…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 29. September 2019

(zum Bild: Mit Vertigo geht es rund.)

 

Alles Schwindel – Da in den Blaettern heute nichts zu finden ist, was nicht gestern schon breitgetreten wurde, bleibt auch mir Zeit einen Gedanken weiter zu vertiefen, den ich gestern bereits angefasst hatte.

Ab und an macht mir Vertigo zu schaffen, meist beim Hinlegen oder beim Umdrehen im Bett. Es ist dann so, dass das Gehirn dem Auge wiederholt die Bildfolge uebermittelt, die es bei der drehenden Bewegung wahrgenommen hat, wie eine Schallplatte mit einer kaputten Rille, und die man dann wieder … und die man dann wieder … und die man dann wieder … und die man dann wieder ….

Das Bloede ist, dass man sich ja gar nicht bewegt, sondern ruhig im Bett liegt, sich an die Matratze klammert und wartet, dass der Scheisz aufhoert. Die bewegte Wahrnehmung passt nicht zur ruhenden Wirklichkeit, und haelt das an, wird einem uebel und man uebergibt sich. Als ich das erste Mal Vertigo hatte, dachte ich, die Welt geht unter und hab mich ins Krankenhaus bringen lassen. Nachdem ich dort gelernt hatte, dass es sich um eine Stoerung des Gleichgewicht-Organs im Innenohr handelt, die mit Betahistine behandelt wird, das im Handel frei erhaeltlich ist, behandle ich mich nun selbst, wenn es mich wieder erwischt, und nach ein, zwei Wochen ist der Schwindel vorbei.

Ich erwaehne das in Fortsetzung der Gedanken, dass das Hirn mit Geschichten arbeitet und sie als Geschichten ablegt. Es sind keine Einzelbilder, sondern Sequenzen wie GIFs (Graphics Interchange Format), die man wirklich sieht, und was sind das anderes als Geschichten? Auch die Tatsache, dass Begriffe wie “Gehen” im Hirn dort lokalisiert sind, wo auch die Beine gesteuert werden, legt nahe, dass es Zusammenhaenge von Sinnes-Wahrnehmungen sind, die wir uns merken – keine Bildpunkte, oder Worte oder – Fakten.

Von daher ist die moderne Wut des “fact-checking” eine Schein-Beschaeftigung, ganz so wie Vertigo eine Schein-Bewegung ist. Besonders reiten Journalisten gern darauf herum, die es selbst mit Fakten nicht so genau nehmen. Es geht stets um Zusammenhaenge, die einzelne Nachricht ist nichts, wie es auch den “nackten Fakt” nicht gibt.

Dies ging mir durch den Kopf, als ich im Fernsehen Nachrichten von “BBC” sah, die ueber den hiesigen Verleumdungs-Prozess gegen Maria Ressa und andere “Rappler”-Mitarbeiter berichteten. Im Studio in London sasz Stephen Sackur und fragte den Reporter in Manila, ob nun Praesident Duterte damit etwas zu tun haette. Der Reporter erzaehlte von den vielen Anklagen, die nach und nach gegen Ressa und “Rappler” vorgebracht wurden, und derer sie sich erwehren muss, und er redete und redete, wie sie sich und das kostbare Gut der Pressefreiheit verteidigt, dass Amal Clooney zu ihren Anwaelten gehoert, und er redete und redete, bis ihm nichts mehr einfiel. Als man in’s Studio zurueckblendete, hatte auch Stephen Sackur seine Frage vergessen und machte mit der naechsten Meldung weiter.

Es ist wie mit der kaputten Schallplatte. Man muss dem Plattenspieler einen Tritt geben, dass er eine Rille weiterhuepft, und dann faellt einem auf, dass der Reporter vor Ort Sackurs Frage nach Dutertes Hand in der Sache nicht nur nicht beantwortet hatte, sondern dass in der ganzen Rederei ich den Namen Duterte nicht einmal gehoert hatte, obwohl doch gerade nach dem gefragt wurde. Eine Sache wird so lange wiederholt, bis einem schwindelig wird und man nur noch kotzen kann – so arbeitet der Westen.

