…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 02. Juli 2019

(zum Bild: Der neue Senat ist bereit neue Gesetze zu erlassen)

 

One on One – In der Untersuchung des Zwischenfalls auf der Recto (Reed) Bank lehnt China eine dritte Partei ab. Das meldet die Schlagzeile der “Times”, als sei das eine Ueberraschung. Ebenso wenig erstaunlich ist Yen Makabentas Kolumne dort, der den Hilferuf an die USA fuer sinnlos haelt, weil die UNCLOS (UN Convention on the Law of the Sea) nicht ratifiziert haben. Mal abgesehen davon, dass es fuer Hilfeleistung unerheblich ist, ob jemand der einen oder anderen Gruppe angehoert, helfen kann jeder, ist dieses Nicht-Mitmachen der USA seit dem Standoff 2012 bei Scarborough Shoal bekannt, worauf sie ja die Philippinen 2013 zum Schiedshof in den Haag geschickt haben, weil sie selber da nicht hingehen koennen.

Die USA sind nicht bei UNCLOS dabei, wie sie auch dem UN-Menschenrechtsrat und dem ICC (International Criminal Court) nicht angehoeren, weil sie sich von anderen nicht richten lassen, und im UN-Sicherheitsrat haben sie ein Veto-Recht, falls ihnen da etwas nicht gefallen sollte.

Dasselbe gilt auch fuer China mit dem Unterschied, dass die UNCLOS unterzeichnet haben. Doch da gilt – und dafuer ist die Kolumne von Makabenta wieder interessant – ein Zitat von Lyndon B. Johnson: “Es ist beser, im Zelt zu sein und nach drauszen zu pissen, als von drauszen hinein zu pinkeln.

China – wie auch die USA neuerdings unter Donald Trump in ihrer Handels-Politik – verhandelt nur in One-on-One-Gespraechen. Sie unterwerfen sich keinen Mehrheiten – basta. Das haben sie oft genug gesagt, und wer will ihnen da auch reinreden? Und so ist auch mit dem Code of Conduct fuer die South China Sea keine Aenderung zu erwarten, wofuer Praesident Rodrigo Roa Duterte derzeit Wortfuehrer der ASEAN ist: wenn der Code kommt und China mitmacht, wird er nicht rechtsverbindlich sein – wer sollte der Richter sein? Auch da wird One on One ausgekaspert, wie man mit der Sache umgehen soll.

 



 

Neue Gesetze – Nun sind ja seit gestern die neu Gewaehlten im Amt, wenn sich der Kongress formell auch erst an 22. Juli konstituiert, danach folgt die SONA (State of the Nation Address) des Praesidenten, doch schon werden die ersten Gesetze eingebracht, welche Abgeordnete und Senatoren durchbringen moechten. Ich greife ganz willkuerlich einige heraus.

Dass Senator Ronald dela Rosa die Todesstrafe wieder einfuehren will, ist bekannt, und so grundehrlich wie der Kerl ist, sagt er auch, dass er nur mit der Parole seinen Wahlkampf gefuehrt hat und mehr will er auch nicht erreichen.

Ob man diese Ehrlichkeit auch dem Abgeordneten Antonio Albano anrechnen kann, der Marihuana fuer medizinische Zwecke zulassen will, kann ich nicht beurteilen. Ein Schelm, wer da an Eigenbedarf denkt.

Mir gefaellt der Vorschlag von Senator Ralph Recto, der ein Gesetz “One Town, One Doctor” einbringt. Man bezahlt das Medizin-Studium eines Studenten einer Stadt, der sich dafuer verpflichtet, dass er nach Abschluss vier Jahre in der Stadt praktiziert. Ich halte das fuer eine Riesen-Idee, wie man Aerzte in die Provinz bekommt, und sie nicht (gleich) in die Grosz-Staedte oder in’s Ausland abwandern laesst. Hoffentlich findet er Mehrheiten.

Gemischte Gefuehle habe ich bei dem Gesetz von Senats-Praesident Vicente Sotto, das Alter fuer kriminelle Verantwortlichkeit von 15 auf 12 Jahre zu senken. Er entspricht damit einem Wunsch des Praesidenten, und es gibt andere Laender der Welt, wo das Alter auch tiefer als 15 angesetzt wird. Hier wird gern argumentiert, dass das Gehirn der Kinder noch nicht genuegend entwickelt sei, und man beruft sich dabei auf Psychologen.

