…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 11. August 2019

(zum Bild: Korruption in der philippinischen Polizei)

 

Die Polizei… – …in den Philippinen gibt es seit dem 8. August 1901, als sie als Philippine Constabulary gegruendet, und am 29. Januar 1991 durch die PNP (Philippine National Police) ersetzt wurde. In ihren Diensten sind derzeit 193 Tsd Beamte. Zum Abschluss des 118ten Jahrestages war Praesident Rodrigo Roa Duterte am 9. August in deren Hauptquartier in Camp Crame, Quezon City, und hielt die “uebliche Rede”. Nach der Begrueszung der Ehrengaeste – darunter Mitglieder des diplomatischen Korps, weshalb er ueberwiegend englisch sprach, Innen-Minister Eduardo Año, Dienstherr der Polizei, Senatoren Bong Go, Ronald dela Rosa, ehemaliger Polizei-Chef, und General Oscar Albayalde, jetziger Polizei-Chef – und ein paar Worten zur Historie sagte der Praesident: “Bevor ich zum Ende dieses Programmes gruesze, moechte ich mich mit einigen brennenden Themen unseres Landes heute befassen.” Die “brennenden Themen” verstehen sich, wenn man einige Dinge im Hinterkopf hat.

Die PNP hat einen schlechten Ruf. Die Toetung von Rolando Espinosa und Mithaeftling Raul Yap durch Polizisten im Gefaengnis im November 2016 bei Zustellung eines Haftbefehls – wofuer? der sasz doch schon – die Senator Panfilo Lacson “vorsaetzlichen Mord” nannte, weil die Polizisten schon vor Betreten des Gefangnisses die Spurensicherung anriefen. Die Ermordung des Jee Ick Joo durch Polizisten im Hauptquartier der PNP, Camp Crame, im Januar 2017 und die Erpressung von dessen Frau, als ihr Gatte bereits ermordet, verbrannt und die Asche im Klo runtergespuelt war. Damals schrieb Rigoberto Tiglao in der “Times” unter dem Titel “Wie viele Polizei-Verbrechen wurden nicht aufgedeckt?” wie verbreitet Missbraeuche sind. Das ginge von “smiling money”, dass man sich noch im Spiegel ansehen kann, wenn man fuer’s Uebersehen von Spielhoellen oder Massage-Salons “Zuwendungen” annimmt, bis zum “crying money” aus Erpressung. Damals stellte Duterte selbst fest, dass in der PNP 40% korrupt seien, was damals 64 Tsd Strolche (smiling money) oder Schurken (crying money) bedeutete.

Woher kommt das?

Im Netz wurde kuerzlich ein Beitrag diskutiert, dass man mit 800 Euro monatlicher Rente in Thailand oder Philippinen leben koenne. Rentner in Thailand jammerten nun, weil der Baht um 16% aufgewertet wurde, da geht die Rente in die Knie. Die “Neue Zuercher Zeitung” titelte: “Das Rentnerleben wird teurer – in Thailand”. Doch bleiben wir in den Philippinen. 800 Euro entsprechen – Kurs 1:55 angenommen – 44 Tsd Peso. Der Tenor der Diskussion im Netz war, dass man da nicht verhungert, aber leben?

Ein PO1 (Police Officer 1) bekam damals aufgerundet monatlich 15 Tsd Peso, was Duterte 2018 auf 30 Tsd Peso erhoehte – das war das untere Ende der Skala. Der Polizei-Chef bekommt heute 120 Tsd Peso – dem geht’s also besser als dem Beispiel-Rentner. Doch es gibt nur einen Polizei-Chef, die 192.999 Fuszvolk kriegen nicht so viel.

 



 

Der Leser moege sich selbst in der Skala einordnen und fragen, was er als PO1 tun wuerde. Ohne viel zu verraten liege ich naeher beim Polizei-Chef als beim PO1 – wenn der “Euro Kurs haelt”.

Ich weisz nicht, wie hoch die Pension eines Polizisten ist, und der wird mit 56 Jahren pensioniert (im Moment laeuft ein Gesetzes-Antrag, das auf 60 Jahre zu erhoehen), aber sie kann nicht hoch sein. Wer bis dahin nicht “ausgesorgt” hat, dem geht’s dreckig, und das hat Folgen.

Im Februar 2017 trat in einer von Senator Antonio Trillanes organisierten Presse-Konferenz ein pensionierter Polizist auf, Arturo Lascañas, der aussagte, Mitglied der Davao Death Squad gewesen zu sein und fuer den damaligen Buergermeister Duterte Mord-Auftraege ausgefuehrt zu haben. Im Oktober 2016 hatte er vor dem Senats-Ausschuss alle Aussagen des Edgar Matobato ueber die Death Squad unter Eid als Luegen bezeichnet, womit die von Senatorin Leila de Lima veranlasste Untersuchung wegen der Morde im Drogenkrieg geplatzt war. Nach seiner Aussage setzte sich Lascañas ins Ausland ab und ward nicht mehr gesehen. Geruechten zufolge soll er sauer sein, dass Duterte, unter dem er als Polizist in Davao diente, ihm als Praesident kein Poestchen mit einer Lotto-Lizenz nach der Pensionierung verschafft haette, und er sich so von Trillanes kaufen liesz und sich an Duterte raechte – Geruechte, wie gesagt, aber wie kann ein pensionierter Polizist mittleren Ranges sich ein Leben im Ausland leisten?

Vor diesem Hintergrund nun kurz zu der Rede, die Praesident Duterte am Freitag in Camp Crame hielt, wobei ich den “ueblichen Rest” uebergehe.

Obwohl Duterte gegen Gluecksspiel ist, will er STL (Small Town Lottery) nicht verbieten. Er sagte: “Was ich gesagt habe, STL und Lotto, da gibt es eine bestehende Organisation. Wenn du ein Vakuum schaffst, kommen Drogen rein. Das ist das Problem. Da kann ich nicht demuetig sein und sagen, ich tue’s und STL oder Jueteng abschalten. … Nun lassen Sie mich dies sagen. Es gibt Vorwuerfe, dass Polizei-Generaele im Ruhestand in STL, Lotto und was weisz ich sind. Ich sagte, Sie haben kein Problem mit mir. Wenn es eine Ausschreibung ist, nehmen Sie daran teil, solange es nicht zu Ihren Gunsten manipuliert ist und Sie sicherstellen, dass die Gesetze eingehalten werden und es keine Korruption gibt. Ich werde es Ihnen nicht krumm nehmen.

Duterte kann und will Polizei-Beamte und Soldaten im Ruhestand nicht im Regen stehen lassen, es koennte ueble Folgen haben.

Saysay sa adlaw – Kanhing pulis, suspek sa tulis? 

kanhing ~ kanhi nga frueher, Ex- + Verbinder, pulis Polizist, suspek verdaechtig, sa von, tulis rauben, Raub

Satz des Tages – Ex-Polizist, verdaechtigt des Raubes?

 



 

Gemaesz “ABS-CBN”, “NZZ”, “Manila Times”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht