…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 02. Oktober 2019

(zum Bild: Die Morgen-Daemmerung des Ostens und die Weltordnung.)

 

Erinnerung an die Wirklichkeit – Wir nach dem Weltkrieg im Westen Geborenen nehmen es als gegebene Ordnung hin, dass der Westen – Europa plus USA – die Guten sind, denen der Rest der Welt nacheifert, wenigstens jene, die auch “Gute” sein wollen. Das Gegenbild gab lange Zeit der Osten ab, bis dessen kommunistische Sicht der Welt an der Wirklichkeit scheiterte. Gerade wegen dieses Versagens hielt sich die “siegreiche” Sicht in unseren Koepfen, der Westen sei nun einmal das Vorbild, dem der Rest der Welt nachzueifern haette. Es ist aber wenig ueberraschend, dass die Menschen im Rest der Welt eigene Koepfe haben, und in die will diese Einsicht einfach nicht hinein. Ein solcher Kopf ist Praesident Rodrigo Roa Duterte.

Duterte reiste gestern Nacht nach Moskau, wo er sein “Idol”, den russischen Praesidenten Wladimir Putin treffen wird. Mit ihm wird er auch beim Valdai Discussion Club in Sochi auftreten, und dazu sagte der Praesident vor seiner Abreise: “In Sochi werde ich Praesident Putin treffen, um Bilanz ueber den Stand unserer bilateralen Beziehungen zu ziehen. Wir werden Wege finden, um die Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung weiter zu intensivieren, Terrorismus und gewalttaetigen Extremismus zu bekaempfen und wie wir mit grenzueberschreitenden Verbrechen umgehen. … Natuerlich werde ich die Gelegenheit nutzen, um regionale und globale Entwicklungen zu diskutieren, die sich auf die Philippinen und Russland auswirken, als Schluesselpunkte fuer die Konvergenz nationaler Interessen, bei denen wir zusammenarbeiten koennen. … Von uns allen wird erwartet, dass wir unsere eigene Perspektive zum Thema ‘Die Morgen-Daemmerung des Ostens und die Weltordnung’ einbrigen. Dies ist eine guenstige Gelegenheit, um vor einem wichtigen Publikum unsere unabhaengige philippinische Auszenpolitik zu artikulieren – eine die darauf basiert, die Souveraenitaet zu respektieren und die Nicht-Einmischung, die althergebrachten Grundsaetze des Voelkerrechts. … Anscheinend wurde dieses grundlegendste Prinzip einer Regel, die die Beziehungen zwischen Nationen regelt, von einigen Idioten in einigen Teilen der Welt vergessen.

Zu diesen “Idioten” duerften sich die US-Senatoren Patrick Leahy und Richard Durbin rechnen. In ihre Richtung, die die Freilassung von Senatorin Leila de Lima fordern und ein Einreise-Verbot in die USA fuer jene, die an deren Verhaftung beteiligt sind, gab der Botschafter der Philippinen in den USA, Jose Manuel Romualdez, eine Erklaerung ab und sagte in Anspielung auf die EDSA-Revolution: “Vielleicht war die Vertreibung von Ferdinand Marcos damals gerechtfertigt, aber diesmal nicht. Diese Befuerworter eines Regime-Wechsels auf verfassungswidrige Weise irren zutiefst, weil sich Zeiten und Beziehungen geaendert haben. … Sicherlich wollen wir kein weiteres Venezuela sein, das auslaendische Interventionen sowohl von den USA als auch von Russland in den wirtschaftlichen Ruin getrieben haben. … Die Aeuszerung von Senator Leahy, die USA haetten das Recht, sich wegen der ‘Betraege der Hilfen fuer die Philippinen’ einzumischen, ist schlicht inakzeptabel, was bei vielen Filipinos, auch bei vielen unserer Senatoren, Aerger ausloeste – und das zu Recht.

