…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 21. August 2019

(zum Bild: Ninoy Aquino war kein Held)

 

Ninoy Aquino Day… – …ist heute, ein “Special Holiday”, der an dessen Ermordung 1983 erinnert. Der Tag wird von Liberalen als “Heldentag” gesehen, doch wie Rigoberto Tiglao heute wieder in seiner Kolumne in der “Times” schreibt, war er kein Held. Selbst der Republic Act 9256 vom Februar 2004, der diesen Tag einrichtete, sprach nur davon, den Tod des frueheren Senators Benigno “Ninoy” S. Aquino jr. zu erinnern. Ihn als “Heldentag” hochzustilisieren ist eine einfaeltige Analogie zum “Rizal Day” am 30. Dezember, der an die Hinrichtung von Jose Rizal 1896 erinnert, und zum “Bonifacio Day” am 30. November, der an die Geburt von Andres Bonifacio 1863 erinnert. Haben die zwei Helden einen eigenen Feiertag, dann muss “Ninoy” ja wohl auch ein Held gewesen sein, wenn er einen eigenen Feiertag hat. Analogie-Schluesse sind oefter Fehl-Schluesse. Dies alles hat Tiglao fast jedes Jahr geschrieben seit ich ihn lese, und so fuehle ich mich frei, hier aus dem zu wiederholen, was ich auch schon im letzten Jahr geschrieben habe.

Ninoy Aquino war Senator und die Stimme der Opposition gegen Ferdinand Marcos. Der Anschlag auf der Plaza Miranda am 21. August 1971 bei einer Veranstaltung der Liberalen Partei mit 8 Toten und 120 Verletzten hatte zur Folge, dass Marcos das Kriegsrecht ausrief. Ninoy Aquino wurde damit in Verbindung gebracht, weil er als einziger Kandidat der Liberalen Partei nicht auf der Plaza war. Angeblich haette er einen Tip von Freunden in der NPA (New People’s Army) erhalten, die hinter dem Anschlag steckten. Aquino wurde verhaftet und ein Militaer-Gericht verurteilte 1977 ihn wie auch zwei mitangeklagte NPA-Leute zum Tod. Das Urteil wurde 1980 von Marcos in Haft umgewandelt.

In Haft erlitt Aquino eine Herz-Attacke, und da er einer Operation in den Philippinen unter Marcos nicht traute, gestattete der, dass Aquino zur Operation in die USA ging, wenn er verspricht, nicht zurueckzukommen. Dies Versprechen gab “Ninoy” Imelda Marcos persoenlich und ging mit seiner Frau “Cory” und den Kindern nach Massachusetts. 1983 hoerte er von der Nieren-Erkrankung Marcos’, Geruechte ueber dessen bevorstehendes Ableben kursierten, und Aquino plante die Rueckkehr, vor der Imelda Marcos ihn ausdruecklich warnte. Er wollte seinen Hut in den Ring werfen, wenn es um die Nachfolge an der Macht ging. Sein Versprechen nicht zurueck zu kommen tat er mit den Worten ab: “Ein Pakt mit dem Teufel ist nicht einmal ein Pakt.

Doch Ferdinand Marcos ueberlebte die erste Nieren-Transplantationen, und “Ninoy” Aquino wurde am 21. August 1983 – Plaza Miranda Day – bei seiner Ankunft auf dem Flughafen in Manila erschossen. Ueber den Taeter gibt es verschiedene Theorien. Tiglao bringt heute das Faksimile eines Berichts der US-Botschaft vom 26. August, in dem es um zwei moegliche Hinweise geht: einer zeigt auf zahlreiche Feinde Aquinos in seiner Heimat-Provinz Tarlac, ein anderer auf einen kleinen Regierungs-Beamten, der ohne Wissen Marcos’ wohl meinte, dem einen Gefallen zu tun. Geklaert wurde der Mord nie.

Der Rest ist Geschichte. Marcos, der auch die zweite Nieren-Transplantation ueberlebte, die erste wurde vom Koerper abgestoszen, wurde in der EDSA-Revolution 1986 gestuerzt und floh mit seiner Familie nach Hawaii. Die Ereignisse bescherten den Philippinen zwei der schlechtesten Praesidenten ihrer Geschichte: “Cory” Aquino, unter der die Korruption schlimmer wurde als unter Marcos und die eine Landreform fuer die Philippinen mit Ausnahme ihrer Hacienda Luisita anstiesz, und spaeter “Noynoy” Aquino, Sohn von “Cory” und “Ninoy”, unter dem sich die Kriminalitaet verdreifachte und der es geschafft hat, dass “Noynoying” als Ausdruck in die Umgangs-Sprache gelangte, was bedeutet, dass man faul herumsitzt, den Kopf in die Hand stuetzt und nichts tut.

