…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 22. August 2019

(zum Bild:  THE ORDER OF THE KNIGHTS OF RIZAL – Der Ritterorden von Rizal ist der einzige Ritterorden auf den Philippinen. Der Orden wurde geschaffen, um die Ideale des philippinischen Nationalhelden José Rizal zu ehren und aufrechtzuerhalten.)

 

Praesident Rodrigo Roa Duterte… – …ist wieder am Ball, und eine seiner kleineren Uebungen war die Entgegennahme der Beglaubigungs-Schreiben neu akkreditierter Botschafter. Duterte begrueszte unter anderen Seine Exzellenz Alain Gaschen aus der Schweiz und Ihre Exzellenz Anke Reiffenstuel aus Deutschland.

Duterte war dann in Odiongan auf Tablas Island, Romblon, zur Einweihung des Tumingad Solar Power Project und hielt die uebliche Rede, bei der viel gelacht wurde, wenn ich das Wortprotokoll bei “PCOO” sehe, aber leider alles in Tagalog. So muss ich mich an das halten, was das “Bulletin” davon in Englisch berichtet. Er ging schon mal als Trocken-Uebung durch, wie er den Haager Schiedsspruch beim Besuch vom 28. August bis zum 2. September in China mit Praesident Xi Jinping zur Sprache bringen koennte: “Ich werde sie fragen: ‘Wie Sie gesagt haben, und worueber wir einig waren, werden wir dieses Problem friedlich loesen. Jetzt sagt mir mal, wie fangen wir die friedliche Loesung dieses Problems an? Irgendwas muss ja nun sein.’ … Sie werden sagen, darueber sprechen wir nicht. Dann sag ich: nein. … Wenn mir als Praesident eines souveraenen Landes nicht gestattet wird zu sprechen worueber ich will, dann lass uns gar nicht erst miteinander reden. Lieber nicht. Verbietet mir nicht den Mund, denn das ist eine Gabe Gottes. … Also, ob es euch nun gefaellt oder nicht, oder aergert oder was auch immer, tut mir Leid. Aber wir muessen ueber den Schiedsspruch reden. … Dann waere der Vorschlag 60:40 zu unseren Gunsten ein guter Anfang, wenn wir mit der Erforschung und Foerderung dessen beginnen, was sich in den Eingeweiden der Erde befindet…

In welchem Ton das Gespraech in China wirklich laufen wird, wuerde ich gerne im Wort-Protokoll lesen, doch das werden wir nicht bekommen. Solche Gespraeche laufen hinter veschlossenen Tueren, wenn die Reporter drauszen sind. Wir werden uns an das halten muessen, was hinterher im Presse-Briefing verlautbart wird, und das ist immer sehr hoeflich, weil der andere laechelnd daneben steht.

Ueber eine andere Frage… – …wuerde man sich dagegen wohl rasch einigen. Praesident Duterte haelt nicht viel vom Gluecksspiel, und so rennt der Sprecher des chinesischen Auszen-Ministeriums, Geng Shuang, bei ihm offene Tueren ein mit seinem Vorschlag, die Philippinen moegen alle Arten von Online-Gambling verbieten. In China ist es verboten, und die spiel-suechtigen Chinesen muessen nach Macao oder sonstwohin reisen, um spielen zu koennen. Nach Dutertes Wende zu China bieten sich da nun die Philippinen an.

Nach Angaben der Regierung sind 138 Tsd Chinesen hier als POGOs (Philippine Offshore Gaming Operators) taetig. Das beunruhigt den Verteidigungs-Minister, der Spionage befuerchtet, das beunruhigt PAGCOR (Philippine Amusement and Gaming Corp.), die keine neuen Lizenzen mehr vergeben, das beunruhigt BI (Bureau of Immigration), weil viele Chinesen mit Tourist-Visa einreisen und illegal arbeiten, das beunruhigt BIR (Bureau of Internal Revenue), weil die keine Steuern zahlen, das beunruhigt Gemeinden und Buerger, weil ganze Wohngegenden aufgekauft und die Immobilienpreise kaputt gemacht werden und chinesische Enklaven entstehen, in denen sich Filipinos nicht auskennen. So erging bereits ein Erlass, dass Restaurants und Geschaefte ihren Werbe-Plakaten eine englische Uebersetzung beifuegen muessen, damit man wenigstens weisz, was die da tun oder anbieten.

