…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 06. September 2019

(zum Bild: Verkehrschaos in Metro Manila)

 

Ja wo laufen sie denn?”… – …ist ein Zitat aus einem Sketch von Wilhelm Bendow, der von Loriot 1972 fuer den Zeichentrickfilm “Auf der Rennbahn” verwendet und im Fernsehen gezeigt wurde. Seither hat der Satz seinen festen Platz im Schatzkaestlein Deutschen Sprachgutes – wer’s nicht glaubt: gibt’s auch bei YouTube.

Mir fiel diese Frage ein, als ich gestern Morgen beim Zappen durch die Nachrichten sah, dass die “Senats-Anhoerung III” zum GCTA (Good Conduct Time Allowance) des Republic Act 10592 uebertragen wurde und der vorsitzende Senator Richard Gordon erlaeuterte, dass der gechasste BuCor-Chef Nicanor Faeldon von seinem Anwalt entschuldigt war, was Gordon groszzuegig akzeptierte. Ich wunderte mich, da die Anhoerung meines Wissens fuer 3:00 p.m. angesetzt war.

Um 3:00 p.m. schaltete ich ein, um zu sehen, ob die mittags vertagte Anhoerung fortgesetzt wurde, und sah einen einsamen Nicanor Faeldon dort im Saal. Offenbar war ich nicht der Einzige, der sich “3:00 p.m.” als Termin gemerkt hatte. Senator Gordon tauchte dann auf und erlaeuterte, dass es spaeter weitergeht, weil jetzt eine Anhoerung wegen des Skandals von DOH (Department of Health) und PhilHealth sei. Die begann ca. 4:30 p.m., und wieder mal gab Senator Panfilo Lacson den scharfen Anklaeger, was sich dann in wechselseitiges Finger-Zeigen aufloeste.

Um 9:00 p.m. sah ich mit meiner Frau traditionell Jessica Sohos “State of the Nation” bei “GMANews”. Den Tag ueber war sie beschaeftigt, jede Menge Kalamansi-Saft zuzubereiten, weil hier wegen des laufenden Tuna-Festivals – gestern war Feiertag in GenSan – ihre GKK “Gamay Kristyanon Katilingban ~ Kleine christliche Gemeinschaft” eine Unterhaltung fuer die Kinder im Viertel organisiert hatte.

Bei Jessica Soho hoerten wir – die Sprecher waren unkenntlich ueberblendet – wie jemand ueber “GCTA for sale” sprach. Um 9:30 p.m. schlief ich vor dem Fernseher ein und meine Frau schickte mich in’s Bett. Ich hatte nicht den Nerv noch zu schauen, ob “Senats-Anhoerung III” fortgesetzt wurde, was Senator Gordon angedroht hatte.

Dazu las ich heute frueh in den Blaettern, dass in der Anhoerung eine Yolanda Camelon aussagte, sie habe 50 Tsd Peso an den BuCor Documentation Chief Ramoncito Roque gegeben zur beschleunigten Entlassung ihres einsitzenden Lebensgefaehrten via GCTA. Roque gab zu, dass er das Geld erhalten haette, doch habe er es zurueckgegeben, was Camelon bestritt, und der Haeftling kam nicht frei.

Das reichte mir dann.

Das Buero des Ombudsmannes hat die Causa “GCTA for sale” uebernommen, und das hat Vorrang vor anderen Investigationen. Untersucht werden alle BuCor-Chefs und -Beamten, die mit GCTA betraut waren, also auch Faeldons Vorgaenger, der jetzige Senator Ronald dela Rosa. Auf die Forderung von Praesident Rodrigo Roa Duterte an die 1.914 unberechtigt Entlassenen sich selbst zu stellen, haben bisher knapp 10 reagiert.

Aus “GCTA for sale” ist die Luft raus, und mich interessiert ein anderes Thema.

