…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 09. Juni 2019

(zum Bild: Präsident Rodrigo Duterte sucht Anlehnung an China)

 

Bully ohne Anzug – In meinen Gedanken letzten Donnerstag verhakte ich mich an Saetzen, die konjunktivisch angereichert waren – haette, wuerde, koennte. Ein Leser machte sich darueber lustig. Das ist sein gutes Recht, auszer ueber die Toten darf man sich ueber alles lustig machen. Doch da blieb etwas offen, und das will ich heute begleichen. Die Antwort beginnt wieder mit Konjunktiven: wuerden die Menschen nur “ist” und “ist nicht” denken, dann wuerden sie ueberhaupt nicht denken und immer noch als Tiere herumlaufen.

Dazu hole ich etwas weiter aus. Mein Philosophie-Lehrer Hans Blumenberg schrieb in seiner “Theorie der Unbegrifflichkeit”: „Der Begriff entsteht im Leben von Wesen, die Jaeger und Nomaden sind. Vielleicht kann man am deutlichsten machen, was ein Begriff leistet, wenn man an die Herstellung einer Falle denkt: sie ist in allem zugerichtet auf die Figur und die Masze, die Verhaltensweise und Bewegungsart eines erst erwarteten, nicht gegenwaertigen, erst in Besitz und Zugriff zu bringenden Gegenstandes.

Der Begriff, mit dem wir die Wirklichkeit begreifen, beginnt da, wo der Jaeger etwas will, was nicht leicht zu kriegen ist, und zu philosophieren beginnt: “haette” ich dies oder das, und “wuerde” das Vieh sich so und so verhalten, “koennte” ich es packen. So “packt” er dann die Wirklichkeit und kann sie “begreifen”. Zu diesem Zeitpunkt verabschiedet sich der Jaeger aus dem Tierreich und wird Philosoph: Wirklichkeit ist nicht blosz, was “ist”, sondern mehr noch, was sein “koennte”. Das ist so einfach, dass Blumenberg es an anderer Stelle so formulierte: „Philosophie ist, worauf man beinahe von selbst gekommen waere.“ Doch das garantiert nicht, dass man auch bekommt, worauf man aus ist.

So machte sich gestern in seiner Kolumne in der “Times” Mauro Gia Samonte Gedanken darueber, dass US-Praesident Donald Trump eine Menge zu lernen haette, was chinesische Geschichte angeht. Wer eine Falle baut – um den oben gefassten Grundgedanken der Menschwerdung fortzusetzen – sollte zuvor das Verhalten des “erst in Besitz und Zugriff zu bringenden Gegenstandes” studieren. Da muss der US-Praesident etwas uebersehen haben, denn zum einen schadet sein Zollkrieg der US-Wirtschaft weitaus mehr als dem chinesischen Handel, zum anderen aber verweist Samonte auf Chinas Erfahrung des “Langen Marsches” unter Mao Tse-tung. So sagte Praesident Xi Jinping neulich bei einer Kranzniederlegung mit deutlicher Anspielung darauf: “Wir sind hier am Ausgangspunkt des Langen Marsches um die Zeit zu erinnern, als die Rote Armee ihren Weg begann. … Wir brechen nun auf zu einem neuen Langen Marsch, und wir muessen noch einmal von vorn beginnen.” Die Botschaft, die Peking so in Richtung Washington sendet, lautet, dass man sich durch Bullying nicht in die Falle treiben laesst, sondern im Bewusstsein eigener Groesze und Staerke auf Sicht handelt. Dazu gehoert auch Xis Besuch in Moskau und der Deal, den Huawei dort abschloss, fuer Russland ein 5G-Netz einzurichten. Die Europaeer werden auch nicht gluecklich mit dem Huawei-Boykott zu dem Trump sie zwingen will, aber lassen sie sich auf einen “Langen Marsch” ein?

 



 

Trumps Handelskrieg ist ein “Haette-wuerde-Spiel”, bei dem er das “Koennte” von China unterschaetzt hat. Er wird Federn lassen, und Samonte beendet seine Kolumne: “So, zur Schlussfrage: ausgedehnter Volkskrieg, ausgedehnter Handelskrieg, was ist der Unterschied? Beide beinhalten chinesisches Fachwissen – ergo, beides kann nur von Chinesen gewonnen werden.

Praesident Rodrigo Roa Duterte weisz das, deshalb faengt er keinen Krieg mit China an. Praesident Trump laesst solche Gedanken nicht an sich heran. Muss er auch nicht. Dazu schrieb Blumenberg in “Zu den Sachen und zurueck”: “Philosophie ist ein Angebot, das nicht ausschlieszen darf, dass die meisten anderes und sogar besseres zu tun haben oder tun zu sollen meinen. Ein Angebot zur Anprobe…“, das nicht passen muss. Einem Bully passt kein Anzug.

Das wird beim G20-Gipfel Ende Juni in Osaka, Japan, ein Desaster werden. US-Schatz-Minister Steven Mnuchin warnte laut “Bulletin” bereits: “Wir waren auf dem Weg zu einem historischen Abkommen. Wenn sie [die Chinesen] an den Tisch zurueckkommen und den Deal zu den Bedingungen abschlieszen wollen, den wir weiter verhandelten, waere das groszartig. Falls nicht, wie der Praesident sagte, machen wir weiter mit Zoellen.” Und er meint: “Ich wuerde erwarten, dass es zum Hauptfortschritt bei dem Treffen der G20-Fuehrer zwischen beiden Praesidenten kommt.

Die Chinesen werden nicht zu Bedingungen an den Tisch zurueckkehren, deretwegen sie einmal davon aufgestanden und gegangen sind. China ist nicht Mexiko, und was will Trump dann verhandeln, wenn er Kapitulation erwartet und ihm der “Lange Marsch” in Aussicht gestellt wird? Er wird wieder fortlaufen, wie beim letzten Gespraech mit Nord Koreas Kim Jong-un, und dann wird er in Asien nicht mehr ernst genommen. Oder anders ausgedrueckt: Bully steht im Hemd da, ganz ohne Anzug.

Saysay sa adlaw – Unsay imong hunahuna bahin ana? 

unsay ~ unsa ang was + best. Art., imong ~ imo nga Gen. von ikaw  du + Verbinder, hunahuna Gedanke, Meinung, bahin ueber, ana ~ kana jenes

Satz des Tages – Was sind deine Gedanken [ist deine Meinung] dazu?

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

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