…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 04. Oktober 2019

(zum Bild: Für Polizeigeneral Oscar Abayalde wird die Luft dünn)

 

Gestern fragte ich mich… – …warum der Chef PNP (Philippine National Police) Oscar Albayalde zuruecktreten soll. Heute frage ich mich, warum der Kerl noch da ist.

Erstens.

In der gestrigen Anhoerung des Senats widerrief der Chef PDEA (Philippine Drug Enforcement Agency) Aaron Aquino seine Aussage vom Dienstag, dass Albayalde sich nur nach dem Status des Falles der 13 Polizisten in Pampanga erkundigt habe. Zwar habe der ihn wegen des Status angerufen, doch er bat in dem Gespraech auch, die Entscheidung zur Entlassung der 13 Ninja-Cops nicht auszufuehren. Auf seine Frage, warum nicht, habe Albayalde gesagt: “Weil es meine Leute sind.

Aquino habe das am Dienstag nicht gesagt, erlaeuterte er, weil er in Sorge um seine Familie sei. Vor ein paar Tagen habe ein Freund ihn angerufen und gesagt: “Sir, sie planen etwas gegen deine Familie.” Dazu sollte man wissen, dass die PNP den Polizeischutz fuer Aquino kuerzlich abgezogen hat, was das Leben fuer den Chef einer Anti-Drogen-Einheit auch ohne Familie vor unloesbare Probleme stellt: er hat Feinde genug: “Ich kenne den Druck und die Herausforderungen der Position als wichtigster Anti-Drogen-Beamter des Landes. Doch ich zerbrach buchstaeblich in kleine Stuecke, als ich hoerte, dass auch meine Sicherheits-Gruppe zurueckgerufen wurde. Ich fuehle mich so hilflos und besiegt. … Ich habe mich gefragt: Lohnt sich dieser Kampf? Warum soll ich die Sicherheit meiner Familie auf’s Spiel setzen? Ich dachte immer an meine Toechter und meine Soehne, die juengste ist erst 12 Jahre alt. Ist es richtig fuer mich, das auf’s Spiel zu setzen?

Zweitens.

Der Polizei-General im Ruhestand Manuel Gaerlan untersuchte damals die Anti-Drogen-Aktion unter Polizei-Major Rodney Baloyo und stellte fest, dass der Polizei-Bericht ein “cover up” dessen sei, was tatsaechlich gelaufen ist. Die Polizisten haetten ohne Wissen ihres Vorgesetzten gehandelt, ohne einen Durchsuchungs-Befehl und haettten erst spaeter die PDEA informiert, was bei Drogen-Zugriffen vorab zu geschehen hat.

Zu dem Vorgehen bei diesem “Zugriff” meldete sich auch Ex-Chef CIDG (Criminal Investigation and Detection Group), Benjamin Magalong zu Wort und erlaeuterte, wie an einem Drogen-Tatort vorzugehen sei. All dies sei nicht geschehen, und so haette Albayalde, damals Chef der Polizei in Pampanga, selbst gegen seine Leute vorgehen muessen.

An der Stelle meinte Albayalde, seine Leute wieder verteidigen zu muessen, doch damit kam er beim Vorsitzenden Senator Richard Gordon falsch an: “Wenn der Senat beleidigt wird, werden wir wirklich richtig boese. Und das ist keine Drohung. Wir moechten, dass Sie wissen, dass es uns todernst ist. Also nenne ich das Kind beim Namen (I call a spade a spade): Du hast einen richtig dicken Fehler gemacht (you dropped the ball big time).

Als Albayalde darauf antwortete, dass sie das tun werden, wies Gordon ihn zurecht: “Nein, nein, du hast von Anfang an einen Fehler gemacht. … Du hast bis heute deine Hand ueber die Leute gehalten. … Du kannst mit uns keine Spielchen spielen und luegen. Du kannst uns nicht mit schlampiger Arbeit kommen. Um Gottes willen, du bist der Chef PNP! Du solltest deinen Leuten nicht gestatten, uns das anzutun.

