlag in Umlauf, Canlas wegen des damaligen Artikels zu belangen, und das soll morgen entschieden werden.

Warum grad jetzt? Carpio und sein Kollege am SC, Richter Marvic Leonen, sind sauer, weil die “Times” – sprich Canlas – am 11. September 2019 einen Bericht brachte, dass das SC in der Sache “Bongbong vs Leni” gespalten sei. Ich berichtete darueber gleichen Tags als “Exklusiv macht die ‘Times’ heute auf mit der Schlagzeile ‘Draft ruling vs Marcos poll protest divides SC’.” Und da Carpio am 26. Oktober pensioniert wird, will er Canlas zuvor noch eins eintunken.

Nun ist das alles sehr kleinlich und erhaelt seine Bedeutung fuer mich einzig durch die Frage was waere, wenn Jomar Canlas nicht fuer die “Times”, sondern fuer – sagen wir zum Beispiel mal – den “Rappler” schreiben wuerde? Maria Ressa wuerde “Pressefreiheit” schreien, Senatorin Leila de Lima wuerde aus ihrer Haft in Camp Crame heraus ein wuetendes Pamphlet in den “Inquirer” bringen, und es faenden sich einige US-Senatoren, die Richter Carpio die Einreise in die USA verbieten wuerden.

Gemach, gemach – Richter Carpio muss keine Einschraenkung seiner Reisefreiheit befuerchten, so wie Ex-Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales und Ex-Auszen-Minister Albert del Rosario erfuhren, als sie nach Hong Kong reisten und dort abgewiesen wurden, was sie hoechst erstaunte. Es war doch deren gutes Recht, gegen Xi Jinping eine Klage beim ICC (International Criminal Court) einzureichen. Warum weisen die Chinesen sie dann ab?

Nun ist es aber so, dass Jomar Canlas schon oefter unter Beschuss kam. Im Januar 2018 war er vor einen Ausschuss des Hauses geladen, gegen die damalige Chefin des SC, Maria Lourdes Sereno, auszusagen. Auf seinen Artikel vom 4. Juni 2013 stuetzte sich Anwalt Larry Gadon in seinem Antrag zur Amtsenthebung der Obersten Richterin. Canlas berief sich dort auf sein Recht als Journalist, seine Quellen nicht preiszugeben.

Er wird das auch diesmal nicht tun, und genau deshalb versiegen seine Quellen auch nicht, und wenn noch so geheime Entwuerfe im SC von wem auch immer kursieren, wir koennen sicher sein, dass Canlas darueber in der “Times” schreiben wird. Und was bei dieser kleinlichen Nachtreterei von Richter Carpio herauskommt, werden wir morgen erfahren. Ganz sicher wird Canlas uebermorgen dazu etwas zu schreiben und ich zu lesen haben.

Und wir alle duerfen darueber nachdenken, was mit “Pressefreiheit” eigentlich gemeint ist, wenn das Wort von Maria Ressa oder – sagen wir zum Beispiel mal – Jomar Canlas gebraucht wird.

 



 

 

Gemaesz “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.