…aus der philippinischen Presse

 

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 23. Mai 2019

(zum Bild: Sara Duterte die Schwierige)

 

Das Ergebnis… – …der Zwischenwahl liegt nun offiziell vor. In den Senat kommen: Cynthia Villar, Grace Poe, Bong Go, Pia Cayetano, Ronald dela Rosa, Sonny Angara, Lito Lapid, Imee Marcos, Francis Tolentino, Koko Pimentel, Bong Revilla und Nancy Binay.

In das Haus kommen neben 238 direkt gewaehlten Kandidaten noch 59 aus Party-List-Gruppen. Davon je 3 Sitze fuer ACT-CIS, eine Duterte-freundliche Anti-Crime-Gruppe, und 3 fuer Bayan Muna, eine Duterte-feindliche linke Gruppe. Zu den anderen Gruppen, die 2 oder nur 1 Sitz erhielten, kann ich nichts sagen.

Erwartet wird hier und im Ausland, dass der neue Kongress – Senat + Haus, der sich am 30. Juni zur Mittagszeit konstituiert,  zwei Wunsch-Gesetze von Praesident Rodrigo Roa Duterte durchbringen wird: die Wiedereinfuehrung der Todesstrafe und die Verfassungs-Aenderung zu einer foederalen Form der Philippinen.

Zur Todesstrafe habe ich oft geschrieben, dass ich dagegen bin, weil im Frieden nicht Recht sein kann, was im Krieg verboten ist: Gefangene toeten. Es geht mir da um die Wuerde des Henkers – wer soll einen Wehrlosen umbringen? Nun kommt es aber nicht auf mich an, ich bin nur Gast dieses Landes, und mir ist auch egal, was man mit einem Schwerst-Verbrecher anstellt. Um es bildlich krass zu sagen, meinetwegen koennen sie ihn lebendig durch den Fleischwolf drehen. Das Mitleid-Getue um jemand, der mitleidlos Verbrechen veruebt hat, halte ich fuer ein Schein-Argument, wie auch die Frage: und wenn sich spaeter seine Unschuld erweist? Jemandem, der 30 Jahre unschuldig gesessen hat, kann man sein Leben auch nicht mehr zurueckgeben und sagen: “Sorry, war keine Absicht.” Wenn das Rechts-System eines Landes derart verrottet ist, dass man einem Urteil nicht trauen kann, dann sollte man die Gerichte abschaffen und dem Allmaechtigen das Urteil ueberlassen – der vertut sich hoffentlich nicht.

Zur Einfuehrung einer foederalen Regierungsform schrieb ich kuerzlich schon, dass das dem Land eine Verdoppelung der Regierungs-Kosten und des Personals aufbuerdet. Sie bedeutet in diesem Land aber auch eine Verdoppelung der Gefahr moeglicher Korruption. Ich kann nicht abschaetzen, ob unter den Senatoren nicht auch der eine oder andere ist, der sich darueber Gedanken macht, und daher sehe ich nicht, dass das so – schwupp – ueber die Buehne gehen wird.

Das Programm des Praesidenten – gegen Kriminalitaet, Korruption und fuer die Wirtschaft – ist anspruchsvoll genug in einem Land, in dem Kriminaliatet und Korruption vor Duterte bluehten und die Wirtschaft vernachlaessigt wurde, weil eh niemand hier investieren mochte. Duterte sollte sich nicht verzetteln und bei seiner Linie bleiben.

 

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Die andere Frage ist aber auch, ob ueberhaupt alles so glatt ueber die Buehne gehen wird, wie eine wohlgeordnete Fantasie sich das vorstellen mag. In den ersten 3 Duterte-Jahren ist ja auch nicht alles glatt gegangen. Damit meine ich nicht mal, dass der Drogenkrieg doch laenger dauert als angedacht, und dass Duterte beim allgemeinen Hausputz alle zwei, drei Monate eine Handvoll Leute wegen Korruption aus der Regierung feuert, sondern dass das “Build, Build, Build” ein paar Monate verzoegert wurde und einen Knick in der Wachstums-Bilanz erzeugte, weil Senat und Haus nicht uebereinkamen, wer nun wo wieviel Pork im Haushalt versteckt hatte. Wird der naechste Haushalt “pork free”, oder geht das Geschiebe mit neuen Schiebern wieder los?