Magalong sagte weiter: “Ich beschuldige Albayalde nicht. Warum gab es da keine logische Handlung eines Provinz-Chefs, obwohl es tatsaechlich eine eklatante Verletzung durch die Truppe vor Ort gab? … Sie haetten das Rechte tun sollen oder Sie tun gar nichts. Diese Wahl haben Sie. Warum sind wir hier? Offensichtlich haben Sie Ihre Wahl getroffen. Sie haben eine Wahl getroffen. Deshalb sind wir hier.

Ich weisz nicht, wer die Wahl spaeter ansprach, war es Richard Gordon oder Panfilo Lacson, der dazu in Richtung Albayalde sagte: “Sie hatten die Wahl zwischen Karriere und Charakter.

Und wegen dieser Wahl, die Albayalde gestern auch nicht treffen, sondern sich herauswinden wollte, frage ich mich heute, warum der Kerl noch da ist.

 



 

Die Reaktion… – …in den Blaettern ist heute seltsam gemischt. Waehrend der Aufmacher der “Times” den Streit Albayalde, Magalong und Aquino minutioes schildert, hat der Leitartikel der “Times” davon offenbar nichts mitgekriegt und fragt sich mit dem Kenntnisstand, den ich gestern hatte: “Warum zum Teufel untersucht man Albayalde?” Fuer die Antwort muesste der Leitartikler den Aufmacher des Blattes lesen, fuer das er schreibt.

Angesichts dieses Themas gingen ein paar Punkte unter. So ging es anfangs darum, dass fuer die Ernaehrung von Gefaengnis-Insassen taeglich 60 Peso zur Verfuegung stehen. Das ist nur fuer die Lieferung der Lebensmittel, die Insassen kochen selbst. Angelina Bautista, die eine Catering-Firma betreibt, berichtete, dass sie mit einem 39 Peso-Angebot den Auftrag fuer die Versorgung eines Frauen-Gefaengnisses bekam – wo sind die 21 Peso Differenz geblieben?

So ist es kein Wunder, dass in Bilibid 20 Prozent der 26 Tsd Insassen pro Jahr sterben. Haeufigste Todesursache Tuberkulose, Dehydrierung oder Stichwunden. Senatorin Risa Hontiveros beklagte das karge Essen als Grund fuer Krankheiten, wie auch die Ueberbelegung der Gefaengnisse mit 605 Prozent. So wollen viele in den Krankenbereich oder in ein Hospital verlegt werden, wofuer der Arzt Usicio Cenas sich offenbar bezahlen liesz. Hontiveros beantragte, ihm die Zulassung als Arzt zu entziehen. Sie sagte ferner: “Ein Krankenhaus ist kein Ferienhaus fuer verurteilte Druglords und andere reuelose Kriminelle. Waehrend diese Druglords Verguenstigungen und Vorzugsbehandlungen genieszen, sterben andere Insassen an mangelnder medizinischer Versorgung, die sie sonst haetten erhalten koennen. Anstatt unsere Vollzugs-Anstalten fuer die Reform der Verurteilten zu ruesten, wurde das System auf den Kopf gestellt, um schamlose Gier zu befriedigen.

In der Anhoerung der Ninja-Cops gab sich der Fuehrer des Zugriffteams, Rodney Balayo, weiter verstockt, antwortete ausweichend, log und blieb bei seiner Geschichte, obwohl ihm Meineid mehrfach nachgewiesen und vorgehalten wurde. Senator Gordon nahm ihn schlieszlich in Beugehaft, und um es ihm im Senat nicht allzu “gemuetlich” zu machen, wollte er ihn in Bilibid einweisen lassen.

Saysay sa adlaw – Napriso siya kay nakaluba. 

priso Gefaengnis + na… V/G napriso ins Gefaengnis kommen, siya er, sie, luba erstechen, niederstechen + naka… V/G nakaluba hat erstochen

Satz des Tages – Er wurde eingesperrt, weil er jemanden erstochen hatte.

 



 

Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “PTV”, “Manila Times”, “Daily Tribune”, “PhilStar”, “PNA”, “Rappler”, “ABS-CBN” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.