…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 09. Juli 2019

(zum Bild: Wird Duterte seine gewünschten Sprecher des Hauses bekommen?)

 

Sprecher des Hauses – Waere es nicht traurig, koennte man darueber lachen. Um den Posten des Sprechers des Hauses balgen sich einige Leute und fuehren sich auf wie Elefanten im Porzellan-Laden, oder – wie im Kindergarten, da soll es ja aehnlich zugehen.

Nachdem sie in ihrer Not, den Posten zu erhaschen nicht weiterkamen, haben sie mit Praesident Rodrigo Roa Duterte gesprochen. Der hat sie wohl einigen oder ueberzeugen koennen, und verkuendete gestern in Malacañang bei der Vereidigung von neuen Mitarbeitern der Regierung: “So, der Sprecher des Hauses wird Alan Peter Cayetano sein. Er teilt sich die Amtszeit mit Lord Velasco. Und Romualdez wird der Sprecher der Mehrheit sein. … Ich habe versucht mich daraus zu halten… Aber offensichtlich fand ich, dass es Zeit sei, dass ich etwas sage. So, das ist die Ausgangs-Stellung.

Drei Dinge will ich anmerken.

Zum ersten scheinen die Philippinen wirklich einen Diktator zu haben, ohne dessen Wort nichts geht.

Zum zweiten scheinen die Philippinen wirklich mit der Demokratie auf Kriegsfusz zu stehen, weil sie in keine Abstimmung gehen, ohne sich vorher sagen zu lassen, wem sie ihre Stimme geben sollen.

Zum dritten muss man bedenken, dass Zusagen ein unausgesprochenes Haltbarkeitsdatum haben. Kein Mensch weisz also, wie am 22. Juli abgestimmt wird – schlieszlich ist der Praesident kein Diktator, der einem Filipino etwas sagen koennte, und ein Filipino laesst sich nichts sagen.

Ja, wo sind wir denn? – Nachdem AI (Amnesty International) erneut festgestellt hat, dass Dutertes Krieg gegen Drogen ein “grosz-angelegtes Mord-Unternehmen” ist, fragt Salvador Panelo, Sprecher des Praesidenten, warum AI nicht Anzeige erstattet, wenn sie einen Fall kennen. Tun sie nicht – also ist es Hoerensagen in erkennbar politischer Absicht.

Was sie tun, nachdem Island mit seinem Antrag zur Untersuchung bei der UN offenbar abgeblitzt ist, ist das Narrativ zu aendern. Wenn man sieht, dass man mit einem Argument – “extra judicial ~ auszer-gerichtlich” nicht durchkommt, dann sucht man sich ein anderes. Schlieszlich ist man sprach-kompetent, und dafuer ist Sprache halt da: die Gedanken des anderen so zu lenken, dass der am Ende selbst sieht, was man ihn sehen machen will. Nur so kann man fuehren, und klappt das mit einer Geschichte nicht, erzaehlt man eben eine andere.

 



 

So liegt der Schwerpunkt des Vorwurfs gegen den Drogenkrieg nun darin, dass er “ueberproportional auf die Armen abzielt”. Man rechnet mit der Reaktion “Arme abknallen – pfui!” In das Bild passt, dass bei einer Schieszerei mit der Polizei ein 3-jaehriges Kind getoetet wurde. Kinder sind immer unschuldig, also – “die Polizei erschieszt Unschuldige”. Zwar sagt die Polizei, der Verdaechtige habe seine Tochter als Schutzschild vor sich gehalten und auf sie geschossen, aber – wer glaubt schon der Polizei? Wenn dann noch der ehemalige Polizei-Chef Ronald dela Rosa, sozusagen “Erfinder des Drogenkrieges”, jetzt grad zum Senator gewaehlt, den Vorfall mit “Shit happens” kommentiert, dann bekommt das menschenrechtliche Unwohlsein die Krise.

