…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 07. August 2019

(zum Bild: Wird der Schiedsspruch von Den Haag beim Zwiegesprach zwischen Duterte und Xi auf der Agenda stehen?)

 

Dengue Epidemie – Nachdem die Zahl der Dengue-Faelle von Januar bis Juli auf 146.062 gewachsen ist, 98% mehr im Vergleich zum Vorjahr, mit 622 Todesopfern, hat das DOH (Department of Health) den Ausbruch einer nationalen Dengue Epidemie erklaert. Gesundheits-Minister Francisco Duque sagte dazu: “Ab heute wird das DOH zusammen mit anderen Regierungs-Behoerden, den LGUs (Local Government Units), Schulen, Bueros und Gemeinden den ‘Punkt 4-Uhr-Brauch’ durchfuehren und sich auf die Zerstoerung von Muecken-Brutstaetten konzentrieren. Ich moechte die Oeffentlichkeit auffordern, dem zu folgen, was wir getan haben. Wir haben keine Medikamente, wir haben keine Impfung. Daher ist dies der einzige Weg, die Ausbreitung von Dengue zu verhindern, und wir hoffen, dass dies auch die Zahl der gemeldeten Faelle verringern kann.

Zur ausstehenden Dengvaxia-Zulassung ist zu sagen, dass das Mittel nicht gegen Dengue schuetzt, sondern nur die Krankheits-Symptome mildert, wenn man schon einmal Dengue hatte – nur dann darf es auch angewendet werden – und dann wieder von Dengue befallen wird. Im DOH wird die Wieder-Zulassung derzeit geprueft.

Die Zeit ist reif – In Vorbereitung einer Reise von Praesident Rodrigo Roa Duterte nach China am Ende des Monats sagte der Sprecher Salvador Panelo am Montag, dass Duterte in einem “one-on-one dialogue ~ Zwiegespraech” mit Chinas Praesident Xi Jinping den historischen Spruch des Staendigen Schiedshofes in Haag von 2016 zur Sprache bringen wird. Diesen Spruch hatte Duterte bisher in der Schublade gelassen, um zu einer Verstaendigung mit China zu kommen. Er sagte nun zu Panelo: “Erinnern Sie sich, dass ich einst gesagt habe, es werde einen Zeitpunkt geben, zu dem ich den Schiedsspruch zur Sprache bringen werde? Die Zeit ist reif, und deshalb gehe ich dorthin.

Nun steht nicht mal das genaue Datum der Reise fest, und nach Meldungen in verschiedenen Medien ist nicht ganz klar, ob Duterte nach China fliegt, um beim FIBA World Cup das Spiel Gilas gegen Italien zu sehen und nebenher mit Xi zu reden, oder ob er zum Zwiegespraech mit Xi nach China fliegt und nebenher ein Basketball-Spiel anschaut. Bei der Lage habe ich mir angewoehnt, Panelo unter Vorbehalt zu glauben, was er so sagt. Er sagt viel, wenn der Tag lang ist, und bis zum Ende des Monats ist es noch hin, und Plaene macht man um sie zu verwerfen.

In der hiesigen Diskussion, in der es um die Rechte der Philippinen in der West Philippine Sea und den historischen Spruch des Schiedshofes geht, moege man dagegen behutsam sein. In seiner Kolumne am 27. Juli in der “Times” wies Yen Makabenta darauf hin, dass die “West Philippine Sea” eine Begriffs-Schoepfung der Aquino-Regierung ist, historisch aehnlich unbegruendet wie die “Nine Dash-Line”, auf die China sich stuetzt. International bekannt sind nur die “South China Sea” und die jeweiligen “EEZs – Exclusive Economic Zones” einzelner Laender. Und so kommt in dem Spruch des Schiedshofes der Begriff “West Philippine Sea” nicht ein einziges Mal vor. Wer sich darauf stuetzt, sollte seine Wortwahl bedenken.

Makabenta schlaegt vor, den Begriff zu vermeiden. Dagegen will man nun chinesischen Besuchern, deren Paesse ein Bild Chinas mit der “Nine Dash-Line” haben, ein Visum in den Pass stempeln mit dem Bild der Philippinen einschlieszlich seiner “EEZ”. Dieses “tit-for-tat” hat schon ein Vorspiel. Ich erinnere, dass vor Jahren die Einfuhr chinesischer Globen untersagt wurde, auf denen die South China Sea mit der “Nine Dash-Line” markiert war. Ich weisz nicht, wie der Stand da heute ist.

 



 

Was China angeht… – …so sind da zwei Dinge interessant, die ich nur am Rande erwaehnen kann, weil China eigentlich nicht mein Thema ist.