Es ist das Selbstverstaendnis einer selbsternannten Welt-Polizei, fuer die es von vielen Alliierten immer noch erachtet wird, die das Ende des Kalten Krieges verschlafen oder zumindest missverstanden hat. Der Kommunismus hat abgedankt, ja – es ist aber nicht der Rest der Welt untergegangen. Die Laender mit ihren Menschen sind alle immer noch da, und sie wittern Morgenluft. Da bin ich gespannt auf die morgige Rede von Praesident Duterte im Valdai Discussion Club zu dem Thema “Die Morgen-Daemmerung des Ostens und die Weltordnung”. In Sochi wird er ja Englisch sprechen muessen, und dann habe ich kein Problem, wenn “PCOO” das Transkript ins Netz stellt. Ich freu mich drauf.

 



 

Historisches Treffen – Am Montagabend trafen der Gruender der MNLF (Moro National Liberation Front), Nur Misuari, und der Vorsitzende der MILF (Moro Islamic Liberation Front) und Chief-Minister von Bangsamoro, Murad Ebrahim, auf Einladung des Friedens-Beraters des Praesidenten, Carlito Galvez, bei einer Feier zum Monat des Nationalen Friedens-Bewusstseins im International Convention Center in Pasay City zusammen.

Das ist ein Ereignis. Misuari hatte es, seit sich die MILF von der MNLF abgespalten hat, abgelehnt “sich mit Verraetern an einen Tisch zu setzen”. Mit diesem Hinweis lehnte er auch eine Teilnahme an dem Gespraechen zum BOL (Bangsamoro Organic Law) ab, das zur Gruendung von Bangsamoro fuehrte, welchem er sich hartnaeckig verweigerte.

Diese Haltung scheint aufzuweichen. Er sagte zu MNLF, Regierung und der beratenden Organisation Islamischer Zusammenarbeit: “Wissen Sie, alles was ich kann liegt in den Haenden des Allmaechtigen Gottes. Aber ich freue mich, dass der Praesident ernsthaft versucht unsere drei Parteien dazu zu bewegen, hart zu arbeiten und den Abschluss unserer Gespraeche zu beschleunigen. Je frueher, desto besser, sagt er. … In unseren Bemuehungen haelt sich eine Vorahnung, dass das Land zerfallen koennte, und der einzige Weg ist, dass wir Erfolg haben muessen, um die ganze Nation zusammen zu halten. Versagen wir erst einmal, sagte sogar der Praesident, ich fuerchte das Land wird zerfallen.

Das mag ueberzogen klingen, bedenkt man, dass “Misuaris Reich” eigentlich nur die paar Inselchen des Sulu-Archipels sind. Doch dieser “Hintereingang zu den Philippinen” ist das Einfallstor fuer den Terror des IS (Islamic State), der schon laenger versucht hier Fusz zu fassen. Marawi war da ein deutliches Warn-Signal. Verliert die Regierung ihren Einfluss dort, wird sie den Terror im Sueden des Landes nicht besiegen koennen.

Das Oberste Gericht… – …hat die Entsheidung zum Streit um Wahlbetrug des Ferdinand “Bongbong” Marcos vs Vize-Praesidentin Maria Leonor “Leni” Robredo auf Dienstag, den 8. Oktober vertagt. Richter Alfredo Caguioa kommt mit seiner glatten Niederschlagung der Klage nicht so einfach durch.

 



 