Mal abgesehen davon, dass dela Rosa sich den Kommentar wirklich haette sparen koennen, aber es sind nun mal die Leute im Senat, die gewaehlt wurden, und da ging es – wie beim Praesidenten – offenbar nicht um gewuenschtes staatsmaennisches Auftreten, sondern um was weisz ich, warum die Leute diesen oder jenen waehlen. Auf jeden Fall sind die Menschen hier zufrieden, die dem Praesidenten grad wieder laut SWS (Social Weather Stations) eine Rekord-Zufridenheit bescheinigen.

Der andere Aspekt, der bei all dieser gewuenschten Aufregung der Gefuehle – “arme, unschuldige Kinder umbringen, ja, wo sind wir denn?” – leicht unter die Raeder kommt, ist die Souveraenitaet dieses Landes.

Die Frage “ja, wo sind wir denn?” sollte durchaus woertlich genommen werden. Die globale moralische Welt gibt es so wenig wie das Weltgericht, und so weist Auszen-Minister Teodoro Locsin Frankreich und das Vereinigte Koenigreich zu Recht darauf hin, dass sie die Souveraenitaet der Philippinen verletzen, wenn sie ohne vorher um Erlaubnis zu bitten mit Kriegsschiffen durch philippinische Gewaesser fahren. Als sie darauf hingewiesen werden, antworten die Kommandeure der Schiffe , dass ihre Aktion doch zum Schutz der “philippinischen Souveraenitaet” sei. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: um die Souveraenitaet der Philippinen zu schuetzen, ignoriert man sie einfach! Sind Frankreich und das Vereinigte Koenigreich Vormund der Philippinen?

Und es ist auch Locsin, der vor der UN bezueglich des islaendischen Antrags zur Untersuchung des Drogenkrieges hier, auf die Souveraenitaet der Philippinen hinweist und “dessen nicht diskutables oder hinterfragbares Recht, Unschuldige vor kriminellen Elementen zu schuetzen, durch jedes Mittel, das dazu dient, die Letzteren auszurotten.

Der Antrag Islands allein ist eine Anmaszung, die Zweifel am Rechts-Verstaendnis der islaendischen Vertreter beim UN-Menschenrechtsrat aufkommen lassen, aber – ich will mich ueber Menschrechts-Fragen nicht mehr aufregen. Es ist halt Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, und damit muss man leben wie mit Krieg und Cholera.

Meine Bitte vom Montag… – …wiederhole ich, weil nicht jeder jeden Tag ins Netz geht. Ich moechte, an einem Beispiel – an mir selbst – feststellen, wie weit der Einfluss eines Micro-Influencer reicht, wie am Montag erlaeutert. Wer dies nun liest und das auch wissen will, moege eine E-Mail an “heiko.gsc@gmail.com” mit dem Stichwort “xy aus ?? ist Leser von Heiko Eckard”. Der xy darf ein Pseudonym sein, das ?? steht fuer das Land, und da bitte das Land das ersten Wohnsitzes nennen, weil ich wissen moechte, ob es Westler oder Hiesige sind, die mich lesen. Die “likes” in Facebook reichen fuer eine Aussage nicht, weil es nicht um das Moegen geht, und weil ich nicht nur da zu lesen bin. Neben meiner originalen Web-Seite und “Christophs Wohnzimmer” bringen mich auch die “Philippinen-Nachrichten”.

Einige haben schon geantwortet, was mich freut. Das Ganze bis Ende Juli auszudehnen scheint mir jedoch zu grosz gedacht – kein Mensch liest die Zeitung von letzter Woche. Ich wiederhole heute und morgen diese Bitte, und werde am Wochenende an dieser Stelle etwas dazu schreiben.

Saysay sa adlaw – Palihog, balosi ang akong sulat! 

palihog bitte, balos Antwort + …i bildet Imp. antworte, sulat Brief

Satz des Tages – Bitte, beantworte meinen Brief!

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.