…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 02. August 2019

(zum Bild: Dengue-Fieber und Dengvaxia)

 

Dengue – Im Moment wird ziemlich Wirbel fuer die Immunisierung gegen Dengue gemacht. Da mir die Berichterstattung pro und contra zu hysterisch ist, konsultierte ich als verlaessliche Quelle die Web-Seiten der WHO (World Health Organisation). Es gibt zwei Veroeffentlichungen von WHO zu Dengue in der letzten Zeit.

Vom 11. Juni 2019 stammt eine Warnung zum Anstieg von Dengue in der Regenzeit. Darin heiszt es zu den Philippinen: “Auf den Philippinen wurden in den ersten 20 Wochen des Jahres 2019 insgesamt 77.040 Dengue-Verdachts-Faelle gemeldet, darunter 328 Todesfaelle. Dies ist fast das Doppelte der 41.104 Faelle, die im gleichen Zeitraum des Vorjahres gemeldet wurden. Die Fallzahlen sind nach wie vor hoch, doch obwohl sie zu sinken beginnen, naehert sich nun die Regenzeit…” – wo die Anzahl der Faelle vermutlich wieder steigen wird.

Vom 15. April 2019 stammt eine Beschreibung der Dengue-Krankheit, die auch auf die Immunisierung mit “Dengvaxia (CYD-TDV)” eingeht. Darin heiszt es: “Im April 2016 gab die WHO eine bedingte Empfehlung zur Verwendung des Impfstoffes in Gebieten heraus, in denen Dengue-Fieber hoch endemisch ist, d.h. eine Seropraevalenz von 70% oder mehr gegeben ist.” Eine “Seropraevalenz von 70% oder mehr”  bedeutet, dass in dem betroffenen Gebiet 70% der Bevoelkerung oder mehr schon mal Dengue hatten, also “seropositiv” sind.

Im Bericht eines Arbeitskreises der Merieux Foundation zu RDTs “rapid diagnostic tests ~ Schnell-Tests” fuer Dengue vom 14. bis 16. Januar 2019 heiszt es: “Bis heute wurde kein RDT lizensiert zur Anzeige der Bestimmung des Dengue-Serostatus.

Da es also keinen Schnell-Test gibt, gilt weiterhin die Aussage eines Artikels der Fraunhofer Gesellschaft zur Dengue-Erkennung vom 4. Januar 2016: “Moechte man eine zuverlaessige Aussage [zur Dengue-Erkrankung], muss die Blutprobe des Patienten in ein Hochsicherheitslabor geschickt und dort untersucht werden. In jedem Land gibt es jedoch nur eine Handvoll solcher Labore, es sind daher nur Stichproben moeglich. Zudem ist die Untersuchung teuer und daher gerade in Entwicklungslaendern kaum durchfuehrbar.

Nun sagt die WHO in ihrer Dengue-Beschreibung vom April diesen Jahres: “Fuer Laender, die Impfungen als Teil ihres Dengue-Kontrollprogramms in Betracht ziehen, ist das Screening vor der Impfung die empfohlene Strategie. Mit dieser Strategie wuerden nur Personen geimpft, die Hinweise auf eine Dengue-Infektion in der Vergangenheit haben (basierend auf einem Antikoerper-Test oder einer mit Laborbericht dokumentierten vergangenen Dengue-Erkrankung).” Womit laut Fraunhofer Gesellschaft so ein Nachweis “gerade in Entwicklungslaendern kaum durchfuehrbar” ist.

Also: einen Schnelltest gibt es nicht, und ich wuesste nicht, woher jemand in den Philippinen wissen kann, dass in dieser oder jener Gegend 70% der Leute – “mit Laborbericht dokumentiert” – schon mal Dengue hatten. Man verlaesst sich allein auf die Verdoppelung der Faelle, und dass der Gesundheits-Minister daraufhin “Dengue-Alarm” gegeben hat. Dazu schrieb ich bereits Mitte Juli, dass es keine vorbeugende Schutz-Impfung gibt, und deshalb die “4S- Strategie” empfohlen wird: Suche und zerstoere Brutplaetze (stehendes Wasser), Selbstschutz durch lange Aermel und abweisende Lotions, Suche bei ersten Anzeichen den Arzt auf, und Stimme zu, wenn bei Ausbruch die Muecken in der Gegend mit einem Nebel bekaempft werden.