Da klingelt bei mir eine Alarmglocke. Die Psychologie ist keine Wissenschaft, sondern Kaffesatz-Leserei. Ich verweise auf den Fall – nicht in den Philippinen, doch das gibt’s ueberall – dass in Muenchen vier forensische Gutachter (sprich: Psychologen) einem Mann, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 17 Faellen verurteilt war, Ausgang aus der psychiatrischen Unterbringung gestattet haben, der darauf prompt ein 11-jaehriges Maedchen vergewaltigt hat.

An anderer Stelle schrieb ich mal: “Ein anderer Vorschlag waere, jene Gutachter, die derart falsifizierte Prognosen abgegeben haben, gleich mit den Taetern wegen Beihilfe einzusperren. Es bedarf keiner hellseherischen Faehigkeiten vorherzusagen, dass es von Stund an keine guenstigen Sozialprognosen mehr gaebe. Was besagt das eigentlich für den Wahrheitsgehalt heutiger Prognosen? Halten die Psychologen ihr Tun wirklich selbst fuer eine Wissenschaft, oder pflegen auch sie – aehnlich den Philosophen – doch mehr eine straffreie Form der Unwissenheit, vulgo: Narrenfreiheit? Fuer die Philosophen spricht immerhin, dass die eh niemand ernst nimmt. Vor Gericht aber hoert der Spasz auf…

Was ich sagen will, ist dies: bildet euch selbst euer Urteil, jede Altersgrenze ist nackte Willkuer. Es gibt Kinder, die haben mehr Verstand als hundert Erwachsene, und es gibt Erwachsene, die sind mental im Kindergarten steckengeblieben – wo will da wer eine Grenze ziehen? Jede Grenze ist falsch und richtig zugleich, und urteilen muss am Schluss der Richter, ja, der kann einem Gutachter auch widersprechen.

 



 

Pinoy oder nicht Pinoy… – …ist das eine Frage? Auf Jolo, Sulu, gab es in der letzten Woche ein Selbstmord-Attentat auf den Fuehrungs-Posten des First Army Brigade Combat Team, bei dem 8 Menschen (inklusive Taeter) getoetet und 22 verletzt wurden. Man versucht nun herauszufinden, waren die Taeter Pinoys oder eingereiste Auslaender? Besonders beharrlich beharkte Pia Hontiveros bei “CNNPhil” gestern in ihrer “News Night” mit Zaehnen und Klauen einen Sprecher der Armee mit dieser Frage, der die nicht beantworten konnte, weil DNA-Untersuchungen der Taeter-Reste noch ausstehen.

Ich frage mich: wofuer ist das wichtig? Was hat man gewonnen, wenn man Recht hat mit der in Medien oefter geaeuszerten Annahme Pinoys seien keine Selbstmord-Attentaeter? Als widerspraeche es der “Natur der Filipinos”. Man weisz, dass der IS (Islamic State) im Sueden Fusz fassen will, und Marawi hat gezeigt, dass sich dafuer auch Filipinos gewinnen lassen, und das war auch ein Selbstmord-Kommando, das bis zur letzten Patrone gekaempft hat. Wo ist der Unterschied?

Es ist nichts als die uebliche Fremden-Feindlichkeit, die es in allen Laendern gibt: wir sind die Guten, das Boese bleibt fuer die anderen uebrig, und mit den Migranten kommt das Boese dann in’s Land.

Wie durchsichtig.

Saysay sa adlaw – Ang katarong modaog gyod sa dautan. 

ang best. Art., tarong richtig, recht + ka… bildet Substantiv katarong Recht, daog ueberlegen sein + mo… Z/M modaog wird ueberlegen sein, gyod ~ gayod wirklich, sicher, sa ueber, daut kaputt, nicht in Ordnung + …an bildet Substantiv dautan Boese

Satz des Tages – Das Recht wird ueber das Boese siegen.

 



Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard”, “Sueddeutsche Zeitung”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.