Die Schlagzeilen heute… – ..werden beherrscht von der gestrigen Sitzung des Senats-Ausschusses zum GCTA (Good Conduct Time Allowance) unter Leitung von Senator Richard Gordon. Die Aufregung konzentriert sich auf Polizei-Chef Oscar Albayalde, der 2013 Provincial Director der PNP (Philippine National Police) in Pampanga war, als dort ein Zugriff auf das Haus eines Drug-Lords ausgefuehrt wurde, bei dem es eine Unzahl von Unstimmigkeiten gab. Laut damaligem Chef des CIDG (Criminal Investigation and Detection Group), Benjamin Magalong, ging es dabei um 200 kg Shabu. Laut Polizei-Bericht wurden 38 kg Shabu gefunden. Der Drug-Lord, der das Haus gemietet hatte, war Johnson Lee, doch nicht der wurde verhaftet, sondern man praesentierte einen Ding Winkun. Der Polizei-Chef der Region 3, Paul Petrasanta, ordnete 2014 die Entlassung der 13 betroffenen Polizisten an und entlastete zugleich den Provinz-Chef Albayalde. Doch 2017 ordnete der Chef der Region 3, Amador Corpuz, eine Minderung der Strafe an: die Polizisten wurden nur um einen Dienst-Rang zurueckgestuft.

Gestern waren Albayalde, Magalong, Corpuz und die 13 Polizisten anwesend.

Der Fuehrer des Zugriffteams, Rodney Raymundo Balayo, damals dort Chef der Aufklaerung, brachte Senator Gordon nahezu aus der Fassung, sodass er feststellte – ich hab das nicht woertlich, so kam es bei mir an: “Sie waren Chef der Aufklaerung ‘Intelligence’, entschuldigen Sie, wenn ich das sage, von ‘Intelligence’ kann ich in Ihrem Kopf nicht viel bemerken.

Der Chef Region 3, Amador Corpuz, der die Straf-Minderung angeordnet hatte, ueberliesz die Begruendung seiner Beraterin in Rechtsfragen, die Gordon mit Vorschriften zur Weiszglut trieb – “wie kann man bei ‘grobem Fehlverhalten’ auf eine Strafminderung kommen, wenn Entlassung schon angeordnet war?

Der damalige Chef CIDG, heute Buergermeister von Baguio, Benjamin Magalong, hatte den Namen Albayalde ins Spiel gebracht, weil der sich – seiner Meinung nach – fuer die Polizisten bei Aaron Aquino, damals Chef Region 3, verwendet haette. Aquino bestaetigte einen Anruf Albayaldes Ende 2016, sagte aber, uebereinstimmend mit Albayalde, dass der nur nach dem Status der Angelegenheit gefragt habe.

Polizei-Chef Oscar Albayalde wundert sich vor Journalisten nach der Sitzung, warum Magalong 6 Jahre nach dem Vorfall diese Dinge ausgraebt und die heutige Polizei schlecht macht: “Ich frage mich, warum er uns nach sechs Jahren beschuldigt, als wuerden wir nichts tun, um mit den Halunken in Uniform fertig zu werden. Und ich moechte auch fragen, wann die Ninja-Cops ihre Bluete hatten, als sie [Magalong und andere] noch im Dienst waren? Wann hat sich das Problem mit den Drogen im Land verschlechtert? Auf keinen Fall waherend der Zeit von Praesident Duterte.

Die Sitzung des Senats-Ausschusses wird morgen fortgesetzt. Praesident Duterte kuendigte vor Abflug nach Russland an, dass er Albayaldes Fall von Innen-Minister Eduardo Año untersuchen lassen will: “Wenn es um eine ernsthafte Sache geht, den hoechsten Beamten der PNP aus dem Dienst zu entfernen, muss es einen guten Grund und genuegend Beweise geben. Gefuehle, Aerger und Entttaeusching sollten dabei keine Rolle spielen.

Albayalde wird am 8. November 56 Jahre alt, das Alter, mit dem Polizisten in den Ruhestand gehen. Er sagt dazu: “Es haengt davon ab, was der Praesident sagt. Wenn der Praesident sagt, ich werde in Rente gehen, ist das kein Problem. … Denken Sie daran, ich betrachte mich als entbehrlich. Ich bin ein Angestellter, der Regierung, ein Beamter. Ich denke, wir alle sind entbehrlich.

Kein Visayan heute… – …bin spaet dran.

 



 

Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “Manila Times”, “PNA”, “Manila Standard”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.