Rigoberto Tiglao weist in seiner Kolumne in der “Times” darauf hin, dass die NED (National Endowment for Democracy), ein CIA-Ableger, die Oppositions-Gruppen in Hong Kong unterstuetzt. Die NED ist hier bekannt, dass sie oppositionelle Medien wie “PCIJ ~ Philippine Center for Investigative Journalism”, “Rappler”, “Vera Files” und “CMFD ~ Center for Media Freedom and Democracy” unterstuetzt. Man kann sich vorstellen, welche Absichten man also in Hong Kong verfolgt. Am Schluss seiner Kolumne zitiert Tiglao den Pacific Dialogue zu den Demonstrationen in Hong Kong: “Die brauchen Fuehrung, Orchestrierung, und vor allem Geld.” Und Tiglao faehrt fort: “Glaubt mir in der Sache, ich war seit 1969 kommunistischer Kader waehrend der massiven Jugend-Bewegungen der fruehen 1970er Jahre. Zu glauben, dass eine Demonstration spontan sei und ohne einen Fuehrungs-Kern und Finanzierung durch einige Gruppen, das ist so, als wenn man glaubt, die Puppen in einem Marionetten-Theater seien lebendig.

Die andere Meldung weist darauf hin, dass China seine Waehrung zu einem 11-Jahrestief abgewertet hat und den Kauf amerikanischer Agrar-Produkte einstellt.  Damit verschafft China sich einen Vorteil gegen die Zoll-Politik der USA und bricht eine Zusage, weiter Soja und anderes zu kaufen, solange die Verhandlungen im Handelskrieg laufen. Vermutlich war das die Reaktion, dass US-Praesident Donald Trump zur Verschaerfung der Gespraeche weitere Zoelle ins Gespraech brachte. Der Handelskrieg wird haerter.

Und wo ich grad bei Trump bin…

Donald Trump… – …ist eigentlich auch nicht mein Thema. Da Praesident Duterte aber so oft mit dem amerikanischen Praesidenten verglichen wird, und ich mich um ein Verstaendnis Dutertes bemuehe, komme ich manchmal nicht drum herum. Bei der Schieszerei im Walmart in El Paso, Texas, gaebe es sogar einen Bezug, auch wenn der an den Haaren herbeigezogen ist. Der Taeter hatte vor der Tat ein Manifest auf der Webseite “8chan” veroeffentlicht, die in den Philippinen von einem hier lebenden Amerikaner betrieben wird. Polizei-General Oscar Albayalde hat eine Untersuchung der Sache durch die Anti-Cybercrime Group der Polizei angeordnet.

Offensichtlich handelt es sich bei diesem Taeter um einen Vertreter der “white supremacy”, was man in gut Deutsch mit dem Herrenmenschentum der Nazi-Zeit gleichsetzen kann. Besonders “CNN” wirft dabei Trump vor, dass er mit seinen Hass-Tiraeden gegen Farbige, Latinos und Immigranten – “go back to the infested places where you come from” – das Land im Sinne der “white supremacy” spaltet und damit gegen den “amerikanischen Geist” verstoeszt, der sich in der Unabhaengigkeits-Erklaerung im Beginn des ersten Satzes niederschlaegt als “We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal…

Dabei stoeszt mir einiges auf.

Praesident Duterte nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn er in Bezug auf Terroristen sagt: “Meine Befehle an die Polizisten und Soldaten, erschieszt sie. Wenn sie sich mit Gewalt widersetzen, erschieszt sie. Wenn sie sterben, ist mir das egal.” In einem Interview hat sich auch Clint Eastwood mal gegen die Eier-Taenzerei der “political correctness” verwahrt und fuer Trumps offene Worte ausgesprochen. Das war 2016, ich weisz nicht, was Eastwood heute sagt. Und auch in der Wortwahl tut Duterte sich keinerlei Zwang an, wenn er in Richtung der Terroristen sagt: “Das Land drauszen ist verseucht mit Parasiten wie euch.” Das Vokabular ist aus dem Woerterbuch des Unmenschen.

Aber, wir wissen, Duterte ist anders.

 



 

Vergleiche ich Trump und Duterte in der Hinsicht, so ist das Herrenmenschentum Duterte fremd. Er wehrt sich gegen Korruption und illegale Drogen, was nicht nur in den Philippinen, sondern weltweit geaechtet ist. Es geht nicht gegen eine Volksgruppe, auch wenn ihm die Opposition genau das vorwirft. Senatorin Leila de Lima als Vorhut der Opposition wird nicht muede, Dutertes Kampf gegen Drogen als einen “Kampf gegen die Armen” zu verunglimpfen, also gegen etwas, was gar nicht verboten ist und nicht verboten werden kann – mithin sind alle Opfer unschuldig. Sie war es auch, die im Dezember 2016 bei der “Annual Conference on Cultural Diplomacy” in Berlin gesagt hat: “Im Mai diesen Jahres haben 16 Millionen Filipinos einen erklaerten Serien-Moerder zum Praesidenten gewaehlt…” Zurueck in den Philippinen forderte sie, “...die Nation ein fuer allemal vor den Streifzuegen dieses Wahnsinnigen zu retten.