Schlaegt man als Masznahme nun eine allgemeine Immunisierung in bestimmten Gebieten vor, so verlaesst man sich auf Statistiken, dass in Brasilien die Zahl der Dengue-Faelle durch Immunisierung zurueck gegangen sein soll, und dass es dort eine geringere Zahl von Todesfaellen gab.

Wie ich das sehe, waere eine solche Entscheidung derzeit eher politisch als medizinisch begruendet.

Stellt sich die Frage: wer verfolgt diese Politik?

 



 

Was ich bei “CNNPhil” in “NewsNight” und bei “GMANews” in “State of the Nation” hoere und sehe und bei “Rappler” lese, sind Aussagen, dass eine Gruppe DTPW (Doctors for Truth and Public Welfare) seinen Aufruf erneuert hat, das Dengvaxia-Verbot aufzuheben: “DTPW glaubt dass die kuerzliche Erklaerung des Ministers [Francisco Duque] eines nationalen Dengue-Alarms zeigt, dass die Philippinen unter die ‘Hoch-Risiko-Bevoelkerungen’ fallen, fuer die die World Health Organization den Anti-Dengue-Impfstoff empfiehlt.” Dazu zitiert “Rappler” eine Aerztin des Verbandes, Dr. Minguita Padilla, dass die Philippinen  “die hoechste Fall- und Todes-Rate von Dengue in diesem Teil der Welt hat, es ist jedoch das einzige Land der Welt, das es [den Impfstoff] verboten hat. … Der Impfstoff muss nicht in das Expanded Program of Immunization (EPI) der Regierung aufgenommen werden, sodass die Regierung nichts dafuer ausgeben muss, aber macht es wenigstens verfuegbar fuer Aerzte, um es Millionen von Patienten anbieten zu koennen, denen es nuetzen kann. … Wir bitten die Fuehrer unserer Regierung darueberhinaus, auf vorgelegte wissenschaftliche Beweise zu hoeren, sodass wir zum Wohl des Volkes voranschreiten koennen.

Ich weisz nicht, ob die Erklaerung des Ministers ”…eines nationalen Dengue-Alarms zeigt, dass die Philippinen unter die ‘Hoch-Risiko-Bevoelkerungen’ fallen, fuer die die World Health Organization den Anti-Dengue-Impfstoff empfiehlt.” Ich verstehe nicht, nach welcher Logik man da eine “Seropraevalenz von 70% oder mehr” herleiten kann. Das klingt mir mehr “gewollt als gefolgert”.

Dieser “erneuerte Aufruf” der Doctors for Truth bezieht sich auf ein Papier mit dem Titel “Statement on the Dengvaxia Controversy” vom 2. November 2018. In dem Papier wird die “unnoetige Angst und Panik” vor Impfungen beklagt, was die Aerzte in Zusammenhang bringen mit dem Dengvaxia-Skandal und dessen Untersuchung durch den Senat. Sie sagen: “Die oeffentlichen Anhoerungen wurden eher zu einem ‘Experten-Verpruegeln ~ expert bashing’ als zu einer Suche nach der Wahrheit. So etwas wie einen perfekten Impfstoff gibt es nicht.

Das stimmt allerdings: Impfungen koennen schief gehen. Ich erinnere einen Fall, von dem mir ein Freund erzaehlte, dass er – Spaziergaenger im Fuerther Stadtwald wie ich – sich nicht gegen Zecken impfen laesst, weil ein Nachbar von ihm an der Impfung starb. Nicht alle Menschen sind gleich, und was vielen hilft, kann einigen schaden. Manche reagieren allergisch auf Medikamente. Zu jeder Patienten-Aufnahme im Krankenhaus gehoert die Standard-Frage im Fragebogen, ob man gegen Anti-Biotika allergisch ist.

