…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 13. September 2019

(zum Bild: Die Korruption im Strafvollzug in Bilibid soll sich bis in die Zeit von Senatorin Leila de Lima zurückreichen.)

 

Tilapia – Im Februar 2017 fiel mir eine Meldung auf, dass weit ueber 1 Tsd Tonnen Tilapia in Lake Sebu getoetet wurden, weil kalter Regen im warmen Wasser des Bergsees auf den Grund sinkt, den Kot der Fische aufwirbelt, die in viel zu vielen Netz-Anlagen dort gezuechtet werden, und das Wasser so nicht mehr genug Sauerstoff hat, den die Fische nun mal zum Leben brauchen. Das fiel mir auf, weil Lake Sebu im Gebiet der T’boli ein Ausflugs-Ziel hier bei GenSan um die Ecke ist. Die Seven Falls dort ziehen Touristen an, und dazu gehoert die Tour im Floating Restaurant auf dem See mit jeder Menge Tilapia auf dem Teller.

Tilapia”… – …ist in Gefaengnissen das Code-Wort fuer Prostituierte, die ein betuchter Haeftling in Bilibid fuer 30 Tsd Peso bei den Waertern ordern konnte, wie ich gestern bei der Live-Uebertragung des Senats-Anhoerung lernte. Die blieben ueber Nacht, oft Freundinnen einsitzender Chinesen, fuer die das Vergnuegen teurer kommen kann, denn wenn die Damen Bilibid verlieszen, werden sie gern von Polizisten entfuehrt, die sie fuer 200 Tsd Peso oder mehr Loesegeld freilassen, je nach den finanziellen Verhaeltnissen des “boyfriend” oder “husband” da drinnen.

Dies wusste der ehemalige Chef von BuCor (Bureau of Corrections), Rafael Ragos, bei der Anhoerung zum GCTA (Good Conduct Time Allowance) zu berichten. Er war gestern als Zeuge mit Jovencio Ablen vom NBI (National Bureau of Investigation) als Zeuge geladen. Gegen Ragos war im Februar 2017 zusammen mit Leila de Lima und Ronnie Dayan, Ex-Liebhaber der de Lima, ein Haftbefehl von Richterin Juanita Guerrero vom Distrikts-Gericht Muntinlupa ausgestellt worden. Inzwischen ist er Kronzeuge im Prozess gegen de Lima und Dayan wegen Drogen-Handels in Bilibid.

In Bilibid kann man alles kaufen: Drogen, Alkohol, Unterhaltung – mal wurden die Mocha-Girls fuer einen Auftritt geordert – Cellphones, eine Verlegung in den Krankenbereich, man konnte Essen per Catering bestellen, es gab eine Art Spiel-Casino, das BuCor-Chefs fuer bis zu 800 Tsd Peso monatlich tolerierten, und unter der Aegide von Ex-Justiz-Ministerin Leila de Lima war dann ab 2013 herum wohl auch die Freiheit via GCTA im Angebot, weil die ihre Zukunft mit einer Wahl-Kampgane fuer einen Sitz im Senat absichern wollte. Ragos und Ablan wiederholten ihre Aussagen, dass sie de Lima Gelder der Insassen uebergeben haetten. Auf diesen Punkt hin arbeitete der vorsitzende Senator Richard Gordon eine “timeline” aus, auch wenn er dazu keine Beweise vorlegen konnte. Er hat den Verdacht, dass die “groszzuegige Interpretation” des GCTA-Gesetzes eine Geld-Quelle fuer de Limas Wahlkampf war.

