…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 23. Juli 2019

(zum Bild: Der neue Sprecher des Hauses ist Cayetano)

 

Kein Schwarzer Ritter… – …keine Parkett-Revolution, nur ein Scherz unter Insidern begleitete die Wahl zum Sprecher des Hauses. Als Paolo Duterte zuerst das Wort ergriff, um einen Sprecher vorzuschlagen sagte er: “Mr. Speaker ich nominiere einen Fuehrer, der lokale und nationale Probleme versteht, jemand der die verschiedenen Zweige der Regierung ueberbruecken kann, der tief und ernsthaft das Haus der Abgeordneten vertreten kann, wie auch die Philippinen in der internationalen Arena. Mr. Speaker, ich nomiere den ehrenwerten Herrn vom Distrikt…” Hier kam jetzt eine Pause, bei der er sich naeher ueber das Papier vor sich beugte, als koenne er das schlecht lesen, dann aber merkte, dass die Spannung im Haus stieg, ob er nun einen anderen Namen als den zuvor von allen erwarteten Cayetano nennen wird, und da laechelte er kurz beiseite, was mit Lachen im Haus quittiert wurde, bevor er schloss: “…Taguig-Pateros, Alan Peter Cayetano.

Cayetano wurde mit 266 Stimmen der 297 Anwesenden zum Sprecher gewaehlt; das Haus hat 301 Mitglieder. Bleibt beilaeufig zu erwaehnen, dass Vicente Sotto wie erwartet zuvor zum Senats-Praesidenten gewaehlt wurde.

Die Rede – Einleitend koennte man anmerken, dass eigentlich alles so war wie im letzten Jahr: die Rede war fuer 4:00 p.m. angesetzt, sie begann damals wie gestern erst um 5:15 p.m. Der Grund war damals der Coup, der Pantaleon Alvarez stuerzte und Gloria Macapagal-Arroyo als Sprecherin inthronisierte. Das Gerangel dauerte an, als Praesident Rodrigo Roa Duterte laengst im Haus war und wartete, dass er seine Rede abliefern konnte. Gestern warteten der Kongress und die Gaeste auf den Praesidenten, der erst um 4:46 p.m. mit dem Hubschrauber kam und um 5:15 ans Rednerpult trat. Ein Gund fuer die Verspaetung wurde nicht genannt, mit etwas Humor kann man es als Retour-Kutsche deuten: diesmal wartet ihr, nicht ich.

Ich verfolgte das am TV, “CNNPhil” war live dabei. Im Plenum waren Senat und Haus versammelt, und unter den Gaesten auf der Tribune erkannte ich im Publikum alle mir vom Gesicht her vertrauten Minister der Regierung, die ehemaligen Praesidenten Fidel Ramos, Gloria Macapagal-Arroyo, Joseph Estrada und neben diesem Vize-Praesidentin Leni Robredo mit Staats-Minister Salvador Medialdea und dem Obersten Richter Lucas Bersamin. Von Ex-Praesident Benigno Aquino war schon vorher bekannt, dass er nicht kommt. Man weisz, dass er nicht gern in der Naehe der Arroyo ist. Als im Juli 2016 der National Security Council tagte, zu dem auch ehemalige Praesidenten gehoeren, kam Aquino als Arroyo, Duterte und Ramos bereits anwesend waren; Aquino gab Duterte und Ramos die Hand, der Arroyo gab er sie nicht. Seither geht er solchen Peinlichkeiten aus dem Weg.

Vom diplomatischen Korps kannte ich nur die Botschafter der USA und Chinas. Amuesant fuer mich war, als man auf den Praesidenten wartete, dass Auszen-Minister Teodoro Locsin mit Chinas Zhao Jianhua plauschte, waehrend US-Sung Kim sich zu der in der Reihe vor ihm sitzenden Rodredo herunterbeugte. Da sieht man, wer es mit wem kann und mit wem nicht – dachte ich mir. Im Publikum sah ich auch Dutertes Lebens-Gefaehrtin Honeylet Avanceña und Tochter Veronica.

Praesident Duterte sprach bis 6:48 p.m. – zum Inhalt gleich in gesonderten Punkten, erstmal den gesellschaftlichen Aspekt – und verliesz den Saal unter Haendeschuetteln und Selfie-Posieren. Im Foyer war das philippinische Symphonie-Orchester, nicht nur die Musik von Freddy Aguilar vom Band, und als Duterte aus dem Saal kam, spielten sie “Ikaw”, Lieblingslied des Praesidenten, der sich auch animieren liesz und dazu live sang. Nach einigem Hin und Her gab er als Zugabe noch “Moon River”. Meine Frau war hin und her gerissen auf dem Sofa und sang mit.

 



 

“I will end my term fighting”… – …titelt die “Times” und bezieht sich damit auf die Aussage des Praesidenten in seiner SONA (State of the Nation Address), dass er sich nach halber Amtszeit zwar immer noch den nicht ausgeraeumten Problemen Drogen und Korruption gegenueber sieht, aber er wird durch Umfragen ermutigt. An denen findet er nicht die hohe Zustimmung interessant, sondern die sinkende Ablehnung. Das ist im Grund genug, den Kampf mit allen Mitteln weiter zu fuehren, und dazu fordert er die Wiedereinsetzung der Todesstrafe. Er sieht darin einen “wichtigen Beitrag, eine vertrauenswuerdige Regierung aufzubauen, die ihre Buerger und Jugend vor Kriminalitaet schuetzt, besonders vor der Art, die von illegalen Drogen-Haendlern und -Kriminellen fortgesetzt wird.

Auf Seiten der Regierung sieht er auch Handlungs-Bedarf – “More action, less talk government” titelt der “Standard” – und Duterte sagt dazu: “Wir in der Regierung reden zu viel und handeln zu wenig, und zu langsam. Ich erinnere, was ich vor einer Kongress-Anhoerung sagte, als ich noch Buergermeister von Davao war. Ich sag das nochmal, um zu betonen, wie wenig wir uns seither geaendert haben. Wir sind langatmig in unserer Rhetorik, aber wir kommen zu kurz in der Ausfuehrung.

Das “Bulletin” titelt “We are our own enemy”, und es bringt als Hauptpunkte von Dutertes Rede die Aussagen – Korrupte werden nicht verschont – Todesstrafe muss wieder eingefuehrt werden – Antraege bei Behoerden muessen nach 3 Tagen fertig sein – Gehalt von Lehrer und Krankenpflegern wird erhoeht – Raeumt die Straszen frei um das Verkehrsproblem zu loesen. Zu seiner kritischen Aussage ueber die Filipinos selbst kam Duterte mit folgenden Saetzen: “Ganz ehrlich, ich habe den Feind identifiziert, der uns in den Schlamassel gestuerzt hat, in dem wir uns befinden. Ich habe den Feind von Angesicht zu Angesicht gesehen. Und traurig zu sagen, der Feind sind wir… Wir sind unsere eigenen Peiniger. Wir sind unsere eigenen Daemonen, die sich die Schwachen und Schutzlosen zur Beute machen.

Eine Lektion fuer alle – Der Praesident hatte angekuendigt, dass er in der SONA zur West Philippine Sea sprechen und die Buerger darueber aufklaeren will, was Sache ist. Er sprach auch dazu, berichtete ueber sein Gesprach mit Xi Jinping und erklaerte: “Die West Philippine Sea gehoert uns, ohne wenn und aber (no ifs and buts).” Auf der anderen Seite stellt er aber auch fest: “Konflikt-Vermeidung, ein bewaffneter Konflikt und Schutz unserer territorialen Gewaesser und natuerlichen Ressourcen zwingt uns zu einem Balance-Akt. Ein Schieszkrieg vergroeszert nur Not und Elend. Ein Krieg laesst Witwen und Waisen in seinem Kielwasser hinter sich. … Ich bin nicht bereit oder geneigt, die Vermehrung von Zerstoerung zu gestatten, noch mehr Witwen und mehr Waisen, sollte auch nur ein begrenzter Krieg ausbrechen. Mehr und bessere Ergebnisse koennen eher erreicht werden in der Geheimhaltung eines Konferenzraumes als in oeffentlicher Zankerei.