In der derzeitigen Diskussion in den USA betont die dortige Opposition, dass Schieszereien von “white suprematists” gern als Einzelfaelle psychisch labiler Menschen – sprich: “Wahnsinniger” – abgetan werden, um nicht die Waffen-Gesetze aendern zu muessen. Das ist aber auch der Sprachgebrauch der hiesigen Opposition, wenn die gegen Duterte redet.

Die “white suprematists” der Philippinen sind die “Gelblinge”. Ihre Sprache verraet sie, und daher ist Trump nicht mit Duterte zu vergleichen, sondern mit der hiesigen Opposition. Die sind es – wie jener die Immigranten als Ursache allen Uebels sieht – die fuer alles, was ihnen nicht passt, einen anderen – in diesem Fall Dutertes Kampf gegen Drogen und Terroristen – finden, dem sie das Uebel andichten.

Divide et impera ~ teile und herrsche” hiesz es im alten Rom. In den USA mag Trump die Gesellschaft spalten und als “white suprematist” an der Macht bleiben, weil er gegen die ist, die anders aussehen, was die nicht aendern koennen. Duterte spaltet auch, die gesetzestreuen Buerger von Terroristen. Da ist er knallhart, doch – wenn ein NPA-Kaempfer dem Terror entsagt, dann gibt er ihm Haus und Land und laesst ihn zum Shopping nach Hong Kong fliegen, damit der mal was anderes sieht als Urwald und was anderes isst als Sardinen in Tomatensosze aus der Dose. Und wenn ein Drogenabhaengiger den Drogen entsagt, dann gibt es Rehabilitations-Programme – was die Opposition gern verschweigt.

Ja, man kann Duterte und Trump vergleichen, kein Problem. Man sollte sie nur nicht gleichsetzen.

White supremacy” ist Rassismus, und sie passt nicht zu Amerika, weil dort alle Immigranten sind, die keine “native americans ~ Indianer” sind. Das will Trump nicht wissen. Duterte ist kein Rassist. Als Volks-Aufklaerer weist er in seinen Reden darauf hin, dass alle, die in Mindanao keine Moros oder Lumad sind, Immigranten sind. Von sich selbst zaehlt er stolz auf, dass ein Groszvater Chinese und eine Groszmutter eine Maranao ist. Er hat damit kein Problem, das geht ihm glatt von der Zunge. Bei “CNN” sah ich, wie Trump nun nach der Schieszerei im Walmart in El Paso, Texas, gezwungen war, sich davon zu distanzieren, und er sagte: “In one voice our nation must condemn racism, bigotry and white supremacy.” Man muss das gesehen haben: an dem Satz waere er fast erstickt, als muesse er ein trockenes Broetchen ungekaut herunterwuergen.

Saysay sa adlaw – “Nganong nangutana ka?” “Susihan lang ko.” 

nganong ~ ngano nga warum + Verbinder, kutana fragen + na… V/G verschliffen zu nangutana fragt, hat gefragt, ka ~ ikaw du

susi nachschauen, neugierig + …han bildet Adjektiv susihan neugierig, lang nur, ko ~ ako ich

Satz des Tages – “Warum fragst du?” “Ich bin nur neugierig.”

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “CNN” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • August 7, 2019 um 17:48
    Permalink

    Hallo Walter Strahm,

    Ihre Mitteilung von heute ist auf irgendwelche wundersame Weise nach einem Windows-Update leider verschwunden.

    Ich möchte darauf antworten:

    Ich finde es schade, dass sie das neue Format, das tatsächlich schon einige Monate in Gebrauch ist, nicht mögen und unübersichtlich finden.

    Vielleicht würde es helfen nur für Sie interessante Meldungenn zu lesen, wenn sie von dem Menü im Kopf Gebrauch machen würden und dort z. B. nur die Nachrichten anklicken. Als Resultat werden nur alle als Nachrichten markierte Beiträge auf einer Seite angezeigt.

    Da ich nur ein einfacher Blogger bin und meine Webseiten als Hobby betrachte, kompensiert die Werbung die anfallenden Kosten dafür in etwa.

    Werbung wird in gedruckten Magazinen oder Zeitungen ja vor dem Kauf auch nicht ausgeschnitten und meine Webseiten sind sogar kostenfrei 🙂

    Mit freundlichem Gruß

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