…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 30. Juni 2019

(zum Bild: US-Botschafter zu den Philippinen ist einer der Ganster die im Dunkeln warten)

 

Wie man Streit vermeidet – Der Zwischenfall auf der Recto (Reed) Bank hallt immer noch nach in den Blaettern, und ich haette das nicht mehr angefasst, waere da nicht die Kolumne von Mauro Gia Samonte in der “Times” heute, die er ueberschreibt: “Die Woche, als der Praesident aufhoerte zu reden”.

Samonte wundert sich, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte, der sonst nichts auf sich sitzen laesst, es mehr oder weniger schweigend hinnahm als auf ihn einpruegelten:

Ex-Auszen-Minister Albert del Rosario meint, dass der benachbarte Bully, unsere Fischer weiter einschuechtert. Wir muessten einen Weg finden, ihn zur Verantwortung zu ziehen.

Der Richter am Obersten Gericht Antonio Carpio meint, das philippinische Volk muesse ein starkes Signal aussenden, dass die diplomatischen Bande zerschnitten werden, sollte das nochmal passieren.

Der Professor fuer Maritime Anglegenheiten Jay Batongbacal haelt es fuer erwiesen, dass ein chinesisches Schiff ein philippinisches Fischerboot versenkt und dessen Besatzung sich selbst im Meer ueberlassen hat.

Der Polit-Analytiker Richard Heydarian meint, dass der Zwischenfall Zweifel an Duterte China-Politik aufkommen laesst, sodass er das Volk nicht mehr so gut davon ueberzeugen kann.

Die Frage sei nun, so Samonte, ob die Meinung dieser “Influencer” auch die Meinung des Volkes spiegeln. Falls ja, haette der Praesident sich scharf und entschieden aeuszern muessen. Hat er aber nicht – warum?

Hierzu faellt Samonte nun ein Schwank aus seiner Jugend in den 60er Jahren in Manila ein. Er zog mit einer Gruppe nach einem Audit fuer einen Gesangs-Wettbewerb auf dem Heimweg durch eine Slum-Gegend, als er von Straszenkindern angegriffen wurde, die auf ihn einpruegelten. Er hatte dabei einen Gedanken: wenn du dich ernsthaft wehrst, dann kommen die “groszen Brueder” der Kids aus ihren Verstecken, von wo aus sie das beobachten und machen dich fertig. Also wehrte er halbherzig Schlaege ab und einigen jungen Frauen in seiner Gruppe gelang es, auf die Kids einzureden und sie von der Attacke abzubringen.

Die “im Dunkel versteckten Gangster” im Vergleichs-Falle Duterte, so Samonte, seien:

Das US-Auszen-Ministerium, das den Zwischenfall  als Unterminierung der Stabilitaet in der Region betrachtet.

Der US-Botschafter in den Philippinen Sung Kim, der betont, dass die USA dem Mutual Defense Treaty verpflichtet seien, und der darauf vertraut, dass sich die Fuehrer in Washington und Manila bewusst sind, was auf dem Spiel steht und entsprechend handeln werden.

Praesident Duterte schwieg eine lange Woche, und dann fand er, dass die Angelegenheit ein einfacher maritimer Unfall sei – was China zuvor auch gesagt hatte. Samonte: “Fuer den Praesidenten spricht, er blieb ruhig, als er unter Beschuss war – bewahrte gesunden Menschenverstand.

Die Schlagzeile der “Manila Times” gestern zitierte den Praesidenten: “Um US-Hilfe anfragen koennte zum Krieg fuehren.

Samonte: “Er wird das nicht tun.

 



 

G20-Gipfel – Der Leitartikel der “Times” betrachtet den G20-Gipfel unter dem Aspekt “Wie Diplomatie auf der globalen Buehne funktioniert”. Leider aber erfaehrt man genau das nicht: nach dem G20 ist vor dem G20. Man verhandelt wieder, die Zoelle bleiben, es gibt im Moment keine neuen Zoelle, US-Firmen duerfen an Huawei verkaufen, die Chinesen sollen dafuer bei US-Farmern kaufen. Man behandelt die Aufregung als “einfachen kommerziellen Unfall”, um im oben gewaehlten Bild zu bleiben.

Ansonsten gibt es zu dem Gipfel eher Stimmungs-Bilder. “Xinhua”: “Xi, Trump vereinbaren die Handels-Beratungen wieder aufzugreifen, bestimmen den Ton der China-US-Bande.” Der Artikel in der “Washington Post” beginnt so: “Praesident Trumps Entscheidung am Samstag, die Einschraenkungen fuer Chinas Telekommunikations-Giganten Huawei zu lockern und neue Zoelle auf chinesische Gueter aufzuschieben, mag die festgefahrenen Handels-Gespraeche mit Peking wieder beleben, aber es belaesst die Unterhaendler gegenueber denselben harten Themen, welche die Verhandlungen Anfang Mai scheitern lieszen.” Und ein Kommentar in der “Sueddeutschen Zeitung” beginnt so: “Dass die USA und China ihre Handelsgespraeche wieder aufnehmen, ist erst einmal eine gute Nachricht. Solange beide Seiten Handel aber als eine Art Ausscheidungskampf begreifen, ist ein Kompromiss unmoeglich.

Und das rueckt die Perspektive zurecht. Geht es um Handels-Vertraege oder um Geo-Politik? Geht es um Fischer auf der Recto Bank, oder geht es darum, wem die South China Sea gehoert?

Worum es auch gehen mag: Hauptsache, man hat erstmal Streit vermieden.

Saysay sa adlaw – Nangita kag away? 

kita suchen, treffen, finden + na… V/G verschliffen zu nangita sucht, kag ~ ikaw og du + unbest, Art., away Streit, Krieg

Satz des Tages – Suchst du Streit?

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Xinhua”, “Washington Post”, “Sueddeutsche Zeitung” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.