…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 01. August 2019

(zum Bild: Mary Jane Veloso wird von Manny Pacquiao in Indonesien besucht)

 

The Old is the New… – …sagt meine Frau immer, wenn es nichts Neues gibt. Aehnliches koennte ich heute sagen, und ich waere mit dem Blog fertig.

Nicht neu ist, dass chinesische Schiffe um Pag-Asa Island “schwaermen”. Da “schwaermen” sie gerne, und dass Auszen-Minister Teodoro Locsin an China eine “diplomatische Protestnote abgefeuert” hat, macht er oefter, verletzt wurde niemand. Und neu ist dabei ueberhaupt nicht, dass Senator Panfilo Lacson das nach dem Artikel eines chinesischen Strategen in einer chinesischen Zeitung nun wieder als “cabbage strategy ~ Kohl-Strategie” bezeichnet. Davon sprach er schon im April, ich zitierte das, dass die Chinesen, um von den Philippinen besetzte Inseln zurueck zu gewinnen, sie Untiefen, Riffe oder Inseln mit Schiffen einschlieszen. In der Mitte sind Fischer, darum die Mutterschiffe und Kuestenwache und auszen die Marine: “Die Insel ist so Lage um Lage eingewickelt wie ein Kohlkopf. Als Ergebnis hat die Kohl-Strategie Form gewonnen.” Das haelt andere ab, sich dort herumzutreiben oder einzurichten.

Nicht neu ist, dass der Natinale Sicherheits-Berater Hermogenes Esperon sagt, wir haetten keine einzige Insel in der West Philippine Sea verloren. Das hat er wahrscheinlich am 20. Juli in der “Times” gelesen, als Rigoberto Tiglao darueber geschrieben hat. Ich zitierte das, weil von SWS (Social Weather Station) damals gefragt wurde: “Nach Ihrer Meinung, ist es wichtig, dass die Kontrolle ueber die Inseln in der West Philippine Sea die China derzeit besetzt hat, an die Philippinen zurueckgegeben werden?” Das ist eine Suggestiv-Frage mit falscher Voraussetzung – die Chinesen haben Inseln besetzt, mit denen die Philppinen nichts zu tun haben. Doch Filipinos fielen prompt auf die Luege in der Frage herein, und jetzt will Esperon das ausraeumen.

Neu waere, dass die AFP (Armed Forces of the Philippines) nachdenkt, das Kriegsrecht ueber Negros verhaengen zu lassen, wie die “Times” meint. Da jedoch gemaesz “Tribune” die AFP meint, man brauche das Kriegsrecht in Negros nicht, vertiefe ich mich gar nicht erst in die Frage, wer da Recht hat, sondern warte, bis es da etwas Neues gibt.

Fuer meine 29 Leser… – …will ich jedoch darueber schreiben, was mir bei Lektuere heute aufgefallen ist, auch wenn es vielleicht nicht ganz so neu ist, mir aber eben zu denken gab.

Wegen des Ansteigens der Dengue-Faelle mahnt die Abgeordnete Janette Garin Gesundheits-Minister Francisco Duque “ein Mann” zu sein und “politischen Willen” zu zeigen, und “Dengvaxia” einzusetzen: “Wenn es Aerzte und Patienten gibt, die den Impfstoff brauchen, gebt es ihnen, verbannt es nicht. Privaten Aerzten und privaten Patienten, die bereit sind etwas auszugeben und das Leben ihrer Kinder und ihrer Familien zu retten, sollte gestattet sein dies zu tun.

Nun muss man wissen, dass die Ex-Gesundheits-Ministerin Janette Garin bekannt ist, weil sie im Verbund mit Benigno Aquino 800 Tsd philippinische Kinder mit dem nicht zugelassenen Impfstoff “Dengvaxia” maltraetierte, obwohl die nicht die Voraussetzungen erfuellten und durch die Impfung hoeherer Gefahr ausgesetzt sind, als waeren sie nicht geimpft worden. Etliche Verfahren sind gegen Garin anhaengig.

Doch sollte man nun das Kind nicht mit dem Bade ausschuetten. Der Impfstoff wurde inzwischen in den USA zugelassen, wenn man schon mal Dengue hatte – dann hilft es. Der Fehler bei der Massen-Impfung war, dass nicht ueberprueft wurde, ob die Impflinge “seropositiv” sind, was heiszt, sie hatten schon mal Dengue, und die Impfung waere okay gewesen. Die Gier nach politischer Macht – man wollte die Wahlen 2016 gewinnen und brauchte Positiv-Meldungen, “kostenlose Massen-Impfung” zum Beispiel – liesz die Vorsichts-Masznahme aus.