Eine Frage kocht jetzt schon hoch, da sich das Haus nicht einmal konstituiert hat. Wer wird Sprecher des Hauses? Einige Namen sind im Gespraech, doch hat nun auch der zuletzt gestuerzte Pantaleon Alvarez seinen Hut in den Ring geworfen und Duterte-Tochter Sara Duterte-Carpio ein Friedens-Angebot gemacht. Sie, zusammen mit Imee Marcos und Gloria Macapagal-Arroyo, steckte hinter seinem Sturz in einer Parkett-Revolution am Tag von Dutertes SONA (State of the Nation Address), die dadurch um zwei Stunden verzoegert wurde. Alvarez ist ein Duterte-Freund, und er sagte in Richtung Sara Duterte-Carpio: “Da nun die Wahlen vorueber sind, biete ich meine Hand in Frieden, um unsere tiefen und trennenden Wunden zu heilen.” Doch “Inday” Sara zeigte sich wenig versoehnlich: “Alvarez war und bleibt sehr gefaehrlich, ein machiavellisches Individuum, das keinen Frieden verdient.” Sie will wissen, dass nach seinem Sieg in Davao del Norte noch ein Mikrofon offen war, wonach er zu hoeren war und sagte: “Ich werde Sara in Verlegenheit bringen.

Tja, das wird wohl nichts mit den beiden, wie auch nicht mit Alan Peter Cayetano. Der ehemalige Auszen-Minister, der fuer das Haus kandidiert hat und nun Abgeordneter fuer Taguig ist, hat auch Ambitionen. Er sprach mit “Inday” Sara, wie sie sagte, nicht um um ihre Unterstuetzung zu bitten, sondern sie meint: “Er kam jedoch mit einer verdeckten Drohung, wenn ich den Abgeordneten Velasco als Sprecher unterstuetze, wuerde ich die ‘Gruppe’ aufbrechen. Und das, sagte er, wuerde die Praesidial-Wahlen von 2022 beeinflussen.” Sie selbst haelt sich da bescheiden zurueck: “Ich bin nur die Buergermeisterin von Davao. Ich bin nicht die rechte Person, um jemand als naechsten Sprecher zu empfehlen. Ich habe nur einen persoenlichen Wunsch, doch ich beabsichtige nicht, den Kongress zu beeinflussen.

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr – heiszt es nach einem alten Spruch, der faelschlich Wilhelm Busch zugeschrieben wird, doch das ist hier unerheblich. So bescheiden ist “Inday” Sara nicht, wie sie sich gibt. Sie weisz, was sie will und laesst sich nicht in die Karten gucken oder von wem auch immer reinreden, nicht einmal von ihrem Vater. Zwar sagt sie nun, da man hoert, dass auch ihr Bruder Paolo Duterte, “der sein Tatoo nicht zeigt”, Repraesentant von Davao im Haus, Ambitionen auf das Amt des Sprechers hat, die Frage solle “…am besten an unseren Vater addressiert werden, er ist der Praesident und unser Patriarch.” Nun, dieser Patriarch, der seine Familie mit nur weit geoeffneten Augen still werden laesst, ist Duterte nicht, und das hat Sara bei der Parkett-Revolution gegen Alvarez auch nicht im mindesten gestoert. Da kam Duterte aus dem Mustopf, wie man so schoen sagt, wenn jemad sich in einer Situation sieht, von der er nicht die blasseste Ahnung hatte. Sara kann auch ohne ihn, und nicht umsonst sagte Duterte einmal: “Ich kontrolliere meine Tochter nicht. Ich kann meine Tochter nicht kontrollieren. Es ist wirklich schwierig mit ihr umzugehen.” Das formulierte er auch mal so: “In Front meiner Toechter bin ich nur ein Feldwebel. Sie sind die Generale.

Die Befuerworter von Dutertes Politik haben nun zwar eine staerkere Mehrheit in Senat und Haus als zuvor, dass deshalb aber alles am Schnuerchen laeuft, wie manche sich das vorstellen, sehe ich nicht. Da sind eine Menge Politiker, die an sich selbst nicht zuletzt denken – was bekanntlich normal ist.

Saysay sa adlaw – Sa usa lang ka lurat ni tatay hilom ming tanan. 

sa usa lang ka mit nur ein, lurat die Augen weit oeffnen, ni Gen. des pers. Art. sitatay Papa, hilom ruhig, still, ming ~ kami nga wir exkl. + Verbinder, tanan alle

Satz des Tages – Mit nur weit geoeffneten Augen laesst Papa uns alle still werden.

 

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Gemaesz “Manila Times”, “Daily Tribune”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.