…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 23. April 2019

(zum Bild: von Duterte zum Dutertismus)

 

Praesident… – …Rodrigo Roa Duterte hielt gestern keine Rede beim Boao Forum. Er fuehlte sich nicht wohl und blieb zu Haus in Davao. So bekam er nichts mit von dem Erdbeben der Staerke 6.1 bei Castillejos, Zambales, das auch Gebiete in Metro Manila durchruettelte. Die “News Night” in “CNNPhil” zeigte in Video-Schleife Aufnahmen aus der Lobby des Forum, wo besorgte Angestellte zu schaukelnden Kristall-Leuchtern hochschauten.

Bis jetzt weisz man von 8 Todesopfern in Pampanga.

 



 

Personenkult II – Antonio Contreras bringt in seiner heutigen Kolumne in der “Times” den zweiten Teil seines Papiers mit dem Titel “Rodrigo Duterte als Gegen-Ideologie zur elitaeren liberalen Politik”.

Der Aufstieg Dutertes wird von vielen verstanden als Rebellion derer, die von der Macht ausgeschlossen oder durch elitaere Politik an den Rand gedraengt wurden. Er kam aber nicht mit einer Agenda, mit welcher er als Faschist, Populist oder Nationalist von der Opposition gezeichnet wird – “Er personifiziert den Aerger und den Frust eines Volkes, das von seiner Elite ignoriert, betrogen und verlassen wurde. Der Buergermeister einer Provinz-Stadt zu sein verstaerkte seine Darstellung ein Auszenseiter vom Rande zu sein.” Anzumerken ist, dass Duterte sich dessen durchaus bewusst war, wie bei seiner ersten SONA (State of the Nation Address) im Juli 2016 zu erkennen. Noch vor Begrueszung des Hauses und der Gaeste wies Duterte auf eine Besonderheit dieser Veranstaltung hin. Mit ihm am Rednerpult und hinter ihm Aquilino Pimentel als Praesident des Senats und Pantaleon Alvarez als Sprecher des Hauses, die gemeinsam den Vorsitz innehatten, koenne das Publikum “…erkennen dass die drei Typen [guys] im erhoehten Teil des Kongresses aus Mindanao sind. Gut, muessen wir nicht weiter erwaehnen.” Es wurde aber erwaehnt und bemerkt.

Er hatte aber keine Ideologie, kein Narrativ, was aus den Philippinen werden solle. “Am Ende wurde er die Ideologie, die mit seinen Ausbruechen das textliche Narrativ abgaben, und sein Handeln wurde das Muster sein Handeln zu rechtfertigen.” Duterte braucht keinen theoretischen Hintergrund, der ihn zuverlaessig deuten koennte. “Er personifiziert die noetige Rechtfertigung um dem politischen Narrativ Sinn und Verstand zu geben, das aus seiner Praesidentschaft kommt.

Wer ihn an politischen Vorbildern messen will, muss scheitern. Er wird mit Mossulini, Hitler oder Franco verglichen. Den Hitler-Schuh zog er sich selber an, nur um sich spaeter bei der juedischen Gemeinde dafuer zu entschuldigen. Ein Faschist ist ein radikaler, rechts-lastiger Nationalist, der die Opposition unterdrueckt und mit einem totalitaeren Regime Gesellschaft und Wirtschaft gleichschaltet. “Jedoch, trotz seines Draufgaengertums und seiner kruden Sprache ist der Praesident kein radikaler, rechts-lastiger Politiker, sondern stattdessen einer, der mit der linken Hand eine Landreform vorantreibt, waehrend er mit der rechten Hand einen blutigen Drogenkrieg dirigiert.

Duterte ist stattdessen ein Pragmatiker. So ist sein Wandel von den USA fort keine verspaetete Anti-Kolonial-Politik, sondern die praktische Erwaegung, dass eine diplomatische Annaeherung an China wirtschaftlich Zinsen abwerfen koenne. Tut es auch. Die Agenda, die er vor seiner Wahl nicht hatte, fiel ihm durch diesen Wandel in den Schosz – “Build, build, build”.

Dass es mit China nicht das reine Zuckerschlecken ist, weisz auch jeder, aber auch wenn er zu Pag-asa Island toent “Haende weg von Pag-asa, weil ich Soldaten dort habe”, so wird er die nie einsetzen. So sagte er am Sonntag bei einer Wahl-Veranstaltung wieder: “Wir koennen sie nicht besiegen. Also, bleiben wir dabei miteinander zu reden, es sei denn, ihr wollt dass ich sage: ’In Ordnung, ich greife China an. Wer ist dabei?’” Natuerlich hat sich niemand im Publikum gemeldet, und wenn Duterte in Peking demnaechst erreicht, dass man wenigstens die philippinischen Fischer nicht mehr belaestigt und ueber die Landebahn in Pag-asa schweigt, sie ist ja wer weisz wie lange kaputt, dann haben beide Seiten das Gesicht gewahrt und den Status quo erhalten.

