…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 13. Juli 2019

(zum Bild: UN Menschenrechtsrat nimmt die Philippinen ins Visier)

 

Zwischen den Laendern I – Die Verabschiedung von Islands Antrag, die Menschenrechts-Situation in den Philippinen untersuchen zu lassen, schafft hier boeses Blut. In seiner Art zog Praesident Rodrigo Roa Duterte das ins Laecherliche und sagte gestern in der Rede zum 28sten Juebilaeum der Gefaengnis-Verwaltung in Camp Aguinaldo, Quezon City: “Island? Was ist das Problem mit Island? Nur Eis. Das ist euer Problem. Ihr habt zuviel Eis und da gibt es nicht richtig Tag und Nacht. Schon um vier Uhr nachmittags ist es da wie nachts. So koennt ihr verstehen, warum es dort keine Kriminalitaet gibt, da gibt es auch keine Polizisten, sie laufen nur herum und essen Eis. [Gelaechter] Die sind doch bescheuert – sie verstehen die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Probleme der Philippinen nicht.

Nun, ob das die rechte Art ist, anderen Laendern die Probleme der Philippinen nahezubringen, darueber laesst sich streiten. Die Frage ist aber, ob hieisge Politiker ueberhaupt noch von westlichen Laendern verstanden werden wollen. Auszen-Minister Teodoro Locsin twittert mit ueblen Hintergedanken: “Wir wollen keine Erz-Luegner sagen lassen, dass sie Augenzeugen des nie Geschehenen waren, Indizien sammeln, die nicht existieren, und Beweis-Imitationen nie geschehener Ereignisse anschaffen, um ihre Entlohnung durch Drogen-Kartelle zu rechtfertigen.

Grund genug fuer die Aufregung gibt es. Im UN-Menschenrechtsrat, dem die USA seit Juni 2018 nicht mehr angehoeren, sitzen nicht alle Laender der Welt, sondern 47 von der UN-Generalversammlung gewaehlte Landes-Vertreter. Die 47 haben mit 18 fuer, mit 14 gegen den Island-Antrag gestimmt, 15 haben sich enthalten. Damit war nicht mal die einfache Mehrheit in dieser Untermenge der Laender der Welt dafuer, das haetten 24 sein muessen.

Da stellt sich die Frage: warum tun die das? Geht es darum, Duterte eins auszuwischen? Leila de Lima schreibt im “Rappler”: “How to stop the Duterte killing machine.” Im Westen mag das ankommen, die sind Welten von den Philippinen entfernt, doch hier, wie de Lima selbst bemerkt, nehmen sich Indonesien, Sri Lanka und Bangladesch Dutertes Drogenkrieg zum Vorbild. Locsin meint zu der Entscheidung: “Sie repraesentiert nicht den Willen des Rates, noch weniger den der Entwicklungs-Laender, die stets das Ziel solcher Resolutionen sind.” Sind auf diese Weise die Menschenrechte Vorwand, die Kolonialherrschaft des Westens ueber den Rest der Welt mit anderen Mitteln fortzusetzen? Als billige Arbeitskraefte kann man sie gut gebrauchen, und die Reichen dort kaufen gern deutsche Luxus-Autos. Die werden auch bevorzugt geschmuggelt, aber da hat Duterte ja nun eine Schrottpresse dazwischen gestellt.

 



 

Zwischen den Laendern II – Laut einer Umfrage der SWS (Social Weather Stations) sind 87 Prozent der Filipinos dafuer, dass die philippinische Regierung ihre Rechte auf die Inseln in der West Philippine Sea durchsetzt, wie das der Staendige Schiedshof 2016 in seiner Entscheidung festgelegt hat.

Wunderbar, die Frage ist wie, und das beschaeftigt Antonio Contreras heute in seiner Kolumne in der “Times”. Er erkennt, dass es keine Welt-Regierung gibt, die die Sprueche des Schiedshofes durchsetzen koennte, doch eben deshalb meint er, dass die Philippinen sich behaupten und nachdruecklicher auf den Spruch des Schiedshofes und den MDT (Mutual Defense Treaty) mit den USA pochen muessen. Ich frage mich, ob dieses “Pochen” etwas anderes ist als das “Klopfen auf Holz”, wenn man wuenscht, dass etwas gut verlaufen moege, das keine Aussicht auf Erfolg hat.

Zu den Fragen der West Philippine Sea aka South China Sea will Duterte in seiner SONA (State of the Nation Address) am 22. Juli etwas erlaeutern. Richter Antonio Carpio raet ihm jetzt schon, sein “Gentlemen Agreement” mit Xi Jinping, wer wo fischen darf, besser nicht zu erwaehnen. Carpio warnt: “In dem Augenblick, in dem er die Aussage in der SONA macht, ist es die endgueltige Bestaetigung, dass diese muendliche Vereinbarung ein bindendes Abkommen zwischen den Philippinen und China ist.