Dagegen verwahrt sich de Lima: “Ich bestreite und bedaure entschieden die Anschuldigungen einiger Senats-Kollegen wie Senatoren Gordon und Tolentino und sogar Senator Lacson. … Ich sage, sie sind die, die mich beschuldigen, weil mir berichtet wurde, dass sie diejenigen waren, die praktisch gegen mich bezeugten oder wenigstens die Zeugenaussagen von Ragos und Ablen so fuehrten, wie sie von Senator Lacson vorgetragen wurden, der, wie mir gesagt wurde, zuvor hinfuehrende Fragen stellte. … Diese beiden NBI-Beamten haben zuvor 2016 waehrend der Anhoerungen des Rechts-Ausschusses des Hauses und auch im laufenden Prozess in den gegen mich beim Distrikts-Gericht Muntinlupa anhaengigen Drogen-Faellen meineidlich falsches Zeugnis abgelegt. Sie haben damals gelogen. Sie machen das weiter so. .. Anstatt Ragos und Ablen zu befragen und sie aussagen zu lassen, war es Senator Gordon selbst, der falsche und boeswillige Anschuldigungen gegen mich laut vorlas. … Ich vermute, die parlamentarische Hoeflichkeit, das Taktgefuehl, der grundlegendste menschliche Anstand ist in den Hallen des Senats zum Fenster hinaus.

In der Sache meldet sich nun auch Praesident Rodrigo Roa Duterte und sagt zu BuCor: “Abgesehen von all den rechtlichen Maengeln, gab es dort auch Korruption. Das will ich euch sagen. Und jeder wird gehen, muss gehen. … Nicht weil sie eine fragwuerdige Rechts-Vorschrift ausuebten oder sich anmaszten oder sich ermaechtigten. Das ficht mich nicht an. Wenn es im guten Glauben geschah, tue ich dir nichts. … Doch wenn sie in Korruption verwickelt sind und bezahlt wurden, das ist eine andere Geschichte. Ich schlag dich nicht, weil das Gesetz krumm war, sondern wegen Korruption. Damit musst du rechnen.

Hierzu passt eine Kolumne von Ma. Isabel Ongpin heute in der “Times”, die fragt, wofuer ein Job in der Regierung gut ist, und sie stellt fest: “Es scheint, wie untergeordnet die Position eines Regierungs-Beamten auch sein mag, da ist eine Moeglichkeit, Leistungen fuer sich selbst zu ergattern, sei das nun in Form von Geld oder von Gefaelligkeiten aufgrund des Amtes.

Das erinnert mich wieder an ein Posting, auf das ich aufmerksam gemacht wurde. Der Journalist Tito Hermoso kommentierte dort die gewachsene Kultur des landesueblichen Filipino, der ungern gesetzten Regeln folgt, weil der Alltag eh geregelt ist, und der Geld als zusaetzliche “Belohnung behandelt”. Wichtig ist, dass das Geld zusaetzlich ist, denn der Alltag laeuft ja eh, und Geld ist dazu da “einen drauf zu machen”. Dieses “kulturelle Erbe” bricht auch in einem Regierungs-Amt durch und holt sich seine “zusaetzliche Belohnung” durch Korruption.

Fuehrend darin, weisz “Volkes Stimme”, ist der Zoll. Meine Frau zitiert oefter den Wahlspruch: “Willst du reich werden, geh zum Zoll!” Und so hat Duterte nun eine Liste von 164 Koepfen, die dort rollen koennten. Er sagt dazu: “Laut einem ehemaligen Zoll-Beamten, der vermutlich selbst dazu gehoerte, wird auch die Korruption in der Regierung verschwunden sein, wenn ich diese Leute loswerden kann.

Das glaub ich nicht. Es gibt noch andere Behoerden, in denen der “landesuebliche Filipino” fuer seine “zusaetzliche Belohnung” sorgt.

Mein Blog… – …hat nun 32 eingetragene Leser.

Saysay sa adlaw – Usa ra ka butang ang kulang: kuwarta. 

usa eins, ra nur, ka ordnet eine Zahl zu, butang Ding, Sache, ang best. Art., kulang fehlen, zu wenig kuwarta Geld

Satz des Tages – Nur eine Sache fehlt: Geld.

 



 

Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • September 13, 2019 um 20:33
    Permalink

    Ich verfolge diese Nachrichten seit langer Zeit und bin taeglich eifriger Leser. Diese Nachrichten haben mir sehr geholfen, das Geschehen auf den Philippinen etwas besser zu verstehen.
    Danke, Heiko Eckard. Meine Hochachtung fuer diese Arbeit und ein bisschen amuesiert bin ich ueber die “ Sprechweise „, welche mir aber sehr gelaeufig ist.

    Danke und Gruesse aus AGOO, Fritz

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