Man muss schon ueber seinen Schatten springen, will man dem Rat der Aerztin-Politikerin folgen, die in der Angelegenheit Verfahren wegen Totschlags am Hals hat. Doch sollte man bedenken, dass sie bis zum Spruch eines Gerichtes unschuldig ist. Und ob da ein Schuldspruch kommt, ist fraglich, denn nach Ansicht von Experten ist es nahezu unmoeglich, durch Obduktion eines Toten festzustellen, ob der an “Dengvaxia” oder an Dengue gestorben ist. Wenn aber die Todesursache unklar ist, wird jedes Gericht der Welt den Vorwurf des Totschlags einfach vom Tisch wischen.

Also, was?

 



 

Eine andere Frage taucht da auf, denn diesen Spruch “das Kind mit dem Bade ausschuetten” hat Antonio Contreras heute in der Ueberschrift seiner Kolumne in der “Times”. Er befasst sich mit den Entscheidungen von Praesident Rodrigo Roa Duterte zu PCSO (Philippine Charity Sweepstakes Office) und SoT-Gesetz (Security of Tenure). Contreras schlieszt die Kolumne: “Es ist schwierig zu vermuten, was in den Gedanken des Praesidenten vor sich geht, der am Morgen gegen das Gesetz zur Sicherung der Anstellung sein Veto einlegt, und am Abend Lotto verbietet, eine ansonsten legale Angelegenheit, [nur] wegen Korruptions-Vorwuerfen gegen das PCSO.

“Die Aufhebung des Lotto-Verbotes mag die unfaire Einbeziehung in die Verfuegung des Praesidenten korrigieren. Das ist zwar ein weiterer Beweis fuer die Bereitschaft des Praesidenten auf faire Kritik zu hoeren, doch nichtsdestotrotz zeigt sie auch eine Tendenz Entscheidungen zu treffen, die nicht zu Ende gedacht sind. Es ist nicht beruhigend zu glauben, dass einige Entscheidungen des Praesidenten nicht das Ergebnis sorgfaeltiger Analyse sind, sondern knieweiche Reaktionen, gleich das Badewasser auszuschuetten, ohne zu wissen, ob da noch das Baby drin ist.

Auf der anderen Seite handelt Praesident Duterte sehr wohl mit Bedacht, wenn er zum Beispiel Gesundheits-Minister Francisco Duque trotz aller Korruptions-Vorwuerfe weiter im Kabinett behaelt, solange der nicht verurteilt ist. Sprecher Salvador Panelo: “Die Unschulds-Vermutung gemaesz der Verfassung trifft auf jede Person zu, die eines Fehlverhaltens beschuldigt wird.

Also, was?

Ich verfolge stets die Kolumne von Yen Makabenta in der “Times”, auch wenn es mir mit seiner Klima-Diskussion manchmal zu arg wird. Doch heute weist er auf einen UN-Jugendgipfel zum Klima am 21. September in New York hin, der praktisch ein Vorspiel auf den UN-Klima-Gipfel am 23. September dort ist, und er merkt an: “Die schwedische Jugendaktivistin Greta Turnberg wird wegen ihrer Beruehmtheit im Mittelpunkt des Jugendgipfels stehen.” Ueber ihre Person und die Stellung, die sie einnimmt, macht Makabenta sich Gedanken: “Greta Tunberg wurde ins Rampenlicht geworfen und als das Kind markiert, das uns von unserer unvermeidlichen Klima-Katastrophe wegfuehren wird – wenn wir sie nur lassen. Erwachsene klammern sich an ihre Worte, betrachten sie als allwissendes Orakel, und sie bestehen darauf, dass wir in der Gegenwart unseres Retters sind.

Mir faellt da auf, dass Antonio Contreras vor zwei Tagen an Praesident Duterte einen aehnlichen “Status eines unfehlbaren Halbgottes” erkannte und mahnte: “Diese Verleihung von Unfehlbarkeit kommt jedoch mit unvorstellbarem Risiko und Gefahr.

Was ist mit den Tatsachen?

Ganz wie Falle der Janette Garin ist nicht alles so selbstverstaendlich wie es scheint. Die Wissenschaft kann nicht sagen, “ob jemand an Dengvaxia oder an Dengue gestorben ist”, und die Wissenschaft ist sich uneins, ob Kohlendioyd oder Sonnen-Aktivitaeten fuer die globale Erwaermung verantwortlich ist.

Also, was?

Und wo wir gad dabei sind – einen angefangenen Gedanken soll man auch zu Ende fuehren – im Moment wird die Todestrafe wieder diskutiert, und im Netz fragte sich ein Leser, wie es moeglich sei, dass “Manny” Pacquiao auf der einen Seite Mary Jane Veloso umarmt, und auf der anderen Seite sich als Senator fuer die Todesstrafe stark macht.

