…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 04. Juli 2019

(zum Bild: Duterte sitzt politisch zwischen zwei Stühlen)

 

Chaos-Theorie – Kaum schrieb ich gestern zur moeglichen Kandidatur des Paolo “Pulong” Duterte fuer die Position des Sprechers des Hauses, dass ich da ein wunderbares Chaos fuer den 22. Julierwarte, wenn der Kongress sich konstituiert, da verkuendet “Hugpong ng Pagbabago”, dass sie auch einen Kandidaten ins Rennen schicken, naemlich den Abgeordneten Isidro Ungab. Nach Zaehlung des “Standard” gibt es damit schon 8 Kandidaten fuer den Posten. Ich will die nicht aufzaehlen, am Schluss muss man sich doch nur einen Namen merken, mir faellt aber auf, dass hinter diesem neuerlichen Kandidaten “Pulongs” Schwester “Inday” Sara Duterte-Carpio steckt. Will sie hinter ihrem Bruder nicht zurueckstehen, oder was treibt sie an?

Da wir darauf kaum eine Antwort bekommen, bleibt uns nur so eine Art Chaos-Theorie, die fuer alles gilt, was zwischen Anfang und Ende der Welt geschieht. Konzentriert man alle Energie – die ist gleich Materie, das wissen wir aus der Relativitaets-Theorie – auf einen singulaeren Punkt, so kommt es zum Urknall – Anfang der Welt. Da nach dem Zweiten Hauptsatz der Thermo-Dynamik alle Energie von einem Koerper hoeherer Ordnung zu dem einer niederen Ordnung uebergeht, so versimmert die Welt schlieszlich in gleichverteilter Unordnung aller Materie im Waermetod – Ende der Welt. Das ist nicht die Klima-Katastrophe, die naechste Woche oder so kommt, sondern dann ist wirklich Schluss, und das erwarte ich am 22. Juli, wenn im Haus jeder sein eigener Kandidat ist und man in “gleichverteilter Unordnung” nicht mehr weiterkommt.

Am 24. Juli 2018, dem Tag nach der Konstitution des Kongresses letztes Jahr, schrieb ich unter dem Stichwort “It’s more fun in the Philippines” dieses: “Nur der Torfall von Madrid am 1. April 1998 vor dem Anpfiff des Champions League-Spiels von Real Madrid und Borussia Dortmund, fuer deren Live-Kommentar waehrend der 75-minuetigen Verspaetung des Spielbeginns Marcel Reif und Guenther Jauch den Bayerischen Fernsehpreis 1998  erhielten, kann mithalten mit der aehnlich langen Verzoegerung, bis Praesident Rodrigo Roa Duterte gestern ans Rednerpult gehen konnte…

Ich bin gespannt, was ich heuer am 23. Juli schreiben werde.

 



 

Die Lumad… – …die derzeit durch die USA touren um darauf aufmerksam zu machen, dass CPP-NPA-NDF (Communist Party of the Philippines-New People’s Army-National Democratic Front) sie nach und nach umbringen, erzielen offenbar Erfolge bei Filipinos, die in den USA bisher ein falsches Bild der hiesigen Regierung hatten. So berichtet ein Artikel der “PNA” – man braucht auch ab und an mal eine “success story” – von der Filipina Celma Damaguing, die in den USA auf Einladung einer Freundin einer Facebook-Gruppe angehoerte, die Interessen von Frauen in den Philippinen unterstuetzte, hiesz es. Nachdem sie dort aber nur Hass-Postings gegen die Regierung und Aufrufe zu Demos gegen den Staat fand, verliesz sie die Gruppe. Auf der Suche nach der Wahrheit kam sie mit anderen Filipinas am Dienstag in das philippinische General-Konsulat in New York, wo die IP (Indigenous People ~ Lumad) aufklaerten ueber die Grausamkeiten, die sie von Kommunisten erdulden. Und dort widerfuhr ihr dies: “Ich fuehlte mich wie erleuchtet. Ich wusste nicht, dass die Gruppe, der ich in Facebook beigetreten war, unter jenen Gruppen war, die kommunistische Terroristen unterstuetzen, wie unsere IP-Fuehrer erzaehlten. … Ihr Besuch hier ist signifikant, denn jetzt weisz ich, welche Gruppen sie [die Lumad] vernichten. Zumindest wissen die Menschen das nun, das ist wichtig.

Ich wuensche den Lumad, dass sie weiter solche Erfolge ihrer Aufklaerungs-Kampagne erzielen. Grad der Westen hat da enormen Nachhol-Bedarf.