Doch abgesehen von moralischen Standards, an die sich der Westen selbst nicht haelt, die aber geeignet sind, sie dem Osten reinzureiben – so fragt Senator Richard Gordon, wann die USA Guantanamo aufloesen, wenn sie schon um die Senatorin Leila de Lima bei uns besorgt sind – so geht es dabei um eine Haltung der Wissenschaft. Mein Philosophie-Lehrer Hans Blumenberg fasste die Erkenntnis-Theorie des Aristoteles einmal so zusammen: “Es gibt zwei Wege der Erkenntnis: schau naeher hin – Analyse, oder schau ganz woanders hin – Synthese.” Die Wissenschaft hat sich angewoehnt analytisch zu arbeiten, und sie ist geradezu verliebt in Details. Die Hirnschnippler haben ganze Landkarten des Hirns gezeichnet, welche Begriffe wo abgelegt sind, und sie verstehen das Hirn ganz so wie den Speicher eines Computers, wo die Welt in Bildern und Begriffen als Bits und Bytes gespeichert ist. Um das verifizieren, fragen sie dann auch nach einzelnen Bildern und Begriffen. Man findet aber nur, wonach man fragt, und die Meinung, das sei nun auch alles, wonach man fragen kann, ist ein verbreiteter Aberglaube.

Wir nehmen die Welt nicht nach Sinnen getrennt wahr, sondern stets als Gemisch von Sehen, Hoeren, Riechen, Schmecken, Fuehlen und unserer Raum-Orientierung, die von diesem Organ im inneren Ohr herruehrt, und das seinerseits auf alle anderen Sinne zurueckschlaegt, wenn es gestoert ist. Wenn es also gar nicht vereinzelte Bilder und Begriffe, Gerueche und Gefuehle sind, sondern stets eine ganze Geschichte, ein komplettes Sinnesbuendel ist, das abgelegt und wieder angeregt wird, nach dem man nur nie gefragt hat, weil das ja nicht analytisch waere – was dann?

Mir fehlt die Synthese, die Zusammenschau der Nachrichten, der angeblich elementaren “Fakten”, an die jeder glaubt sich halten zu koennen, sowohl in den Wissenschaften als auch in der Presse. Man verbreitet “Wahrheiten”, indem man haarscharf an allem vorbeiredet, was die in Frage stellen koennte. Die Welt ist aber mehr als alles, was wahr oder falsch ist; die Welt ist, was zusammenpasst. Sind es also nur Halb-Hirne, die sich damit befassen, oder braucht es ganze Menschen, die Geschichten sehen, die zuhoeren koennen, wenn das Hirn so vor sich hin sabbelt, die dann aber prompt von Halb-Hirnen als wunderlich oder wahnsinnig abgetan werden?

Naeher hinschauen” kann jeder, aber wer “ganz woanders hinschaut” muss anschlieszend Eins und Eins zusammenzaehlen, sonst kann ihm vom vielen Hin- und Herschauen noch schwindelig werden.

Saysay sa adlaw – “Nganong naadmit ka sa ospital?” “Tungod kay nanglipong-lipong ko.” 

nganomg ~ ngano nga warum + Verbinder, admit einweisen + na… V/G naadmit wurde eingewiesen, ka ~ ikaw du, sa in, ospital Krankenhaus

tungod weil, kay wegen, lipong schwindelig Verdoppelung verstaerkt lipong-lipong + nang… V/G nanglipong-lipong fuehlt sich schwindelig, ko ~ ako ich

Satz des Tages – “Warum warst du im Krankenhaus?” “Ich fuehlte mich schwindelig.”

 



 

Gemaesz “BBC”, “Wikipedia” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.