…aus der philippinischen Presse

 

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PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 25. Mai 2019

(zum Bild: Präsident Roa Duterte mal so – mal so)

 

Der doppelte Rody – Die Ueberschrift hatte ich im November 2017 schon mal, als ich auf den Unterschied der Reden von Praesident Rodrigo Roa Duterte hinwies. Vor dem APEC-Treffen in Vietnam las er damals eine Rede brav vom Blatt, wie das andere Politiker auch tun. Vor der philippinischen Gemeinde in Vietnam redete er anders, Duterte-Sprech, wie wir ihn hier zur Genuege kennen.

Wir wissen auch zur Genuege, dass die westliche Welt den Duterte-Sprech als Nachricht verbreitet und ihn als Diktator diffamiert, dafuer aber die von ihm unterschriebenen “republic acts & executive orders” ignoriert. Ist verstaendlich, die sind ja auch nicht in dieser “schillernden Sprache”, wie Ex-US-Praesident Barack Obama den Duterte-Sprech einmal charakterisierte. Gesetze und Erlasse sind eher langweilig, und sie zeitigen eine Wirkung nur in den Philippinen. Weshalb sollte der Westen sich dafuer interessieren? Hier ist das genau umgekehrt: man sieht zuerst die Leistungen des Mannes, und da gesteht man ihm die laxe Rede einfach zu.

Filipinos sind toleranter als Westler, man darf sich nur nicht ueber sie lustig machen. Als der kanadische Premier Justin Trudeau im November 2017 beim ASEAN-Gipfels in Manila betonte, dass er gegenueber Duterte die Menschenrechte erwaehnt habe, d.h. die angeblichen “extra judicial killings”, da habe Duterte hoeflich zugehoert. Selbst auf den hier hinterlassenen kanadischen Muell angesprochen, sprach Trudeau dann jedoch von gesetzlichen Schwierigkeiten. Als nun anderthalb Jahre spaeter der Muell hier immer noch rumstinkt und nichts passiert, fuehlte Duterte sich verarscht, rief Botschafter und Personal aus Kanada ab und drohte, selbst den Muell dorthin zu schippern und denen einfach vor die Fuesze zu kippen.

Das kann man so oder so sehen. Der US-Kommentator Keith Olbermann reagierte auf die “CNN”-Meldung – Duterte habe angeordnet, Muell auf Kosten der Philippinen nach Kanada zu verschiffen – mit der vorgeblich erstaunten Frage “Was – Duterte verschifft sich selbst nach Kanada?” Diesen Witz aus der Ziegenficker-Klasse des Herrn Boehmermann versteht man im Westen, weil Duterte dort eh als “garbage” angesehen wird. Einem Filipino muesste man das erstmal erlaeutern – was man aber besser bleiben laesst. Auf der anderen Seite zeigt dies aber auch, dass man bei freundlich redenden Westlern mit freundlichen Reden nichts erreicht. Man muss ihnen vor’s Schienbein treten, damit sie aufmerken, und so gab Kanadas Umwelt-Ministerin Catherine Mckenna am Donnerstag bekannt, dass man der Firma Bolloré Logistics Canada den Auftrag erteilt habe “den Muell so rasch wie moeglich sicher nach Kanada zurueck zu bringen.” Vielleichts wird’s ja was.

 



 

Komischerweise braucht es diesen Tritt vor’s Schienbein nicht, wenn Duterte es mit ASEAN-Politikern oder solchen aus China oder Japan zu tun hat. Er ist hier in Suedost Asien ein angesehener Gespraechspartner, in seiner Politik – nicht in den Reden – sogar stilbildend. So nimmt er am 30. und 31. Mai naechste Woche an der 25sten Nikkei Conference on Future of Asia in Tokio teil, bei dem es neben wirtschaftlichen Themen um die Sicherheit der Region, insbesondere in der South China Sea geht. Ein persoenlicher Gedankenaustausch von Duterte und Japans Premier Shinzo Abe ist fest eingeplant.