 



 

Melde-Pflicht – Nachdem wiederholt Schiffe ohne sich zu melden philippinische Gewaesser passierten, ordnete Praesident Rodrigo Roa Duterte gestern an, dass auslaendische Schiffe, welche territoriale Gewaesser der Philippinen passieren, sich bei den Behoerden melden muessen. Aktueller Anlass waren die Passagen chinesischer Kriegsschiffe durch die Sibutu Passage bei Tawi-Tawi. Der Sprecher Salvador Panelo: “Um kuenftige Missverstaendnisse zu vermeiden, weist der Praesident darauf hin, dass ab heute alle auslaendischen Schiffe, die unsere Hoheitsgewaesser passieren, rechtzeitig vor der eigentlichen Durchfahrt sich bei der zustaendigen Regierungsbehoerde anmelden und die Genehmigung einholen muessen. Entweder entspricht man dem in freundlicher Weise, oder wir setzen es in unfreundlicher Weise durch.” Die Frage, wie die “unfreundliche Weise” aussehe, beantwortete Panelo: “Wir werden sie auffordern zu verschwinden.” Der Nachfrage, ob man Gewalt anwenden werde, wich er aus. Er muesse sich bei der Armee erkundigen.

Die Sache wird kompliziert dadurch, dass unter “territorialen Gewaessern” nun jeder etwas anderes versteht. Laut “Wikipedia” reichen die 12 Seemeilen (22,2 km) von der mittleren Ebbe-Linie ins Meer hinaus. Da die Sibutu Passage 18 Meilen weit ist, gehoert die Mitte zu den “territorialen Gewaessern” der Gewaessern der Philippinen. Das ist laut “Wikipedia” nicht ganz klar, da die lax schreibt: “Sibutu Passage is a deep channel some 18 miles (29 km) wide that seperates Borneo from the Sulu Archipelago.” Das waere dann eine Auszen-Grenze zwischen Philippinen und Malaysia. Genauere Karten der “National Geospatial-Intelligence Angency” zeigen jedoch, dass die Sibutu Passage zwischen den philippinischen Inseln Sibutu und Simunul Island vor Tawi-Tawi durchfuehrt, also beiderseits von Territorien der Philippinen eingeschlossen ist.

Nun spricht man aber im “Standard” gleich von chinesischen Schiffen, die um die Spratly Islands kreisen, die von China, Vietnam und den Philippinen beansprucht werden, und der “SunStar” dehnt die Anordnung Dutertes sogar auf die EEZ (Exclusive Economic Zone) aus – 200 Seemeilen ab Kueste. Das ist Unfug, und ich hoffe, dass diese Anordnung in noetiger Klarheit an die maritimen Behoerden geht, und nicht in der sprachlichen Braesigkeit, in der sie vom Sprecher Panelo an die Presse ging.

 



 

Kein Feuer ohne Rauch – Der “Tribune” befasst sich in einem Leitartikel mit einer Meldung von “CNBC”, nach welcher Rappler-Gruenderin Maria Ressa eine der meist-nachgefragten – und damit auch der teuersten – Anwalts-Kanzleien der USA, Covington & Burlington, fuer eine Kampagne gegen Praesident Duterte engagiert hat. Die Frage stellt sich, woher Ressa die finanziellen Mittel hat um so einen Top-Notcher zu bezahlen. “CNBC” meldet, Covington & Burlington werde “gegen den philippinischen Praesidenten Rodrigo Duterte antreten, einen der loyalsten Verbuendeten von Donald Trump in der Region.” Da die US-Anwaelte hier vor Gericht nicht zugelassen sind, haben sie kaum etwas mit den Klagen wegen Verleumdung und Steuerbetrug zu tun, mit denen Ressa hier belangt wird. Offenbar ist eine Kampagne gegen Duterte wegen Behinderung der Presse-Freiheit geplant, wozu dann wohl auch Amal Clooney ins Boot geholt wird. Einer der Anwaelte erklaert: “Wir gehen davon aus, dass unsere Aufgabe neben der Beratung der USA auch darin bestehen wird, Entscheidungstraeger in den USA zu informieren, die sich mit Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit befassen, damit sie alle Fakten ueber die Behandlung von Frau Ressa und Rappler durch die philippinische Regierung verstehen.