 



 

Zwischen den Stuehlen – In seiner gestrigen Kolumne in der “Times” befasste sich Rigoberto Tiglao mit dem Spruch des Haager Schiedshofes von 2016 zur South China Sea, die ich nicht referierte, weil sie mir “nichts Neues” schien. Wenn ich sie nach eingehender Lektuere heute wieder aus der Ablage hole, dann wegen ihrer Klarheit. Tiglao zitiert einen Aufsatz, der kurz nach Spruch des Schiedshofes in Washington veroeffentlicht wurde in dem Magazin “The National Interest”, das sich mit internationalen Beziehungen ohne ideologische Brille befasst. Der Aufsatz nimmt sich drei Fragen vor:

Gibt es fuer China einen Weg, die Entscheidung wuerdevoll zu akzeptieren?

Nein. Es wuerde damit seinen eigenen Anspruch als Groszmacht untergraben: “Groszmaechte erkennen Rechtsprechung anderer in ihren vitalen Interessen nicht an.

Wuerde eine festere amerikanische Entchlossenheit China dazu bringen, den Spruch zu akzeptieren?

Nein. Das Gegenteil ist zu erwarten, naemlich eine Eskalation der Lage in der Region.

Zeigt Chinas Ablehnung des Schiedshofes, dass dessen ‘Anpassung’ an die internationale Ordnung gescheitert ist?

Nein. Chinas Vorgehen zeigt eher eine Anpassung an die amerikanische Ignoranz internationaler Regeln: “Regeln sind fuer kleine Leute oder so, laesst sich aus Amerikas Akte ablesen.

Ergo: “Wir haben diskutiert, dass China keinen Weg hat, den Spruch des Schiedshofes wuerdevoll zu akzeptieren, dass die USA sie nicht dazu zwingen koennen, und dass, entgegen den reflexhaften Spruechen aus Washington, China eine internationale Ordnung nicht ablehnt, sondern diese einfach so behandelt, wie die USA das tun – in diesem Sinne: Amerika hat die Groszmacht China, die es verdient.

Von daher sahen die Autoren Jared McKiney und Nicholas Butts keinen anderen Weg, als dass die Philippinen und China sich bilateral so einigen, dass beide Seiten davon profitieren. So skizzierten sie bereits die Politik, die Praesident Duterte gegenueber China tatsaechlich vertritt. Ob er den Aufsatz in “The National Interest” damals gelesen hat?

Weil ich es nicht glauben konnte, habe ich gegoogelt: der Aufsatz kam wirklich am 14. Juli 2016 heraus, 2 Tage nach dem Spruch des Haager Schiedshofes, und darin steht es so, wie Tiglao das zitiert hat.

Betrachtet man von da aus Dutertes Position, so sitzt er zwischen zwei Stuehlen. International bewegt er sich in der Anarchie souveraener Staaten und muss sich behaupten. Da kann er Recht haben soviel er will, gegen Groszmaechte hilft das nicht. National ist er an die Verfassung gebunden, und an die muss er sich halten, auch wenn er sie in die Defensive gedraengt als ein “Stueck Papier” fuer “Gedankenlose und Unverstaendige” verunglimpft. Als Praesident muss er das aushalten, nach auszen den Staat nicht auf’s Spiel zu setzen und nach innen sich dafuer pruegeln zu lassen von einer Opposition, die den Unterschied zwischen dem Sinn und dem Buchstaben des Gesetzes ignorieren kann, weil sie ja nicht in seiner Position ist.

In diese Kerbe haut auch die heutige Kolumne in der “Times” von Yen Makabenta. Es gibt da einem Widerspruch zwischen UNCLOS (UN Convention on the Law of the Sea) von 1982 und der Verfassung von 1987, die UNCLOS nicht beruecksichtigt. Nach UNCLOS ist die EEZ (Exclusive Economic Zone) kein Territorium eines Staates, die Verfassung tut aber so, wenn sie in Article XII, Section 2, sagt: “The State shall protect the nation’s marine wealth in its archipelagic waters, territorial sea, and exclusive economic zone, and reserve its use and enjoyment exclusively to Filipino citizens.” Das geht weit ueber UNCLOS hinaus, die die EEZ eben nicht als “souvereign territory” betrachtet, in dem Filipinos sich exklusiv bewegen und verhalten koennen.

Saysay sa adlaw – Wa gyod ko masayod ana. 

wa ~ wala kein, nicht, gyod ~ gayod wirklich, ko ~ ako ich, sayod wissen, bekannt sein + ma… V/G koennen masayod kann wissen, ana ~ kanadas, jenes

Satz des Tages – Das konnte ich wirklich nicht wissen.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard”, “PNA” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.