Ich hab dazu im Januar 2018 etwas geschrieben, was ich kuerzlich auch in einem Brief wiederholte, der in Facebook veroeffentlicht wurde. Da nicht alle in der Facebook-Gruppe sind, haenge ich den Beitrag “Dura lex, sed lex” an. Wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn kurz lesen, bevor er meine Frage an den Leser, an “Manny” Pacquiao und alle Verfechter der Todestrafe beantwortet: “Wuerden Sie persoenlich Mary Jane Veloso hinrichten?

Also, was?

 



 

Hier nochmal der Beitrag vom 6. Januar 2018:

Dura lex, sed lex… – …das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz. Im Falle von Mary Jane Veloso ist es nachgerade grausam, wofuer sich das Appellations-Gericht (CA ~ Court of Appeals) nun fast schon entschuldigt: “Fuerwahr, die erste und grundlegende Aufgabe des Gerichtes ist, das Gesetz anzuwenden.” Und so verwehrt es erneut, dass Mary Jane Veloso im Prozess gegen Maria Cristina Sergio und Julius Lacanilao ihre Aussage in Indonesien machen kann – doch betrachten wir das im Zusammenhang.

Mary Jane Veloso war von Maria Sergio, einer guten Bekannten von ihr, ein Koffer untergejubelt worden, in dessen Futter Heroin verborgen war, wovon Veloso nichts wusste. Das Heroin wurde bei Einreise am Flughafen in Indonesien entdeckt, und ein Gericht dort verurteilte Veloso zum Tode. Praesident Benigno Aquino setzte sich fuer sie ein, Sergio stellte sich in den Philippinen, und in dem Prozess gegen die und ihren Komplizen sollte Veloso aussagen.

Die fuer den 29. April 2015 angesetzte Hinrichtung wurde von indonesischen Behoerden aufgeschoben, “solange der Prozess gegen Maria Cristina Sergio und Julius Lacanilao in den Philippinen nicht abgeschlossen ist.” Velosos Aussage sollte am 27. April 2017 in Yogjakarta, Indonesien, in Anwesenheit des Richters ueber die Buehne gehen, hatte Richterin Anarica Castillo-Reyes vom Distrikts-Gericht Sto. Domingo, Nueva Ecija, entschieden. Geht nicht, befand das von den Verteidigern von Sergio und Lacanilao angerufene Appellations-Gericht im Maerz 2017, weil in Kriminal-Faellen der Zeuge persoenlich vor Gericht und “face to face” mit dem Angeklagten aussagen und seinen Eid ablegen muss. Nun kann die in Indonesien inhaftierte Veloso genauso wenig in Nueva Ecija erscheinen, wie das Gericht in einem indonesischen Gefaengnis tagen kann. Also bat die Familie das Appellations-Gericht, die Entscheidung zu ueberdenken. Das tat das Gericht, kam mit Entscheid vom 13. Dezember 2017 aber zu demselben Ergebnis wie im Maerz. Das – siehe oben – bedauerte das Gericht in diesem Falle selbst, aber das Gesetz ist das Gesetz.

Die Sache kann noch an das Oberste Gericht gehen, was aber kaum anders entscheiden kann.

Ein Hilferuf an Praesident Rodrigo Roa Duterte verbietet sich. Der hatte schon im September 2016 waehrend eines Besuchs bei Praesident Joko Widodo kategorisch festgestellt: “Wir stimmen darin ueberein unsere jeweiligen Rechtsprozesse zu respektieren.” In Bezug auf ein Gnadengesuch fuer Veloso sagte er: “Es gaebe wohl einen schlechten Geschmack im Mund zu sagen, dass man eine harte Haltung zu Drogen einnimmt, und hier dann um etwas zu bitten … Tut mir Leid. Ich muss mich fuer nichts entschuldigen, weil das Gesetz nun mal das Gesetz ist.

So sieht es nicht gut aus fuer Veloso, denn selbst wenn der Prozess gegen Sergio und Lacanilao auch ohne ihre Aussage eindeutig zeigt, dass sie als “unwissender Lastesel” missbraucht wurde, kippt das nicht das Urteil des indonesischen Gerichts – sie hat das Heroin in’s Land gebracht. Hoffnung fuer Veloso gaebe es, wenn Praesident Widodo die Tragik in diesem “deadlock” der “jeweilig respektierten Rechtsprozesse” erkennt und das Todesurteil in lebenslange Haft wandelt.

Ich halte das fuer eine romantische Fantasie.

Visayan… – …faellt heute aus, Blog wird zu lang.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Daily Tribune”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht