…aus der philippinischen Presse

 



 

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 16. Juli 2019

(zum Bild: Dengue-Alarm)

 

Dengue Alarm – Das politische Gerangel fuellt nicht allein die Titelseiten der Blaetter. Beim “Standard” ist der vom DoH (Department of Health) ausgerufene Dengue-Alarm die Schlagzeile. Betroffen von Dengue sind besonders die Visayas plus das suedliche Luzon und das noerdliche Mindanao. Landesweit haben sich Dengue-Faelle im ersten Halbjahr gegenueber demselben Zeitraum im Vorjahr von 57 Tsd auf 106 Tsd fast verdoppelt. Denguefieber wird von der Aegyptischen Tigermuecke uebertragen. Es aehnelt einer schweren Grippe, die aber toedlich verlaufen kann, wenn es zu inneren Blutungen kommt. Man weisz, dass das Fieber alle drei bis vier Jahre Spitzen erreicht; die letzte Spitze war 2016.

Gefaehrdet sind besonders die 27 Mio Schueler und Studenten, ein Viertel der Bevoelkerung, die oeffentliche Schulen besuchen. Nicht alle Raeume haben entsprechende Gitter (screens) an den Fenstern, da soll nachgeruestet werden. Da es keine vorbeugende Schutz-Impfung gibt, wird die “4S- Strategie” empfohlen: Suche und zerstoere Brutplaetze (stehendes Wasser), Selbstschutz durch lange Aermel und abweisende Cremes, Suche bei ersten Anzeichen den Arzt auf, und Stimme zu, wenn bei Ausbruch die Muecken in der Gegend mit einem Nebel bekaempft werden.

Welten und Ueberwelten – Ansonsten bestimmt das politische Gerangel die Blaetter. Man diskutiert, ob die Philippinen sich – wie die USA – aus dem Menschenrechtsrat verabschieden sollen, was Auszen-Minister Teodoro Locsin in einem Tweet angedacht hat. Malacañang weist darauf hin, dass der Praesident die Richtlinien der Auszen-Politik bestimmt. Was die Menschenrechts-Frage angeht, meint Harry Roque, Ex-Sprecher des Praesidenten, dass der Menschenrechtsrat ein “zahnloser Tiger” sei. Der Leitartikel der “Times” beklagt, dass der philippinische CHR (Commission on Human Rights) nicht die Position der Regierung stuetzt, sondern sich mit dem Ansinnen des Menschenrechtsrates gemein macht – was verstaendlich ist, denn der CHR ist eine der letzten Bastionen der Opposition. Antonio Contreras findet in seiner Kolumne in der “Times” jedoch, dass die Philippinen sich nicht aus allen UN-Einrichtungen verabschieden koennen, am Ende stuenden sie alleine da.

Das Thema South China Sea wird weiter diskutiert, und General Staatsanwalt Jose Calida merkt zu Vorschlaegen von Richter Antonio Carpio an, wer eine andere Auszen-Politik will, solle sich erst zum Praesidenten waehlen lassen. Praesident Rodrigo Roa Duterte hat in einem Exklusiv-Interview mit dem “Tribune” gesagt, dass er sich mit Chinas Praesident Xi Jinping schon fast einig war ueber die Fischerei-Rechte in den strittigen Gebieten – sie zu teilen 60% fuer die philippinische, 40% fuer chinesische Fischer – als der Zwischenfall auf der Recto (Reed) Bank dazwischen kam.

Nun weisz ich nicht, waere sie zustande gekommen, wie man die 60:40-Aufteilung haette kontrollieren koennen, doch die Frage sollte vor einem groeszerem Hintergrund betrachtet werden. Hierzu empfehle ich die Lektuere des Artikels von Franka Lu in der gestrigen “Zeit” mit der Ueberschrift “Europa darf sich nicht aufgeben”. Sie raet darin, westliche Demokratien sollten sich durch die schiere Groesze der wirtschaftlichen Macht Chinas nicht verfuehren lassen und sich nicht “den Vorstellungen des Regimes in Peking anpassen”.

 



 

Der Artikel ist zu lang, ihn zu referieren, doch die zum Selbstschutz unter dem Pseudonym Lu schreibende Journalistin und Unternehmerin, die in China und Deutschland arbeitet, zeigt Faelle auf, wie China seine “Soft Power” weltweit unter die Leute bringt, in der Zensur und Unterdrueckung von Minderheiten uebertuencht werden, und so ist ein Beispiel: Die Cambridge University Press “blockierte auf Verlangen der chinesischen Regierung mehr als 300 Aufsaetze und Buchkritiken auf der chinesischen Seite von China Quarterly, einer der angesehendsten Zeitschriften auf dem Feld der Chinastudien; die Leitungen der Universitaet und des Verlags in Cambridge widerriefen diese Entscheidung bald und gaben die Texte wieder frei, doch ein Praezedenzfall war geschaffen.” Es gibt andere Beispiele.

Vor dem Hintergrund und mit Blick auf die gestern diskutierten “Welten” stellt sich auch fuer die Philippinen die Frage, ob sie sich “aufgeben” und 60:40 von China in ihre Politik reinreden lassen wollen. Nun steht den Philippinen keine Alternative zur Verfuegung. Der “deep state” der USA, der sich im gestern erwaehnten “triple nexus” der Meinungs-Macher George Soros, Madeleine Albright und Pierre Omidyar personifiziert, und der in der US-Regierung durch Sicherheitsberater John Bolton und Auszen-Minister Mike Pompeo vertreten ist, ist eben nicht demokratisch-vorbildlich, wie man es wuenschen koennte. Und das zerstrittene Europa steht selbst vor der Frage, ob es sich vor diesen oder jenen Karren spannen lassen soll. Die “Ueberwelten” sind suspekt geworden.

Da war guter Rat teuer, heiszt an der Stelle immer im Maerchen, und gute Feen sind ausgestorben, die da helfen koennten. So warten nun alle – ich auch – auf die SONA (State of the Nation Address) am naechsten Montag und hoffen, dass Praesident Duterte einen Weg durch die Klippen kennt, die sein Staatschiff hueben wie drueben gefaehrden.

Saysay sa adlaw – Tan-awa og unsay rumbo sa barko. 

tan-aw schauen, sehen + …Imperativ, og Verbinder, unsay ~ unsa ang was + best. Art., rumbo Richtung, Ziel, sa von, barko Schiff

Satz des Tages – Schau welche Richtung das Schiff nimmt.

 



 

Gemaesz “Manila Standard”, “Manila Times”, “Daily Tribune”, “Zeit” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.