…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 15. Juni 2019

(zum Bild: Eß- und Trinkverhalten etlicher deutscher Auswanderer, aber daheim über den Unwillen zur Integration von Zuwanderern lamentieren.)

 

Dutertes Rede in GenSan… – …ist nun als Transcript auf der Web-Seite des PCOO (Presidential Communications Operations Office) inklusive der englischen Uebersetzung des Visayan, sodass man sich ein Bild davon machen kann. Doch da beginnt die Schwierigkeit.

Praesident Rodrigo Roa Duterte haelt keine Rede im westlichen Stil, die sich zwei, drei, eine Handvoll Punkte vornimmt, nacheinander abhakt und fertig. Duterte extemporiert, d.h. er redet, wie es im in den Sinn kommt, sagt etwas hierzu, etwas dazu, dann faellt ihm das noch ein, und so erstellt sich ueber die Dauer der Rede hin ein Bild in Tupf-Technik. Welche Farbe er grad auf dem Schwamm hat, tupft er hier und tupft da, wo sie halt hingehoert, und dann geht es mit der naechsten Farbe weiter.

Die Farben sind Leitgedanken, die er verfolgt:

-Er versteht nicht, warum die Kommunisten sich nicht ergeben, wo er ihnen Haus, Land und eine Ausbildung bei TESDA (Technical Education and Skills Development Authority) bietet.

-Er macht die Landreform, die jeder verspricht, aber bisher keiner angefasst hat.

-Er warnt vor dem KAPA-Betrug.

-Er wehrt sich gegen ueble Nachrede.

Diese Gedanken verfolgt er aber nicht einen nach dem anderen, sondern sie kommen halt hier und da vor. Und er argumentiert auch nicht, wie ein Westler das mit “pro” und “contra” taete. Er ist ein Filipino, seine Gedankenwelt ist 20 Flugstunden vom Westen entfernt.

 



 

Im Netz lese ich oft “so einen wie Duterte braeuchten wir bei uns auch”. Unfug! Er wuerde im Westen nicht mal verstanden, selbst wenn die Zeitungen statt der “Rappler”-Luegen nun die uebersetzten Transcripte seiner Reden von den “PCOO”-Seiten veroeffentlichen wuerden. So redet er zu Kommunisten, die mit ihrem Kindern gefangen wurden und sagt: “Teufel auch. Es ist gut, dass ihr noch am Leben seid, dass euer Kind noch gelebt hat, um euch zu sehen. Was ist, wenn ihr gestorben waert? Die NPA [New People’s Army] haette euch einfach im Wald vergraben. Was haben sie sonst zu bieten? Es ist gut, dass ihr euer Kind noch sehen konntet.

Das sagt einem nur etwas, wenn man weisz, welchen Umstand Filipinos mit der Beisetzung ihrer Toten betreiben. Das kann sich ueber ein, zwei Wochen ziehen, bis alle Verwandten und Bekannten sich von dem aufgebahrten Leichnam verabschiedet haben, und da kommen auch immer welche mit, die den nicht kennen, aber bei dieser “vigil ~ Totenwache” gibt es zu essen und zu trinken, man spielt Karten, einige beten, manche saufen, andere jammern, und was weisz ich. Dagegen – einfach im Wald vergraben zu werden, das ist das nackte Grauen. Wer wuerde sich das antun wollen?

Ich lese zu oft im Netz von Leuten, die hierher kommen, sich eine westliche Enklave mit Brot, Wurst und Schnitzel einrichten und die Philippinen toll finden. Wer Filipinos verstehen will, sollte seinen Kuehlschrank ausraeumen – haben eh nicht alle Filipinos – in die naechste Karenderiya gehen und Reis mit Mungo Beans essen. Nein, kein Lechon, das gibt es nur an hohen Feiertagen, und man leistet sich das nicht selbst. Der Filipino haelt ein Schwein nicht um es zu essen, sondern um es zu verkaufen, wenn er eine teure Medizin braucht oder sein Kind eine Schuluniform. Lechon kriegt er nur, wenn er dazu eingeladen wird, und dann bringt er eben noch ein paar Leute mit, die auch schon ein Jahr lang kein Lechon mehr gesehen haben.

