…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 25. Juni 2019

(zum Bild: Der wilde Süden der Philippinen – Mindanao)

 

Manche Themen… – muss man beiseite schieben, weil sie die Sicht verstellen auf nicht weniger Wichtiges, das man sich aus den Blaettern aber erst zusammenfisseln muss, weil es nicht als Schlagzeile, Leitartikel oder Kolumne daherkommt.

Also heute mal kein USA, kein China, kein G20, kein Angat-Damm und keine Recto-Bank, sondern ein paar Fragen: was ist im unruhigen Sueden der Philippinen los? Ist Abu Sayyaf in Rente? Ist Marawi wieder aufgebaut? Sind die Menschen da unten mit dem BOL (Bangsamoro Organic Law) zufrieden?

Ende 2018 wurde bekannt, dass der traditionelle Tauschhandel zwischen Sabah, Malaysia, und Tawi-Tawi/Sulu, Philippinen, wieder aufleben soll, der im April 2016 von Malaysia untersagt wurde, weil es zuviele Entfuehrungen von Haendlern und Fischern durch Abu Sayyaf gab. Der Tauschhandel war ein wichtiger Teil der Wirtschaft in der benachteiligten Region, von der die Gemeinden laengs der Grenzen von Sabah, den suedlichen Philippinen und dem indonesischen Kalimantan profitierten. Diese Profite entfielen mit dem Verbot.

Praesident Rodrigo Roa Duterte unterzeichnete dazu eine EO (Executive Order) 64, die am 31. Oktober 2018 in der “Official Gazette” veroeffentlicht wurde, welche den Handel im Sulu-Archipel regelt. Die EO regelt, wo der Tauschhandel moeglich ist – in den Haefen Siasi und Jolo in Sulu und Bongao in Tawi-Tawi – und was getauscht werden darf – Reis, Mais und Zucker brauchen weiterhin eine Genehmigung.

Zu diesem Tauschhandel sprach Praesident Duterte in Bangkok mit dem Premier von Malaysia, Mahathir Bin Mohamad: “Ich bat seine Exzellenz, den Premier Minister von Malaysia, die Verhandlungen unser beider Laender fuer den Tauschhandel zu beschleunigen, da dies den kleinen Gemeinden laengs der Grenze eine Lebensgrundlage und ein Einkommen bietet. … Die Einrichtung des Tauschhandels ist eine Investition in den Frieden fuer eine inklusive, ausgewogene und dauerhafte Entwicklung besonders in der neu errichteten Bangsamoro-Region in Muslim MIndanao. Er spricht die verbreitete Armut an und verhindert die Foerderung von Instabilitaet und Unsicherheit in dieser durchlaessigen Gegend der Bangsamoro-Region.

In Bangkok traf Praesident Duterte sich auch mit dem indonesischen Praesidenten Joko Widodo und man einigte sich auf die Festlegung der EEZ (Exclusive Economic Zone) zwischen beiden Staaten, die sich ueberlappen.

 



 

Immer wieder war es da zur Festnahme von Fischern gekommen, die sich beim Nachbarn bedienten. Indonesien reagierte besonders rigide. Die Boote der Fischer wurden verbrannt oder – machte sich gut im Fernsehen – gesprengt, und die Fischer landeten in indonesischen Gefaengnissen. Da bleiben sie, bis sich jemand um sie kuemmert, und das war das Problem – es kuemmerte sich niemand. Die Fischer arbeiten nicht fuer Firmen, die fuer sie aufkommen, sondern fuer Strohmaenner, die nur einen Anteil am Gewinn zahlen – bei schlechtem Fang gar nichts. Die besaszen aber nicht mal das Boot, das wurde – oder ein Kredit dafuer – von Firmen gestellt. So musste sich die Regierung um die Rueckfuehrung der Fischer kuemmern. Im Februar 2015 wurden 43 Fischer repatriiert, im Maerz 2016 154 Fischer, im Mai 93 Fischer, und im September 170 Fischer – passend zum Tuna-Festival in GenSan.

Mit der Regelung der Grenzfragen sollte – anders als in der South China Sea – wenigstens im Sueden der Philippinen Ruhe bei den Fischern einkehren.

In Bangsamoro ist der Normalisierungs-Prozess im Gange, wie der Friedens-Berater des Praesidenten Ex-General Carlito Galvez bei einem Forum in Isabela, Basilan, nun feststellte. Hierzu gehoert die Entwaffnung von 12 Tsd Kaempfern der MILF (Moro Islamic Liberation Front) dieses Jahr, und die Umwandlung von 6 MILF-Camps in friedliche Siedlungen. Ueber das Vorgehen hatte man sich am Wochenende bei einem Treffen auf der Island Garden City of Samal vor Davao geeinigt.

Von Abu Sayyaf hoert man weniger. Zwar hatten sie kuerzlich 10 Fischer vor der Kueste von Sabah als Geiseln genommen, von denen sie nun aber 9 in Sulu freilieszen. Es wird gemeldet, dass es Badjau sind, See-Zigeuner, fuer die offenbar kein Loesegeld zu erwarten ist. Die Badjau sind da unten immer die Gekniffenen. Meist leben sie in Sabah, werden von Malaysia aber als Filipinos ohne Papiere erachtet. Ab und an schiebt man welche nach Philippinen ab, die kehren aber wieder dahin zurueck. Wegen Fragen, ob Sabah zu Malaysia oder zu den Philippinen gehoert, gibt es einen Streit, der derzeit auf Eis liegt, er wird nur von Unruhestiftern wie Nur Misuari gern auf’s Tapet gebracht.

Von Marawi hiesz es zuletzt, bis August seien nicht-explodierte Sprengmittel geraeumt. Man hofft, “dass bis Dezember 2021 der Wiederaufbau von Marawi fast komplett sein soll.” Dafuer ueberlegt derzeit Finanz-Minister Carlos Dominguez, wie die naechste Phase des Wiederaufbaus finanziert wird, der Aufbau von Infrastruktur und Wasser-Versorgung. Er denkt daran, Marawi-Bonds auszugeben, und gruebelt, wie er die attraktiv machen kann.

Wie man es auch sehen mag – es tut sich etwas im Sueden, aber fertig ist noch nichts.

Saysay sa adlaw – Dili nga kana ayohon, kay daut na kaayo. 

dili nein, nicht, nga Verbinder, kana das, dieses, ayo gut, in Ordnung + …hon Z/M passiv ayohon kann, wird repariert, kay weil, daut kaputt, na ~ kana das, kaayo sehr

Satz des Tages – Das kann man nicht reparieren, weil es total kaputt ist.

 



 

Gemaesz “Daily Tribune”, “Manila Times”, “PNA”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.