…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 08. September 2019

(zum Bild: Faeldon der Maulwurf?)

 

Dienstschluss – Wenn jemand eine gute, alternative Uebersetzung fuer “decommissioning” hat, mag er die gern als Kommentar anfuegen. Ich nehm mal “Dienstschluss” fuer die Zeremonie, bei der ein Teil der MILF (Moro Islamic Liberation Front) gestern in Camp Darapanan, Sultan Kudarat, 940 Gewehre ablieferten. Dies war der zweite Schritt im Rahmen der Entwaffnung der 40 Tsd Kaempfer, die mit dem BOL (Bangsamoro Organiz Law) ihren Frieden mit dem Staat gemacht haben, und die nun das zivile Bangsamoro aufbauen.

Praesident Rodrigo Roa Duterte war Augenzeuge und hielt eine kurze Rede, in der er sagte: “Seit nicht  niedergeschlagen, dass ihr eure Waffen abgegeben habt. Dies ist eure Regierung. Wir haben sie euch gegeben. Wie wir mit der Auszer-Dienstnahme fortfahren lassen Sie mich unseren MILF-Kaempfern versichern, dass die Regierung Sie bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft unterstuetzen wird, dass Sie ein fruchtbares und produktives Zivilleben genieszen koennen.

Bangsamoros Chef-Minister Ahod “Al Haj Murad” Ebrahim: “Ich moechte betonen, dass die Stillegung nicht bedeutet, dass wir aufgegeben haben, wofuer wir gekaempft haben. Es zeigt einfach unsere gewisse und volle Absicht unsere Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten aus dem Friedens-Abkommen zu erfuellen, und wir arbeiten jetzt mit der Regierung, um unser Ziel von Frieden und Entwicklung fuer Bangsamoro zu erreichen.

Die naechste Phase des Uebergangs zum Zivilleben, bei dem jeder Kaempfer, der seine Waffen niederlegt, 1 Mio Peso, Umschulungen und eine Kranken-Versicherung erhaelt, findet naechstes Jahr statt und soll bis 2022 abgeschlossen sein. Das klingt nach viel Geld, aber es ist “billiger” als Krieg, wie man an Marawi sieht, wo die Buerger ungeduldig werden, weil es viel laenger dauert, etwas wieder aufzubauen, was so schnell kaputt ging.

Passend unpassend detonierte am Palengke von Isulan nahebei eine in einem geparkten Motorrad verborgene Bombe, wenige Stunden vor Dutertes Eintreffen. Es gab 7 Verletzte, und man sieht: der Frieden in Mindanao ist noch nicht erreicht, man ist erst unterwegs dahin.

Und bevor Scheiszhaus-Parolen nun die Runde im Netz machen, sei betont, dass das BOL die Sharia in Bangsamoro vorsieht, aber mit Einschraenkungen. Zum einen gilt sie dort nur fuer Muslime, nicht fuer Christen, und zum anderen gilt sie nur fuer Taten, die mit maximal 30 Tagen Haft bestraft werden. Alles andere geht an die ordentliche Gerichtsbarkeit. Die Scharia regelt hauptsaechlich Familien- und Zivil-Angelegenheiten nach “ueberkommenem Recht”.

 



 

Volkes Stimme – Selbst wenn ein Blog sich als Presseschau gibt, erwartet man, dass von der Person des Bloggers etwas rueberkommt. Ich halte mich da nicht zurueck und beziehe auch meine Frau mit ein. Sie ist “taga-GenSan”, hier aufgewachsen, kennt die Leute, fuer mich ist sie “Volkes Stimme”.

Ich hoerte ihr gestern zu, da wir in Koboy’s Grill aszen und im TV dort Nachrichten bei “GMANews” liefen, als sie ueber Nicanor Faeldon philosophierte, und warum Praesident Duterte so zu ihm haelt. In einer Rede in Naga City, Cebu, hatte Duterte das am Freitag nochmal betont: “Er ist ein aufrechter Mann. Ich glaube immer noch an ihn. Es gab einen Tag, als ein Geschaeftsmann zwei Lager mit Zigaretten mit gefaelschten Steuermarken hatte. Es war Faeldon, der mich darauf ausmerksam machte: ‘Sir, wir haben zwei Lagerhaeuser entdeckt.’ Haette er heimlich mit dem Besitzer gesprochen und fuer sich selbst gefragt, haette er Millionen kriegen koennen.

Meine Frau findet nun, Faeldon sei so etwas wie “Duterte’s spy”. Immer, wenn er den irgendwo einsetzt, beim Zoll zum Beispiel, fliegt der Laden auf. Als Faeldon Chef von BOC (Bureau of Customs) war, ging ihm zwar ein Schmuggel von Shabu im Wert von 6,4 Mrd Peso durch die Lappen, es wurde aber die gleiche Menge Shabu in einer anderen Lieferung gefunden. Die Beteiligten verantworten sich derzeit vor Gericht. Die Senatoren Richard Gordon und Panfilo Lacson zeigten auf Faeldon, der eine Ladung Shabu nicht bemerkt hat, schon – aber der ganze Laden ist dabei aufgeflogen und wird nun neu organisiert.

Mit Faeldon als Chef von BuCor (Bureau of Corrections) kam heraus, dass GCTA (Good Conduct Time Allowance) kaeuflich war – “GCTA for sale” titelten die Blaetter. In der Anhoerung sagte der Justiz-Minister Menardo Guevarra aber auch “…wir danken, dass sich dieser Vorfall ereignet hat, der sich als ein Segen im Unglueck (blessing in disguise) erweist.” Er meinte damit, dass man die Gesetze unmissverstaendlich interpretieren muss. Man kann es aber auch so sehen, dass Faeldon dieses “blessing in disguise” war. Vor ihm kam kein einziger BuCor-Chef auf die Idee, er folge einer gesetzes-widrigen Praxis und “GCTA for sale” war ein Riesengeschaeft in Bilibid. Kaum taucht Faeldon auf und macht nichts anderes, als was alle vor ihm getan haben, fliegt die Chose auf, und nun zeigen sie alle mit dem Finger auf ihn, weil er fuer den boesen Antonio Sanchez unterschrieben hat. Wieder zeigen die Senatoren Richard Gordon, Franklin Drilon und Panfilo Lacson auf Faeldon (und meinen Duterte). Senatorin Risa Hontiveros schlaegt Praesident Duterte vor, in einem Woeterbuch nachzuschauen was “upright ~ aufrecht” bedeutet, wenn er Faeldon dafuer haelt.

Sie alle muessten Duterte dankbar sein, der diesen Mann eingesetzt hat. Was naemlich, wenn es gar kein Fehler war? Faeldon – spinnt meine Frau den Faden weiter – von Duterte heimlich eingesetzt, laesst jeden korrupten Laden auffliegen. Er selbst sagte in der Senats-Anhoerung, dass er “gute Arbeit” leiste. Vielleicht zittern einige schon woanders: hoffentlich schickt Duterte den nicht auch zu uns!

Die Wirklichkeit hat viele Seiten, von denen her man sie sehen kann, und “Volkes Stimme” sieht sie so.

Saysay sa adlaw – Og masad-an ka, ipapriso ka. 

og wenn, sala Suende, Schuld + ma…an Z/M passiv verschliffen zu masad-an wird schuldig sein, ka ~ ikaw du, priso Gefaengnis, einsperren + ipa… Z/M passiv ipapriso wird eingesperrt

Satz des Tages – Wenn du schuldig gesprochen wirst, gehst du ins Gefaengnis.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “PNA” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.