Ich wage zu bezweifeln, dass Duterte auf diesen Rat hoeren wird. Eben weil es kein Welt-Gericht gibt, leben wir in der “Anarchie souveraener Staaten”, in der sich jeder um sich selbst kuemmern muss. Und den MDT sollte man in der Angelegenheit vergessen. Nachdem US-Praesident Donald Trump sich dem Militaer-Schlag gegen den Iran verweigerte, ist das “Drohen mit dem groszen Bruder” eine hohle Geste geworden. Niemand wird fuer ein paar Fische in den Krieg ziehen.

 



 

Zwischen den Laendern III – Yen Makabenta ist in seiner Kolumne in der “Times” wieder bei seinem Lieblingsthema: “90 italienische Wissenschaftler weisen die Globale Erwaermung in einer Petition an italienische Fuehrer ab.” Ihm geht es darum, dass es keinen “Konsens der Wissenschaft” gibt, dass die beobachtbare Erwaermung “menschen-gemacht” sei durch den Ausstosz von Kohlendioxyd. Es gebe periodische Schwankungen der Sonnen-Aktivitaet, die nicht in den Klima-Modellen beruecksichtigt sind, die aber Klima-Schankungen schon erzeugten, bevor die Verbrennung von fossilen Stoffen seit der Industrialisierung ins Spiel kam. Wer meint, wenn er seinen CO2-Fuszabdruck minimiere, der fuehlt sich moeglicherweise wohl im Glauben Gutes zu tun, allein wird er die Welt so nicht retten koennen, und moeglicherweise versuendigt er sich dabei noch viel mehr in ganz anderer Weise.

In dem Bericht von Philip Alston, Berichterstatter der UN fuer extreme Armut und Menschenrechte, heiszt es: “Der Klimawandel wird verheerende Folgen fuer Menschen in Armut haben. Selbst unter guenstigsten Annahmen werden Hunderte von Millionen getroffen von Ernaehrungs-Unsicherheit, erzwungener Auswanderung, Krankheiten und Tod. Der Klimawandel bedroht die Zukunft der Menschenrechte und riskiert die Vernichtung der letzten fuenfzig Jahre Fortschritt in Entwicklung, Welt-Gesundheit und Armuts-Bekaempfung. … Die Entwicklungs-Laender werden geschaetzt 75 bis 80 Prozent der Kosten des Klimawandels tragen. … der Klimawandel hat bereits die weltweite Ungleichheit verstaerkt, und die Luecke zwischen dem Pro-Kopf-Einkommen reicher und armer Laender wird um 25 Prozent groeszer sein, als sie es ohne den Klimawandel waere.

Das Problem ist in Feuer an die Wand geschrieben, so wie bei Heinrich Heine am Hof des Belsatzar: “Mitternacht zog naeher schon, / In stummer Ruh lag Babylon.” Doch wie soll es geloest werden? US-Praesident Donald Trump wollte einen Ausschuss einrichten, der sich vorurteilsfrei mit dem Klima-Wandel befasst. Das wurde mit dem Hinweis auf den “Konsens der Wissenschaft” von den CO2-Bekaempfern niedergebruellt. Das reiche Europa will sich mit einer CO2-Steuer aus der Affaere ziehen, sich das Wohlgefuehl verschaffen, “alles Menschen-Moegliche” getan zu haben, und die Entwicklungs-Laender schauen in die Roehre, wenn sie dafuer aufkommen, was die Industrie-Staaten anrichten.

Was getan werden muss, weisz ich nicht, und da bin ich nicht allein. Bei Heine heiszt es da auch: “Die Magier kamen, doch keiner verstand / Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Und wenn nichts getan wird? Bei Heine endet das so: “Belsatzar ward aber in selbiger Nacht / Von seinen Knechten umgebracht.

Saysay sa adlaw – Lupdon lang sa ubang langgam ang laing kontinente. 

lupad fliegen + …on Z/M verschliffen zu lupdon wird, kann fliegen, lang nur, sa vonunbang ~ uban nga zusammen, andere + Verbinder, langgam Vogel, ang best. Art., laing ~ lain nga anders, fremd + Verbinder, kontinente Kontinent

Satz des Tages – Manche Voegel fliegen gemeinsam von einem Kontinent zum anderen.

 



 

Gemaesz “PCOO”, “Manila Times”, “Rappler”, “Manila Bulletin”, “Daily Tribune”, “Manila Standard”, “PNA”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.