…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 11. Mai 2019

(zum Bild: Wahrheiten und Geschichten)

 

Gedanken zur Demokratie – Nicht nur ich habe mich gestern gefragt, wieso der Sprecher des Praesidenten, Salvador Panelo, die Sportlerin Hidilyn Diaz und die TV-Groesze Gretchen Ho in einem Atemzug mit Personen nannte, die den Sturz von Praesident Rodrigo Roa Duterte im Auge haben. Alle Medien fielen ueber ihn her, seine “bombshell” wurde ein Rohrkrepierer. Er musste kleine Broetchen backen und klarstellen, dass eins der 4 Diagramme, die er praesentierte, sich mit den Interessen des Rodel Jayme – Administrator der umstuerzlerischen Web-Seite – befasste, und der ist ein “follower” von Diaz und Ho in Facebook.

Das heiszt nicht, dass die den kennen. So haben zum Beispiel 732 Tsd Personen die Facebook-Seite von Gretchen Ho abonniert: das ist eine mono-direktionale Beziehung. Die kennt die nicht alle, vielleicht eine Handvoll davon. Um es zu vergleichen. Ich habe ein paarmal an deutsche Zeitungen E-Mails geschickt, was fuer einen Bloedsinn sie ueber die Philippinen schreiben, und sie sollen gefaelligst mein Blog oder die “Manila Times” lesen. Die haben mir nicht mal geantwortet, taete ich auch nicht. Wenn einem jemand schreibt, dass man Unfug schreibt, dann ist keine Antwort die beste Antwort. Man handelt sich nur sinnfreie Diskussionen ein. Mir bleibt fuer das persoenliche Wohlbefinden, dass man mir nicht vorwerfen kann, ich haette geschwiegen – okay, wenn’s mir dann besser geht.

Nach Panelos Logik kaeme ich jedoch in eine Grafik, die meinen “Kontakt” – E-Mail – mit auslaendischen Zeitungen konstatiert, die den Praesidenten schlecht machen. Wie steh ich dann da? Nach dem Inhalt der Mail fragt da keiner mehr. So eine uebersichtliche Grafik von Pfeilen spricht fuer sich selbst, weil jeder den Pfeil fuer sich deuten kann – aha, der mit denen, hab ich mir’s doch gedacht!

Es ist eine Frage der Demokratie. Frueher mal gab es einen Koenig, der hatte Recht und alle anderen hielten die Schnauze. In der Demokratie hat das Volk Recht, und das ist jeder – auszer zugereisten Aliens. Nun meint aber jeder, dass sein “Recht” auch gleich die Wahrheit sei. Das ist ein Aberglaube. Es gibt keine Wahrheit. Es gibt Geschichten, die passen, und es gibt Geschichten, die nicht passen. Man bleibt praktischerweise bei den Geschichten, die einem passen, das ist das gute Recht jedes Einzelnen, steht sogar in der Verfassung, Stichwort “Meinungsfreiheit”.

 



 

Man sollte den Gedanken nicht als Unfug abtun. Frueher mal war die Erde flach, das war jedermanns Wahrheit. Mit diesem Hintergrund kam man sogar darauf, dass das irgendwie nicht passt. Und weil einem das nicht passte, legte man sich eine neue, passendere Wahrheit zu: jetzt ist die Erde rund.

Man sollte sich nicht allzu sehr aufregen, wenn zu jedem Thema immer mehrere Wahrheiten gehandelt werden. Man kann sie sich anhoeren, man kann sie ignorieren oder sich einer anderen “Meinungsblase” oder “Echokammer” anschlieszen – im Netz schrieb jemand: “Ich lese nur noch alternative Zeitungen”. Was soll’s – “anything goes”, wie Paul Feyerabend 1974 in seinem Buch “Wider den Methodenzwang” schrieb. Es gibt kein methodisches Gaengelband, das auf alles passt, was die Zukunft bringt. Die Wissenschafts-Theorie ist tot, toeter geht’s nicht, und Feyerabend hat es ihr gesagt – so ein Spielverderber!