Und auch hier zeigt sich wieder der doppelte Rody, nicht nur was Missachtung durch den Westen gegenueber Achtung in der Region angeht. Er will keinen Krieg, doch hat er grad in Sued Korea zwei Raketen-bestueckte Fregatten gekauft. Die BRP (Barko ng Republika Pilipinas) Jose Rizal lief letzten Donnerstag in Ulsan, Sued Korea, vom Stapel, sie wird im September naechsten Jahres ausgeliefert. Dem wird das Schwesterschiff BRP Antonio Luna folgen. Das werde kein Wettruesten betont Stabschef General Benjamin Madrigal, doch will man “unsere territoriale Integritaet wahren”. Und Vize-Admiral Robert Empedrad zitiert den klassischen Spruch: “Willst du den Frieden waren, bereite dich auf den Krieg vor.” Auch hier muss man erinnern, dass Duterte in seiner Rede Anfang April in Puerto Princessa, Palawan, sagte: “Pag-asa Island gehoert uns. Ich werde ihnen nicht gestatten, Pag-asa Island zu besetzen. Nein, selbstverstaendlich nicht. … Ich will nicht ersuchen oder bitten, sondern ich sag ganz einfach: Haende weg von Pag-asa, weil ich Soldaten dort habe. … Wenn ihr das anfasst, ist das eine andere Geschichte. Dann werde ich meinen Soldaten sagen, sich fuer eine Selbstmord-Mission bereit zu machen.” Mit zwei modernen Fregatten im Hintergrund klingt das fast schon wie ein Tritt vor’s Schienbein – in aller asiatischen Bescheidenheit.

Und doppelt kann man auch wieder sehen, dass Duterte wieder ein Militaer in eine wichtige Position gebracht hat. Er hat den pensionierten General Ricardo Morales zum neuen Vorsitzenden der MWSS (Metropolitan Waterworks and Sewerage System) ernannt. Obwohl ganz besonders dies reine Sorge um die Wohlfart des Volkes ist, sie vor einem praktischen Kollaps der Wasser-Versorgung fuer fast zwei Monate zu schuetzen, greift er hier wieder nicht auf Zivilisten zurueck, sondern auf Militaer. Er machte zuvor schon die Armee-Chefs Eduardo Año zum Innen-Minister, Rey Guerrero zum Chef beim Zoll, Roy Cimatu zum Umwelt-Minister und Eduardo Del Rosario zum Wohnungsbau-Minister. Das Militaer hat gelernt in Befehlsketten zu denken und zu handeln, bei Zivilisten hapert es da oefter, und Duterte kennt seine Pappenheimer.

So ist er eben der doppelte Rody. Mit dem Volk redet er in dessen Sprache, denkt laut, pflanzt seine Ideen und sieht, ob sie sprieszen. Entscheiden tut er nach Beratung im Kabinett, und tun muessen das die, die er dafuer ernannt hat, und die muessen dafuer auch einstehen. So sagte er zu den Offiziellen der MWSS, die das Wasser-Problem nicht in den Griff bekamen: “Die Menschen in Manila haben nicht gebadet oder sich das Gesicht gewaschen. … Was ich meine ist, ihr bringt das ganze Leben durcheinander. Ich habe mit so einem Kram wirklich keine Geduld. Entweder packt ihr das oder nicht. Falls nicht, sorry.

Mir gefaellt der asiatische Rody. Dass man sein Doppel im Westen anders sieht, ist nicht mein Problem.

Saysay sa adlaw – Hugas sa imong kamot! 

hugas waschen, sa von, imong ~ imo nga Genitiv von ikaw du + Verbinder, kamot Hand

Satz des Tages – Wasch dir die Haende!

 



Gemaesz “Manila Times”, “Daily Tribune”, “Spot”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.