Duterte ist die Landreform ernst. Damit untergraebt er ein Argument der Kommunisten, die Land und Arbeit versprechen, aber nie in eine Position kamen, diese Versprechen einloesen zu muessen. Duterte verteilt Land, und nicht an die Reichen, damit die dort Casinos einrichten und noch reicher werden. Er verweist auf Boracay: “Um nur einen Punkt zu beweisen. Ich hatte Boracay geschlossen, weil es sehr schlecht roch. Alle Hotels, Motels, Gasthoefe und andere Einrichtungen dort machten das Meer zu ihrer eigenen Klaergrube. Alle ihre Abfallablagerungen gehen direkt zum Ozean. 

 



 

Die dummen Touristen schwammen immer noch am Strand. Sie wussten nicht, dass sie vor der Scheisze der Filipinos standen. [Gelaechter] Geschieht ihnen recht. [Gelaechter] Also habe ich es aufraeumen lassen. Auf der Rueckseite sind die auserlesenen Laendereien. Es ist sehr teuer, weil es direkt hinter dem Strand liegt.

Wisst ihr, wem ich es gegeben habe? Sie spekulierten, dass Duterte es den Millionaeren, den reichen Leuten geben wuerde. Hurensoehne. Nach der Aufraeumaktion haben Minister Año, Minister Roy Cimatu und Tourismus-Ministerin Berna… 

[Hier gab es einen Sprung in seinem Gedankengang, vermutlich weil Ministerin Bernadette Romulo-Puyat nicht auf dem Podium war]

Nach der Saeuberung gab ich das Land den Menschen, den Ati, den Eingeborenen dort. Es ist alles ihres. Ich habe es nicht den ehrgeizigen Leuten gegeben, die auf die Gelegenheit warteten. Ich habe es den Ati gegeben. Das war mein Versprechen an sie.

Eines Tages wird ein Hektar eine Million wert sein, wartet einfach darauf. Wartet ein paar Jahre. Vielleicht werden es nach ein paar Jahren 5 oder 10 Millionen sein. Das ist die Zeit, in der ihr es verkaufen koennt. Passt auf das Geld auf, denn euer Stamm wird nie wieder eine Million Pesos halten koennen, in eurem ganzen Leben nicht.

Haltet euch an das Land und pflanzt. Das wird euer Lebensunterhalt und eure Einkommensquelle sein, auch wenn es nur klein ist. Wie auch immer, Minister Piñol schlug eine neue Reissorte mit  Koernern grosz wie eine Guava vor. [Gelaechter] Ich weisz nicht, wo zum Teufel er das her hat. Es wuerde mich nicht wundern, wenn ihr am Ende alle Diabetes bekommt. 

Ja, jedes Korn ist so grosz wie eine Guava. Das Problem ist, wann wir jemals so etwas essen werden. [Gelaechter] Das ist es also. Die Versprechungen der NPA sind nur Versprechungen. Es ist nur ein Versprechen. Vielleicht eine Verpflichtung, patriotisch oder auf welche Weise, ist mir egal.

 



 

Wer hierher kommt, sollte zuerst den eigenen Kopf aufraeumen. Es geht nicht um das Grundstueck am Meer, um ein Resort einzurichten und an anderen Westlern zu verdienen, die auch die Philippinen ganz toll finden. Man bebaut Land, um davon zu leben, und dann kann man Duterte verstehen, wenn er gegen KAPA redet, wie man Kindern einen Unfug ausredet. Die Leute hier glauben an Aswangs, warum nicht auch an KAPA, wo das doch ein Pastor gesagt hat? Duterte kennt die Leute, die da vor ihm sitzen, an die er Landtitel vergibt, damit sie eine Basis fuer ihr Leben haben. Er weisz um ihre Schwaechen, und so reiszt er den naechsten Witz: “Ich moechte euch meinen Rat geben. Verkauft das, damit ihr das Kapital habt, um in KAPA zu investieren. [Gelaechter und Applaus] Okay. In Ordnung, lasst es verpfaenden und morgen werde ich euch alle vorladen euch hier aufzustellen. Ihr werdet jeder einen Schlag von mir erhalten, sowohl Maenner als auch Frauen.