Zur Erlaeuterung der Philosophie Dutertes, die er in dieser Auseinandersetzung mit China vertritt, empfehle ich unbedingt die Lektuere der Kolumne von Sass Roganda Sasot in der heutigen “Times” unter dem nichts-sagenden Titel “Notes from Maastricht” – sie lehrt in den Niederlanden. Es geht darin um die unvereinbaren Positionen Chinas – “Wir haben nicht verhandelbare Souveraenitaet in der South China Sea … wir akzeptieren keinen Schiedsspruch” – und der philippinischen Position – “Die West Philippine Sea gehoert uns … Wir reden nicht mit China, wenn sie den Schiedspruch nicht akzeptieren”. So kommt man nicht weiter.

Es sei ein groszer Fehler zu glauben, dass China sich der Staerke beugt. Das ist eine einaeugige Sicht der Dinge, die Sasot mit dem Schachspiel vergleicht: alles zielt nur darauf, mit Figuren, die verschiedene Aufgaben verfolgen, den gegnerischen Koenig zu schlagen, dann ist das Spiel aus

 



 

Mit Asiaten muss man Go spielen.

Das Spiel sieht simpel aus, ist aber anspruchsvoller. Alle Figuren haben denselben Wert, das Spiel sieht chaotisch und unvorhersehbar aus, doch wenn man Go mit Schach vergleicht, kommt einem Schach wie ein Kinderspiel vor. Hierzu zitiert Sasot nun Henry Kissinger, der in seinem Buch “On China” dazu schrieb: “Waehrend es in Schach auf die Entscheidungs-Schlacht ankommt, geht es bei Go um einen hingezogenen Feldzug. Der Schach-Spieler zielt auf den Endsieg. Der Go-Spieler sucht den relativen Vorteil. Im Schach hat der Spieler alle Figuren des Gegners vor sich; alle Kraefte sind voll entwickelt. Der Go-Spieler muss sich nicht nur um die Figuren auf dem Brett kuemmern, sondern auch um die Kraefte, die der Gegner in einer Position entwickeln koennte. … Waehrend der geschickte Schach-Spieler darauf abzielt, die gegnerischen Figuren in einer Serie von Konfrontationen auszuraeumen, zielt der talentierte Go-Spieler darauf in leere Raeume des Brettes zu gehen und so das strategische Potential seines Gegners nach und nach zu vermindern. Schach produziert Engstirnigkeit: Go foerdert strategische Flexibilitaet.

Es koennte auffallen, dass Schach viele Regeln und eingeschraenkte Bewegungs-Moeglichkeiten hat, waehrend Go wenig Regeln und unbeschraenkte Bewegungs-Moeglichkeiten hat. Da sind “leere Raeume” interessanter als “beherrschte Felder”. So ein “leerer Raum” war einmal die South China Sea, dort hat nun China seine “Figuren” entwickelt. Wer ueber den Tellerrand schaut, koennte vor sich die Belt & Road-Initiative auftauchen sehen, mit der China sich in Richtung Europa entwickelt, was man nicht als Ziel missverstehen darf – zwischen der Zange des Land- und des See-Weges liegt halb Asien mit Russland im Norden und Indien im Sueden. China spielt Go, nicht Schach wie die USA, das sich mit einzelnen “Figuren” vor Chinas Inseln abmueht.

Duterte tut gut daran, dass er sich auf das Go-Spiel versteht und erkennt: “Mehr und bessere Ergebnisse koennen eher erreicht werden in der Geheimhaltung eines Konferenzraumes als in oeffentlicher Zankerei.

Visayan… – ..faellt aus. War zuviel Politik gestern und Lektuere heute.

 



 

Gemaesz “CNNPhil”, “PNA”, “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.