Dem chinesischen Vorschlag zu folgen, waere die einfachste Uebung. Aber Duterte ist vorsichtig, auch als er hier gegen das Gluecksspiel vorging. Er mag Jueteng nicht, aber: “Es ist illegal. Es kann nicht gestattet werden. Wenn ich es verbiete, muss ich bereit sein, den Leuten eine Alternative zu geben, denn wenn die keine Alternative haben, werden Drogen das ersetzen. Und das waere noch toedlicher.

 



 

Wer ist ein Held? – In seiner Botschaft zum “Ninoy Aquino Day” stellte Praesident Rodrigo Roa Duterte fest: “Sein Opfer hat den Lauf der Geschichte unserer Nation veraendert und entzuendet immer noch den Geist des Heldentums in unserem Volk.” Zwar hat er ihn so nicht direkt als National-Helden bezeichnet, aber “Opfer”, “Lauf der Geschichte” und “Geist des Heldentums” sind schon ziemlich nahe dran. Es ist ja so, dass man eine Sache nicht explizit behaupten muss, um sie jemandem beizubringen. Kreist man nur lange genug mit naheliegenden Saetzen um den fraglichen Ausdruck, so faellt der am Schluss dem Leser selbst ein – ohne dass man es gesagt haette.

Will man offiziell wissen, wer ein philippinischer Nationalheld ist, was Rigoberto Tiglao fuer Ninoy Aquino ja bestreitet (siehe gestern), so halte man sich an Praesident Fidel V. Ramos. Der schuf am 28. Maerz 1993 mit der Executive Order No. 72 ein “National Heroes Committee”, das sich mit der Frage der National-Helden befasste. Das bemuehte sich um eine Definition und befand: “Die Wahl eines Helden betrifft nicht nur die Nacherzaehlung einer Episode oder von historischen Ereignissen, sondern den gesamten Prozess, der diese besondere Person zu einem Helden gemacht hat.” Unter diesem Aspekt empfahl der Ausschuss am 15. November 1995 als National-Helden: Jose Rizal, Andres Bonifacio, Emilio Aguinaldo, Apolinario Mabini, Marcelo del Pilar, Sultan Dipatuan Kudarat, Juan Luna, Melchora Aquino und Gabriela Silang. So weisz ich aus der “Wikipedia”, woran ich naechsten Montag – “National Heroes Day” – denken werde:

Jose Rizal (1861-1896), Arzt, Schriftsteller. Er war gegen Revolution, fuer Reformen, inspirierte aber die Revolutionaere. Sein Buch “Noli me tangere ~ Ruehr mich nicht an” kann man in Englisch unter dem Titel “The Social Cancer”, die Fortsetzung “El Filibusterismo ~ Der Aufruhr” unter dem Titel “The Reign of Greed” kostenlos aus der Gutenberg-Library im Internet herunterladen. In der Nacht vor der Hinrichtung schrieb er das Gedicht “Mi ultimo adios ~ Mein letztes Lebewohl”, das er heimlich seiner Schwester gab. Meine Frau hat das an der Schule auswendig lernen muessen.

Andres Bonifacio (1863-1897), gruendete in der Nacht von Rizals Verhaftung 1892 die Katipunan, die “hoechste und ehrenhafteste Gesellschaft der Landeskinder”. Im Aufstand gegen die Spanier rivalisierte er mit Emilio Aguinaldo, der ihn spaeter gefangen nehmen und hinrichten liesz.

Emilio Aguinaldo (1869-1964) trat 1895 in die Katipunan ein und stieg zum General auf. Dem Druck der Spanier nachgebend zog er sich in die Berge zurueck und rief 1897 die erste Republik der Philippinen aus. Die Lage verschlechterte sich, er schloss mit den Spaniern ein Abkommen, stellte die Feindseligkeiten ein und ging ins Exil nach Hong Kong. Er kam 1898 zurueck, kaempfte gegen die Amerikaner, die ihn 1901 gefangen nahmen. Er schwor denen Treue und ueberlebte.