Das Problem bei Dengue ist jedoch, dass man von “Dengvaxia” genau weisz, wem es schadet, naemlich denen, die noch nie Dengue hatten. Und so darf es keine Wiederholung der bedenkenlosen Massen-Impfung mit “Dengvaxia” geben, die aus politischen Motiven von Ex-Praesident Benigno Aquino und Ex-Gesundheits-Ministerin Janette Garin angestoszen wurde. Das Vertrauen in solche Masznahmen wurde da gruendlich zerstoert, da haben die Doctors for Truth nun mal Recht.

Ob das Impfstoff-Verbot aufgehoben wird, ist eine andere Frage. Wenn es nach Beratung durch den Arzt – hoffentlich mit teurem Test auf “seropositiv” – angewendet wird, faellt die Verantwortung bei “Nebenwirkungen” auf den Arzt zurueck, nicht auf die Regierung – warum nicht?

Wie ich in einem Artikel der “Sueddeutschen Zeitung” zu Neben-Wirkungen der Masern-Impfung vom 20. Juli 2013 lese, gilt in Deutschland: “Fuer sie [die Schaedigung] erhaelt der Impfling eine Entschaedigung. Dafuer reicht es, wenn der Zusammenhang zwischen den Komplikationen und der Impfung moeglich ist – er muss nicht belegt sein.

Und hier klickert es bei mir mal wieder. Wie ist die Gesetzes-Lage in den Philippinen? Ich erinnere fast woertlich die Aussage, die der Vize-Praesident von Sanofi fuer Asien-Pazifik Thomas Triomphe Anfang 2018 vor dem Senats-Ausschuss machte: “Sollte es einen Fall geben im Bezug zu dieser Impfung, mit Tod oder anderem, werden wir die Kosten tragen, falls eine Kausalitaet durch wissenschaftlichen Beweis erbracht wird.

Eine “Kausalitaet durch wissenschaftlichen Beweis” ist etwas ganz anderes als ein “moeglicher Zusammenhang” – dazwischen liegen Welten. Und da die Untersuchungen des Senats zur Foerderung der Gesetzgebung durchgefuehrt werden, waere das eine Lehre aus dem Dengvaxia-Skandal, wenn man dem noch etwas Gutes abgewinnen will:

Aendert die Gesetze, dass zur Klage bei Folge-Schaeden durch Impfung nicht die “Kausalitaet” nachgewiesen werden muss, sondern ein “moeglicher Zusammenhang” bereits hinreichend ist. Damit wuerde euch auch Janette Garin nicht durch die Lappen gehen, die bei gegebener Gesetzeslage wohl “mangels Beweisen” wird freigesprochen werden.

 



 

Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews” “WHO”, “Merieux Foundation”, “Fraunhofer Gesellschaft”, “Rappler”, “Doctors for truth”, “Sueddeutsche Zeitung” u.a

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • August 2, 2019 um 09:58
    Permalink

    Guten Morgen,

    wenn ich den Artikel zu Dengvaxia lese, so kommt mir schlagartig in den Sinn, dass diese DTPW-Gruppe politisch motiviert ist.
    Sollte es tatsächlich dazu kommen dass Dengvaxia auf den Philippinen freigegeben wird, dann hat das Aquino-Garin-Konkubinat einen bedeutenden Sieg errungen.
    Kein Mensch wird die Anklage gegen die Anstifter der Impfungen mehr unterstützen.
    Denn die Vorwürfe können ja nicht so erst gemeint sein, wenn die Regierung später das Medikament frei gibt.
    Was mich betrifft, so hoffe ich, das das Medikament weiter verboten und das Konkubinat zur Rechensacht gezogen wird.

    Viele Grüße
    Dietmar Westenfelder

Kommentare sind geschlossen.