Das Ziel kann dabei nur sein, die amerikanische Oeffentlichkeit gegen Duterte aufzubringen, der eine amerikanische Staatsbuergerin verfolgt – Ressa hat einen amerikanischen Pass, womit sie in den USA auftritt, und sie hat einen philippinischen Pass, womit sie hier Rappler betreibt.

Und so schlieszt der Artikel: “Ressas Anspruch, eine verfolgte Vorhut der Pressefreiheit zu sein, sollte im Rahmen von Masznahmen zur Destabilisierung von Rody’s Regierung aufgedeckt werden.

Den diversen Artikeln von Rigoberto Tiglao folgend koennte man wissen, dass Geld fuer Rappler vom CIA kommt, und die finanzieren auch Vera Files. Dort brachte Ellen Tordesillas nun einen Bericht, dass die Dutertes Geld-Geschenke in Hoehe von 193 Mio Peso erhalten haetten. Dabei stuetzt sie sich auf Bank-Informationen, mit denen Antonio Trillanes schon einmal dieselben Vorwuerfe gegen Duterte erhob – also offensichtlich etwas aus der Recycle-Anlage der Duterte-Gegner. Malacañang gibt sich gelassen und Sprecher Panelo meint: “Ist das wahr? Hat sie irgendwelche Beweise dafuer? Viele haben behauptet, der Praesident besaesze Hunderte von Millionen, aber es ist nicht wahr.

Man kann dies als Teil der konzertierten Anti-Duterte-Kampagne sehen, die mit Impeachment, ICC (International Criminal Court) und den “Bikoy-Videos”, die dem Praesidenten unterstellten der “Drug-Over-Lord” der Philippinen zu sein, nicht weit gekommen ist, nun neue Moeglichkeiten sucht, den meist-gehassten Mann der westlichen Welt aus dem Weg zu raeumen. Man kann darin aber auch eine Verteidigungs-Strategie sehen, die Klaeger madig zu machen, die gegen die Hintermaenner von “Bikoy” und gegen die im Westen nachgerade als Heilige verehrte Leila de Lima vor Gericht gezogen sind. Es wird ungemuetlich fuer die Opposition, nachdem sie ja auch in den Wahlen eine Abfuhr erhielt.

In einer Kolumne im “Tribune” schreibt Ninez Cacho-Olivares “Time to face the music, yellows”. Sie sieht in dem Gerangel, ob der General Staatsanwalt, bzw. dessen Mitarbeiter antreten duerfen im Prozess gegen Vize-Praesidentin Leni Robredo, Fake-Richterin Maria Lourdes Sereno, Antonio Trillanes und ‘zig andere wegen des Verdachts, hinter “Bikoy” zu stehen. Das sind dieselben Verzoegerungen, mit denen de Lima in ihrem Prozess gearbeitet hat, den sie mit Befangenheits-Antraegen, Einspruechen in der naechst-hoeheren Instanz in die Laenge gezogen hat. Da kommt als Neuerung hinzu, dass man Jose Adrian Dera gefasst hat, der Geldbote von de Lima gewesen sein soll, und dem nachgesagt wird, ihr Neffe zu sein. Beide behaupten, sich nicht zu kennen. Nun, das ist verstaendlich, ihr Ex-Liebhaber, in der Untersuchung des Hauses noch redselig, sagt nun auch nichts mehr, wo man sich vor Gericht sieht – taete ich auch nicht.

Was ich sagen will: die Opposition hat Feuer unter’m Arsch, und nun schreit sie nach der Feuerwehr, selbst wenn die aus den USA kommen soll.

Saysay sa adlaw – Ang bombero ang nakapalong sa kalayo. 

ang best. Art., bombero Feuerwehrmann, Feuerwehr, palong ausschalten, loeschen + naka… V/G nakapalong konnte loeschen, sa von, kalayo Feuer

Satz des Tages – Die Feuerwehr konnte das Feuer loeschen.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Wikipedia”, “Manila Standard”, “SunStar”, “PNA”, “Daily Tribune”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.