Apolinario Mabini (1864-1903) war das “Gehirn der Revolution”. Er schrieb die Verfassung der Ersten Philippinischen Republik und wurde 1899 der erste Premierminister der Philippinen.

Marcelo Hilario del Pilar (1850-1896) war ein Satiriker, Verfasser und Mitherausgeber der Zeitung “La Solidaridad”. Eigentlich um Ausgleich mit den Spaniern bemueht, sah er die Zwecklosigkeit des Bemuehens ein: “Aufstand ist die letzte Abhilfe, speziell dann, wenn die Menschen zu der Ueberzeugung gelangt sind, dass gewaltfrei gleichbedeutend damit ist, ein sicheres Mittel zu sein fuer nachweislich vergebliche Liebesmueh.” Diese Gedanken stachelten Andres Bonifacio an. Del Pilar starb im spanischen Barcelona an Tuberkulose.

Sultan Dipatuan Kudarat (1581-1671) war der 7. Sultan von Maguindanao, der die Spanier an der Invasion hinderte und Mindanao vor der Verbreitung des katholischen Glaubens bewahrte.

Juan Luna (1857-1899) war Maler, Bildhauer und politischer Aktivist. Er wurde wegen Verbindung zu Katipunan verhaftet, bekam Pardon, reiste nach Spanien, kam wieder in die Philippinen, wo er von der Ermordung seines Bruders Antonio hoerte. Er ging nach Hong Kong, wo er an einer Herz-Attacke starb.

Melchora Aquino de Ramos (1812-1919). In Balintawak hatte sie ein Geschaeft, in dem sie verwundete Revolutionaere betreute, und in dem sich die Katipunan trafen. Sie wurde “Mutter von Balintawak” oder “Mutter der Revolution” genannt. Als ihr Treiben den Spaniern bekannt wurde, wurde sie verhaftet, verhoert, schwieg aber. Sie wurde nach Guam deportiert und kehrte nach dem Sieg der Amerikaner ueber die Spanier 1898 zurueck.

Gabriela Silang (1731-1763). Nach dem Tod ihres erste Mannes lernte Gabriela den Aufstaendischen Diego Silang kennen, den sie 1757 heiratete. Als die Briten im Rahmen des Siebenjaehrigen Kriegs gegen Spanien die Philippinen besetzten, kaempfte Diego Silang gegen die Spanier. Gabriela war seine engste Mitarbeiterin. Als die Spanier ein Kopfgeld auf Diego aussetzten, wurde der von frueheren Mitkaempfern ermordet. Gabriela ging nach Tayum, Abra, organisierte dort den Kampf und versuchte 1763 Vigan zu nehmen. Sie musste nach Abra fliehen, wurde jedoch gefangen und dort auf der Plaza aufgehaengt.

Tagalog / Visayan – Der Streit von Ronald Cardema mit Rowena Guanzon von der Wahl-Kommission steigert sich zu wechselseitiger Beleidigung, was mich eigentlich weniger interessiert. Sie nennt ihn einen “ueberalterten Luegner”, waehrend er sie als “thick-faced ~ dick-gesichtig” bezeichnet. Das ist nun wieder sprachlich interessant, da horche ich auf. Tagalog “kapal ng mukha ~ dick [ist das] Gesicht” liesze sich in Visayan so ausdruecken: “Ka’baga ba nimo’g nawong? ~ Was hast du fuer ein dickes Gesicht?” Sinngemaesz uebersetzt heiszt das: “Was bist du fuer ein unverschaemtes Stueck?

Die grammatische Aufloesung ueberlasse ich den hier Mitlernenden als Hausaufgabe.

 



 

Gemaesz “Manila Bulletin”, “PCOO”, “Wikipedia”, “Manila Times”, “Daily Tribune”, “PNA” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.