 



 

Duterte wird vorgeworfen, dass er ein Populist ist. “Das ist er in der Tat. Jedoch, Populismus ist keine Ideologie, sondern eine politische Strategie.” Ein Populist macht sich die Sache des Volkes zu eigen, das von der politischen Elite ignoriert, verachtet und verlassen wird. Genau das tut Duterte, und deshalb umfasst seine politische Basis alle sozialen Klassen, das ganze ideologische Spektrum – wie viele sind nach der Wahl mit fliegenden Fahnen zu ihm uebergelaufen? Obwohl PDP-Laban 2016 im Senat selbst nur 2 Sitze gewann, im Haus nur 3 Sitze, hatten sie ploetzlich durch Uebertritt und Koalition in beiden Haeusern die Mehrheit.

Duterte ist so seine eigene Ideologie geworden, die aber auch blind machen kann, und so will Contreras als naechstes ueber die Gefahren des “Dutertismo” schreiben. Ich werde das abwarten.

Schaut man ueber die Philippinen hinaus, so ist zu erkennen, dass die Protestwahl eines Auszenseiters gegen die Elite kein Ausrutscher ist.

Waehrend Duterte 2016 seine erste SONA ablieferte, war in den USA Wahlkampf. Damals wies Jan Fleischhauer im “Spiegel” auf ein Posting von Michael Moore hin, in welchem der “…Gruende nennt, die aus seiner Sicht fuer einen Wahlsieg Trumps sprechen.” In Moores Posting stach mir die Unzufriedenheit im vernachlaessigten mittleren Westen im Gegensatz zum gut verdienenden Establishment an Ost- und Westkueste ins Auge. Die Menschen in der Mitte der USA haben ihre Jobs an Mexiko und China verloren, und dass in Silicon Valley gut verdient wird, nutzt ihnen kein bisschen. Was werden die tun? ”Du kannst den Knopf druecken und eine gerade Parteilinie waehlen, oder du kannst Mickey Mouse und Donald Duck schreiben. Es gibt keine Regel. Und eben deshalb, und wegen des Aergers den so viele fuer ein kaputtes politisches System empfinden, werden Millionen für Trump stimmen, nicht weil sie mit ihm uebereinstimmen, nicht weil sie seine Borniertheit oder sein Ego moegen, sondern einfach weil sie es koennen.

Moores Voraussage war ein Treffer. Donald Trump wurde Praesident, und wenn die Ukraine gerade den Komiker Wolodymyr Selensky gewaehlt hat, dann nehme ich ohne naehere Kenntnis an, dass auch da ein “kaputtes politisches System” mehr zu dessen Sieg beigetragen hat als ein politisches Programm.

Man hat das verlogene Gefasel satt, und hier mag auch niemand mehr etwas von der Liberalen Partei hoeren, die auszer Selbst-Beweihraeucherung nur Selbst-Bereicherung im Programm hatte. Da ist einem ein ehrlicher Kerl wie Duterte lieber, auch wenn der seine Ecken und Kanten hat.

 



 

Die Matrix… – …welche die “Times” gestern zu den “Bikoy-Videos” mit einem Artikel von Dr. Dante Ang zum Plan des Sturzes des Praesidenten zeigte, stammt von Praesident Duterte oder von dessen ungenannten Informanten. Sie sollte gestern vom Sprecher des Praesidenten, Salvador Panelo, veroeffentlicht werden, der jedoch sah, dass jemand schneller war, wie er im Presse-Briefing sagte.

Das gefaellt mir nicht, denn Dante Ang ist Gesandter fuer internationale Oeffentlichkeits-Arbeit des Praesidenten, eine Aufgabe, die er auch schon fuer Gloria Macapagal Arroyo ausgefuellt hat, als die Praesidentin war. Man kann sich also vorstellen, wie Ang daran gekommen ist, und das riecht nach Propaganda. Duterte gab oefter mal Hinweise z. B. auf Konten des Senators Antonio Trillanes in Singapur, die nicht existierten, oder dass er im letzten Herbst eine “Oktober-Revolution” der Kommunisten erwartete, die nicht kam. Duterte ueber sich selbst: “Wenn ich den Mund aufmache, kommen Luegen raus.” Er ist nun mal Politiker, und kein investigativer Journalist.

Da waere mir die Matrix als Resultat der Recherche des Rigoberto Tiglao lieber gewesen, auf die man sich fuer gewoehnlich verlassen kann. Dennoch zeigt die Analyse Tiglaos in seiner gestrigen Kolumne, um mal eine Formulierung aus dem Mueller-Report auf hiesige Verhaeltnisse umzumuenzen, “…while this matrix does not conclude that Otso Diretso committed a crime, it also does not exonerate them.

Alle genannten Personen und Organisationen haben die Vorwuerfe selbstverstaendlich zurueckgewiesen, das ist ihr gutes Recht.

Saysay sa adlaw – Sulti sa tinuod, walay lipod-lipod! 

sulti sagen, sa ~ unsa wie, was, tuod  zeigt Zustimmung an + …in… bezeichnet Art und Weise tinuod dem man zustimmen kann, wahrhaftig, tatsaechlich, walay ~ wala ang kein, nicht + best. Art., lipod abschirmen, verbergen lipod-lipod drum herum reden

Satz des Tages – Sag die Wahrheit, red nicht drum herum!

 



 

Gemaesz “PNA”, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.