Der Witz ist nach Sigmund Freud die einzige Moeglichkeit Tabu-Themen in Gesellschaft anzusprechen. In einer katholisch-verklemmten Nation wie den Philippinen wird ueber Sex nicht geredet. Deshalb gehoeren die Philippinen zu den Laendern, die am meisten Porno-Seiten im Internet besuchen, und deshalb moegen Filipinos nichts mehr als “green jokes ~ schluepfrige Witze”. Erst von da aus ist zu verstehen, wie sich Duterte oeffentlich gegen die Verleumdungen des Francisco Tatad wehrt, ein Journalist, der ihm seit Amtsantritt alle moeglichen Krankheiten andichtet. Duterte feuert zurueck, er laesst nichts auf sich sitzen: “Ich erinnere mich an Tatad. Tatad respektierte mich nicht. Zuerst sagte er, ich sei krank und haette Darmkrebs. Ei nun, – im Dickdarm sind Faekalien. Er wiederholte es immer wieder, dass es zu einem Punkt kam, an dem ich glaubte, ich haette es, weil ich viel gefurzt habe. [Er haelt eine Hand hinter sich, dann an die Nase] Aber es roch nur nach Scheisze. Dieser Tatad. Schande ueber dich.

Ich kritisiere auch, aber nicht so. Als er sagte, ich sei bereits gestorben, hatte ich die Nase voll von ihm. Hurensohn Tatad. An diesem Tag haben mich viele Leute angerufen.

Doch ich bin nicht gleich an die Oeffentlichkeit gegangen. Ich sagte, in Ordnung Tatad, pass besser auf. Und dann haben wir uns gesehen in – wir haben uns einmal bei der philippinischen Kuestenwache getroffen. Ich wollte ihn schlagen, aber es waren zu viele Leute da. Also sagte ich ihm, dass er besser aufpassen soll.

Aber es gab ein Mal, dass ich eine Rede hielt. Ich brodelte vor Wut ueber diesen Hundesohn Tatad. Das geht zu weit – Ich sagte, Tatad hat Diabetes. Wenn die Person Diabetes hat, kann sein Penis nicht mehr… [er hebt das Mikrofon, Gelaechter] 

Er kann nicht mehr erigiert werden. Ein Blitz schlug ein. [Gelaechter – waehrend der Rede ging ein Gewitter ueber Lagao nieder, der Donner war in der Halle zu hoeren] Aber der Kampf ist zwischen ihnen, nicht mit mir. Ich raeche mich nur. [Gelaechter] Wenn ein Mann in meinem Alter ist, wie die anderen, die Sie jetzt vor sich sehen, dann geht nichts mehr. Jesus! Wenn Praesident Rodrigo Duterte bereits in den Ruhestand getreten ist, dann geht nichts mehr. 

Sein Penis ist ebenfalls im Ruhestand. Jetzt haben wir … Mitleid mit meinem Vater und euren Vaetern, denn jetzt gibt es ein Heilmittel dafuer. Es heißt Viagra, Cialis. Ich bin 74, aber wenn ich Viagra trinke, ich bevorzuge Viagra, weil es sofort wirkt. So geht es nicht ganz nach oben [er erhoeht wieder das Mikrofon, Gelaechter] Aber es geht nur um dieses Hoch [senkt das Mikrofon ein wenig, Gelaechter].

In westlicher Gesellschaft kann man so hoechstens im Karneval reden, nicht in einer politischen Veranstaltung, in der Laendereien an Beguenstigte verteilt werden.

Wer das verstehen will, muss sich darauf einlassen, und das faengt im eigenen Kopf an. Hier eine Frage zu stellen und einen Satz als Antwort zu erwarten, ist westlicher Unverstand. Man muss sich auf Duterte einlassen, die eigenen Gedanken von ihm fuehren lassen. Ob aus den Tupfern dann ein Bild wird, liegt nur an einem selbst. Bei den Filipinos klappt das.

Saysay sa adlaw – Himoa ang problema nga prinsipyo! 

himo tun, machen + …a Imperativ himoa mache, ang best. Art., problema Problem, nga Verbinder, prinsipyo Prinzip

Satz des Tages – Mach das Problem zum Prinzip!

 



 

Gemaesz “PCOO” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.