Man kann das Prinzip pervertieren, so wie das Ex-Praesident “Noynoy” Aquino tat, der sich mit einer “alternative truth” 2015 um die Verantwortung fuer das Massaker von Mamasapano druecken wollte, wie Rigoberto Tiglao am 25. Januar 2017 in der “Times” schrieb und darauf hinwies, dass die Sprecherin des US-Praesidenten das von dem abgekupfert habe, als sie Berichte von der geringen Aufmerksamkeit fuer die Vereidigung von Donald Trump aus der Welt reden wollte.

Es sind immer mehrere Wahrheiten im Spiel, und deshalb sollte man den Begriff einfach ganz aus dem Spiel lassen, wenn es um Politik geht. Der Begriff passt schon in der Wissenschaft nicht, sehr zum Leidwesen der “Welterwaermer”. Fuer die ist es wissenschaftlicher Konsens, dass der Mensch die Erde aufheizt und so zum Weltuntergang beitraegt. Es ist kein Konsens, es gibt andere Meinungen. Ich habe oft genug ueber Yen Makabenta geschrieben, der das aufmerksam in der “Times” verfolgt. Das Klima aendert sich, es ist aber eben fraglich, ob das allein dem Treiben des Menschen geschuldet ist, oder ob es da noch andere Zusammenhaenge gibt, die uns bisher nicht aufgefallen sind. Und so ist es fraglich, ob die Klimabeschluesse zielfuehrend sind, oder ob das nur Augenwischerei ist, ganz so – als ob ich eine E-Mail an eine deutsche Zeitung schreibe und mich ueber deren Berichterstattung ueber die Philippinen aufrege – okay, wenn’s ihnen dann besser geht!

 



 

Und weil das so ist, und weil vor 3 Jahren auch niemand mit dem Sieg von Rodrigo Roa Duterte gerechnet hat, was die Liberalen heute noch nicht fassen koennen, so weisz auch kein Mensch, was am Montag herauskommen wird. Es sind ja grad auch wieder Stimmen-Verkaeufer unterwegs. Sicher ist nur, dass Franklin Drilon, Joel Villanueva, Tito Sotto, Panfilo Lacson, Richard Gordon, Juan Miguel Zubiri, Manny Pacquiao, Francis Pangilinan, Risa Hontiveros, Win Gatchalian, Ralph Recto und – quasi als “remote control” – Leila de Lima dem Senat angehoeren werden. Sie wurden 2016 fuer 6 Jahre gewaehlt, und alle anderen bemuehen sich. Wer davon Erfolg hat, werden wir am Dienstag wissen. Demokratien muessen auch mit Ueberraschungen oder “alternativen Wahrheiten” fertig werden.

Um auf Panelo zurueckzukommen, so sagt der nun, das er sich bei Diaz und Ho nicht entschuldigen wird, dass sie in diesem Zusammenhang genannt wurden sondern dass sollten die tun, die das Diagramm falsch interpretiert haben. Mit Verlaub, Herr Panelo, das ist Ochsenkot. Sie haben sich mit ihrer Diagramm-Fuchtelei beim Presse-Briefing missverstaendlich ausgedrueckt. Es reicht, wenn der Praesident zu seinem Volk unsortiert in die Tuete spricht, seine Mitarbeiter sollten bei Klartext bleiben – um den Begriff “Wahrheit” auszen vor zu lassen.

Saysay sa adlaw – Puro na lang balibad, wala motuman sa mga saad. 

puro rein, klar, na nun, lang nur, balibad Entschuldigung, wala kein, nichts, tuman befolgen, beachten + mo… Z/M motuman wird, kann beachten, sa von, mga bildet Plural, saad Versprechen

Satz des Tages – Immer nur Entschuldigungen, nie haeltst du die Versprechen.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.