 



 

The failing fight against corruption”… – …ist die Ueberschrift der Kolumne von Ma. Isabel Ongpin heute in der “Times”. Sie beklagt darin, dass immer ein groszes Geschrei um einen Fall gemacht wird, aber nur in seltenen Faellen geht das dann auch vor Gericht. Oefter verschwindet die Person nur von dem gebeutelten Posten und taucht an anderer Stelle wieder auf, um dort seine Inkompetenz zu beweisen. Und Ongpin findet: “Mueszige Drohungen, egal wie leidenschaftlich sie sind, werden zu duennen Toenen, wenn sie nicht schluessig, fair und konsequent weiter verfolgt werden. Schlimmer noch, das Recycling von Verdaechtigen ist das Werbegeschenk, dass dies kein ernsthafter Kampf gegen Korruption ist.

Ich frage mich, wie man einen gelernten Soldaten – Faeldon war Captain bei den Marines – in eine Fuehrungs-Position einer Unter-Abteilung des Justiz-Ministeriums setzen kann. Die Gefaengnis-Verwaltung haengt unter dem Justiz-Minister, und – hat man dafuer keinen Anwalt gefunden, der einen Gesetzes-Text auch versteht und nicht blind wie ein Marine dem Manual einer fehlerhaften Praxis folgt?

Praesident Duterte nimmt gern ausgediente Militaers und setzt sie in zivile Fuehrungs-Positionen, weil die Befehlen folgen. Das qualifiziert nicht fuer alles.

Bei der Diskussion der katastrophalen Verkehrs-Situation in Manila mit Abgeordneten sagte Transport-Minister Arthur Tugade gestern zu einem “Korb von Loesungen”: “Ohne jegliche Bewilligung kann es implementiert werden. Die Implementierung wird jedoch langsam sein, moeglicherweise wird sie bis zum Ende der Amtszeit dieser Regierung nicht einmal implementiert, da einige Richtlinien moeglicherweise anderen Gesetzen zuwiderlaufen. Wenn es keine Notstands-Vollmacht gibt, wenn wir den Beschaffungs- und Ausschreibungs-Prozess verfolgen, wird es lange dauern.

Weil ich mal Programm-Konzepte zur Abwicklung von Druck und Versand groeszerer Papier-Mengen entworfen habe, wird mir uebel, wenn von einem “Korb von Loesungen (basket of solutions)” statt von einem “Konzept” die Rede ist. Ein “Korb” ist eine zusammenhangslose Ansammlung von Objekten, von denen kein Mensch weisz, ob man daraus etwas Brauchbares herstellen kann. Dennoch will man Praesident Duterte zur Produktion dieses Was-auch-immer Notstands-Vollmacht geben.

Wie waere es zuerst mit der Vorstellung eines Konzeptes? Mir gefaellt das Projekt des Bulacan Airport. Da hat ein privater Unternehmer – San Miguel – ein Konzept hingestellt, dem Duterte auch zustimmte. Dass sich das verzoegert, mag daran liegen, dass der DOTr-Chef Arthur Tugade von der San Beda Law School ist, Klassenkamerad von Duterte, 1971 mit “magna cum laude” graduiert, also einer von denen, die Duterte in seinen Reden gern als einen von den “Valedictorians” vorstellt, die nun fuer ihn, den mittelmaeszigen Juristen, arbeiten.

Vielleicht waere er gut als BuCor-Chef gewesen, was weisz ich, aber hat er ein Konzept, wie man einen Verkehrs-Moloch zaehmt? Reicht es nur fuer einen Korb à la Leipziger Allerlei?

Fuer Manila braucht es den groszen Wurf – und anschlieszend eine Vollmacht, nicht vorher, und dann kann man die Marines holen, das gefaelligst zu tun. Hier laeuft es in der verkehrten Reihenfolge, nicht nur in Manila. Und dann steht man da mit dem bewiligten Geld und ohne Konzept, wohin damit? Naja, da bleibt immer noch die eigene Tasche.

Saysay sa adlaw – Dili ko mouyon sa inyong plano. 

dili nein, nicht, ko ~ ako ich, uyon zustimmen + mo… Z/M mouyon wird, kann zustimmen, sa zu, inyong ~ inyo nga Genitiv von kamo ihr + Verbinder, plano Plan

Satz des Tages – Ich werde eurem Plan nicht zustimmen.

(Das Beispiel hatte ich schon mal, passt aber heute gut als Wiederholung in den Zusammenhang.)

 



 

Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “Manila Bulletin”, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.